Einmal im Jahr gemeinsam auf Zeitreise

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NACHRODT-WIBLINGWERDE - Ein Hobby ist auch immer zugleich eine Leidenschaft. Den einen packt das Fußballspiel, ob nun aktiv oder mehr als Beobachter vor dem Fernsehschirm. Ein anderer hat sich dem Chorgesang verschrieben. Doch all das entspricht nicht der Freizeitgestaltung Svenja Schaefers, der Leiterin der Offenen Ganztagsschule in Nachrodt. Sie hat sich ein Hobby gesucht, was nur von sehr wenigen ausgeübt wird. Schaefer wowie ihr Ehemann Markus, Tochter Marlin Loreena (9) und Sohn Cederic Thore (14) haben ihre Liebe für das Mittelalter entdeckt.

Und wenn man sie in Ausübung ihres Hobbys antrifft, sollte man sich nicht wundern, wenn plötzlich Sarazene den Weg kreuzen. Bei den Sarazenen handelte es sich um einen ursprünglich arabischen Volksstamm. Im 12. und 13. Jahrhundert, also in der Zeit der Kreuzzüge, galt diese Bezeichnung jedoch als Oberbegriff für Araber und Muslime. Die Kultur dieser Völker hat nun die Familie Schaefer für sich entdeckt. Sie lieben nicht nur das Mittelalter, sie leben es. Und das im Wortsinne. Sie verfügen über eine umfangreiche Sammlung mittelalterlicher Gewänder, Panzer und auch Waffen. Die Gewänder fertigt Svenja Schaefer selbst. Und zwar nach historischen Vorlagen.

Ehemann Markus ist für die Beschaffung der „Waffen“ zuständig. Diese findet er auf Trödel- oder Mittelaltermärkten. Sein Arsenal besteht zum großen Teil aus handgefertigten Waffen, die allerdings den Originalen nachempfunden wurden. Darüber hinaus verfügt die Familie Schäfer über zwei sogenannte Keilzelte. Diese Unterkünfte waren im 12. und 13. Jahrhundert in Gebrauch. Mehrere Familien errichteten ein Lager, in dessen Mitte ein Feuer brannte. Dort wurden dann die gemeinsamen Mahlzeiten bereitet und die Familien fanden im Gespräch zueinander.

Diese Situation erleben die Schaefers heutzutage hautnah. Denn innerhalb der Schulferien treffen sie sich mit Gleichgesinnten, um ein solches Lager aufzubauen und dort auch für mehrere Tage zu leben. Das ist nicht ganz so einfach, wie es sich anhört. Denn die Familie, und mit ihr alle anderen Lagerbewohner, verzichten auf alles, was auch nur annäherungsweise mit der Neuzeit in Verbindung zu bringen ist. Handys, Laptops oder Radios, alles tabu. Selbst das Trinken aus einer gewöhnlichen Flasche ist undenkbar. Da muss dann schon einmal ein Fellüberzug herhalten, um das neuzeitliche Gefäß zu verdecken. Wenn man ein solches Lager betritt, fühlt man sich in eine Zeit versetzt, die man heutzutage bestenfalls aus Filmen kennt. Die Familie Schäfer macht daraus die Wirklichkeit. Ihre Gewandung, die angelegten Waffen, all das ist perfekt gestaltet. Tochter Marlin Loreena erklärt: „Ich finde das Hobby toll. Das ist immer so wie ein Familienausflug. Ausserdem hat mein Bruder dann seinen Computer nicht dabei und spielt dann mit mir. So, wie das die Kinder früher gemacht haben“.

Markus Schaefer kann sich vorstellen, das Hobby der Familie auch in Nachrodt und Altena zu etablieren. „Ich fände es toll“, so Schaefer, „wenn man die Burg auch einmal bemannen könnte“. Allerdings nicht mit Sarazen sondern vielmehr mit Rittern. Schaefer würden daher gern weitere Freunde des Mittelalters um sich wissen. Die Familie Schaefer ist unter der Rufnummer 0 23 52 / 7090 019 zu erreichen. Über jeden erst gemeinten Anruf würde sie sich freuen. - hb

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