Massive Flutschäden

Eickhoff noch immer von Außenwelt abgeschnitten: So versorgt Familie ihren Hof

Das Haus am Eickhoff konnte die Familie – hier Anja Grennigloh – retten und ist dankbar dafür.
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Das Haus am Eickhoff konnte die Familie – hier Anja Grennigloh – retten und ist dankbar dafür.

Der Eickhoff ist nach den verheerenden Flluten noch immer von der Außenwelt abgeschnitten. Familie Grennigloh kämpft sich täglich zu Fuß zum Hof, um die Tiere zu versorgen. Und sie sind dankbar, dass nicht noch mehr passiert ist.

Nachrodt-Wiblingwerde –Durchhalten. Hin und wieder durchatmen. Dann wird man die Zeit durchstehen. Irgendwie. Andreas Grennigloh glaubt fest daran. Nach der Evakuierung seiner Familie vom Eickhoff können die Tiere nicht sich selbst überlassen werden. Die Gänse, Enten, Hühner und Kaninchen müssen versorgt, die Ställe gemistet werden.

Nur über eine große Wiese kommen Andreas Grennigloh, sein Bruder Christian, Schwager Dietmar, Schwester Klara und seine Frau Anja zum Hof. Das Auto wird bei Knipps geparkt. Und dann wird marschiert. „Da muss man körperlich schon gut drauf sein“, erzählt Andreas Grennigloh schmunzelnd.

Kein Zugang zum Eickhoff: Familie bleibt gelassen

Vor dem Unwetter war das Zuhause des 62-Jährigen eine Idylle, „heute ist es eine Idylle auf einer Insel“, sagt Anja Grennigloh. Auch sie ist guter Dinge. Dass die Familie ihr Haus retten konnte, indem sie die ganze Nacht „in Unterbuxen“ gekämpft und gebuddelt hatte und mithilfe von zwei großen Forstmaschinen einen Wall aufbauen und den reißenden Bach um das Haus umleiten konnte, macht alle Beteiligten dankbar und auch bescheiden. „Wir sind gesund, uns ist nichts passiert“, sagt Andreas Grennigloh. Dass die Straße weggerissen ist und es immer noch von keiner Seite einen Zugang zum Eickhoff gibt, nimmt er gelassen.

Andreas Grennigloh muss und darf seine Tiere am Eickhoff versorgen.

Nur die Oma fragt immer wieder, wann sie denn nach Hause zurückdarf. Sie wurde übrigens mit ihren 77 Jahren in einer „Treckerschüppe“ von der Feuerwehr gerettet. Etwas, das die Familie so schnell nicht vergessen wird. „Sie wollte eigentlich nicht weg“, erzählt Andreas Grennigloh. Doch eine Wahl hatte niemand.

Unterkünfte in Lüdenscheid und Letmathe gefunden

In Letmathe und in Lüdenscheid sind die „Gestrandeten“ untergekommen und fühlen sich gut aufgehoben. Aber natürlich möchten alle zurück nach Hause. Die dritte Generation lebt auf dem Eickhoff und will es auch weiterhin tun.

Bis es eine Zuwegung gibt, wird es dauern. „Mindestens drei Wochen, aber ich weiß gar nicht, ob wir das in der Zeit schaffen“, sagt Sigi Müller. Der Tiefbauer ist der Retter in der Not, der gerade dabei ist, den Weg im Bereich der Fischteiche zu vergrößern, damit schweres Gerät mit Material überhaupt durchfahren kann. Ein paar Meter weiter sieht man rechts steil unten den Kreinberger Bach, der wie harmlos vor sich hin plätschert. Nach dem Hochwasser 2008 wurde dort eine Bachbefestigung gebaut.

Bach teilweise zwei Meter tiefer als vor der Flut

„Wie man sieht, hat das gehalten“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding. Doch: Jede Menge Geröll ist beim Unwetter mit dem dann reißenden Strom von oben gekommen, der von links nach rechts die Straße unter einer kleinen Brücke kreuzt. Normalerweise. Die Straße selbst hat das Unwetter in vielen Teilen ganz gut verkraftet.

Das Ausmaß der Flutschäden am Eickhoff ist kaum in Worte zu fassen.

An anderen Stellen ist das Ausmaß der Zerstörung kaum in Worte zu fassen. Zum Teil ist der Bach zwei Meter tiefer als ursprünglich, senkrecht schaut man in die Tiefe. Dort soll der Bach wieder zurückversetzt werden, in dem man das Bachbett auffüllt.

Lob für Gemeinde

Für den Bereich der Fischteiche hat Bauamtsleiter Dirk Röding die Idee, ein Rückhaltebecken zu bauen, damit solche Schäden, wie sie jetzt weiter unten Richtung Bahnübergang passiert sind, eventuell zukünftig zu verhindern sind. All das geht nicht von Zauberhand. „Aber alle tun ihr Bestes“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding. Das weiß die Familie Grennigloh.

„Die Gemeinde macht, was sie machen kann. Wir können uns wirklich nicht beschweren“, so Andreas Grennigloh. Strom und Wasser gibt es. Nur kein Telefon.

Im Bereich der Fischteiche verbreitert Sigi Müller die Straße, damit Lkw mit Material durchfahren können.

Für die Gemeinde hat der Eickhoff in der Tat höchste Priorität. Im Notfall kommt im Moment kein Rettungsdienst zum Eickhoff. Und das ist auch der Grund, warum Andreas Grennigloh nicht mit den Aufräumarbeiten beginnt. „Wir fangen erst an, wenn es einen Weg gibt. So lange muss alles liegen bleiben. Denn wenn etwas passiert, kann uns niemand helfen.“ Übrigens: Die Tiere haben die Ausnahmesituation im Unwetter gut überstanden, keines ist ertrunken.

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