Bürger haben Sorge vor Tollwut

Fuchs, du hast das Kaninchen gestohlen

Ein Fuchs hat in Nachrodt zwei Kaninchen „gestohlen“ und fühlt sich heimisch.
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Ein Fuchs fühlt sich in Nachrodt wohl. Viele Bürger sind deshalb besorgt.

Zwei Kaninchen gehen auf seine Kosten: So viel steht fest. Sabrina Lippert vermisst sie schmerzlich. Andere Taten kann man dem Fuchs, der sich in Nachrodt augenscheinlich sehr heimisch fühlt und seit Anfang November in den Wohngebieten rund ums Nachrodter Feld gesichtet wird, noch nicht nachweisen. Doch die Aufregung ist groß.

Nachrodt-Wiblingwerde – Besorgte und aufgeregte Anrufer wenden sich immer wieder ans Ordnungsamt. „Die Menschen sind verunsichert, haben besonders Angst vor Tollwut oder anderen Krankheiten. Jetzt wird es aber etwas ruhiger“, sagt Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz. Er möchte die Bürger beruhigen. Den letzten Tollwutfall bei Wildtieren gab es in Deutschland laut Robert-Koch-Institut im Jahr 2006.

Jäger hat sich „der Sache angenommen“

Dennoch ist der zuständige Jäger informiert und „hat sich der Sache angenommen“, wie Waldbesitzer Christian von Löbbecke sagt. Der Jäger werde verantwortungsvoll handeln, sofern das erforderlich sein sollte. Christian von Löbbecke verdeutlicht, warum es nicht so ungewöhnlich ist, dass ein Fuchs anzutreffen ist. „Füchse sind in den letzten Jahren aufgrund der immer dichter werdenden Besiedlung Kulturfolger geworden, das heißt, sie suchen im Umfeld menschlichen Lebens auch nach Äsung wie zum Beispiel Knochen-/Fleischreste oder eben auch Haustiere, sofern sie Zugriff auf diese haben. Sicher ist jedem das Lied ,Fuchs Du hast die Gans gestohlen’ noch geläufig, mit dem bereits Kinder auf diese Eigenschaft vorsichtig vorbereitet werden. Allerdings scheut der Fuchs den direkten menschlichen Kontakt, er ist also keinesfalls zutraulich.“

Fuchs ist neugierig

Neugierig ist der Nachrodter Fuchs aber auf jeden Fall. Spaziergänger haben ihn gesehen, als er nur ein paar Meter von ihnen entfernt „ganz entspannt“ an ihnen vorbeilief, wie Nachrodter in sozialen Netzwerken kundtun.

Viele Bürger erfreuen sich auch an der Möglichkeit, das Wildtier zu beobachten. Andere beklagen sich aber über Schäden oder Belästigungen und fürchten die Verbreitung von Krankheiten.

„In befriedeten Bezirken haben Gewehre nichts zu suchen

Jäger Heiko Cordt

Etwas mehr Gelassenheit wünscht sich Berufsjäger Heiko Cordt. Und er wird deutlich: „Wenn die Leute Probleme damit haben, sollten sie in die Stadt ziehen, wo alles betoniert ist.“ Dass der Fuchs getötet werden sollte, sieht Heiko Cordt nicht. „In befriedeten Bezirken haben Gewehre nichts zu suchen.“ Nur im Rahmen eines Notstandes oder wenn Gefahr in Verzug sei, dürfe man die Waffe einsetzen. „Nicht nur die Tiere müssen sich mit uns arrangieren, auch wir mit den Tieren“, findet Heiko Cordt und rät, die Kirche im Dorf zu lassen. „Der Fuchs ist ein scheues Tier.“ Vom Gebiss her sei er ein reiner Fleischfresser, aber er fresse auch mal Früchte. Füchse sind also Allesfresser. Beeren, Fallobst, Mäuse, Regenwürmer gehören genauso zu ihrer Nahrung wie auch Abfälle, die Menschen hinterlassen. Besonders beliebt sind Nahrungsreste in Abfallsäcken oder auf Komposthaufen. Und die Futternäpfe der Hauskatzen sind ebenfalls äußerst attraktiv.

Bitte nicht füttern

Übrigens: Die heimliche Hauptstadt der Füchse ist Zürich, wie Heiko Cordt erzählt. „In Berlin gibt es ohne Ende Wildschweine, Leoparden in Neu-Delhi, Wanderfalken in New York.“ Und Nachrodt hat einen Fuchs.

Das Wichtigste, so sagen alle Beteiligten einstimmig, sei, dass der Fuchs keine Nahrung und keinen Unterschlupf in den Gärten findet. Auf keinen Fall sollte der Fuchs gefüttert werden. Haustiere im Freien – auch Hamster und Kaninchen – müssen fuchssicher eingezäunt werden und gehören nachts in einen geschlossenen Stall.

Und so werden auch die restlichen Kaninchen von Sabrina Lippert nicht mehr munter im Garten hoppeln. Eine Gartenumzäunung behindert die Streifzüge des Fuchses. Sandkästen sollen abgedeckt werden. Ansonsten ist Toleranz gefragt.

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