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Ehrenamtspreis sorgt für Diskussionen in Nachrodt

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Engagementpreis Mecklenburg-Vorpommern
Eine Auszeichnung fürs Ehrenamt gibt es in Nachrodt-Wiblingwerde. Der Preis sorgte nun für Diskussionen. © Swen Pförtner/dpa

Seit 2017 vergibt die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde einen Ehrenamtspreis. In diesem Jahr nicht. Das hat einen besonderen Grund - und löste eine Debatte aus.

Nachrodt-Wiblingwerde – Wenn es nach Sonja Hammerschmidt ginge, würde der Ehrenamtspreis abgeschafft. Warum? „Es gibt so viele Diskussionen. Nur weil man jemanden nicht mag, sagt man: Der bekommt den Preis nicht. Das geht nicht nur um Aykut Aggül, sondern auch um andere“, so die UWG-Vorsitzende.

Auslöser der Debatte im Hauptausschuss war ein Antrag der SPD-Fraktion, die Richtlinie zur Vergabe des Ehrenamtspreises zu ergänzen. Mandatsträger der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde sowie des Märkischen Kreises, so der Wunsch, sollen von der Vergabe ausgeschlossen sein. Bevor dies einstimmig befürwortet wurde, gab es interessante Diskussionen dazu.

SPD: Mandatsträger sollen keinen Preis bekommen können

In der Gemeinde gibt es einen „Arbeitskreis Ehrenamtspreis“, der die Preisträger kürt. In diesem Jahr entschied man sich, den Ehrenamtspreis nicht zu verleihen, weil die beiden vorgeschlagenen Bürger den Arbeitskreis nicht überzeugen konnten. Ob dies so war, weil „die Nase nicht gepasst hat“, wie es Sonja Hammerschmidt formulierte, ist allerdings nicht bekannt.

Fakt ist: Die Sozialdemokraten hatten in der Richtlinie eine Regelungslücke gefunden. „Wir gehen davon aus, dass sich die Kriterien der Preisverleihung auf Personen beziehen, die sich um das Allgemeinwohl besonders verdient gemacht haben. Und dass sich das auf Privatinitiativen beziehen soll, die nicht in Verbindung mit einem öffentlichen Mandat stehen“, erklärte Gerd Schröder, Fraktionsvorsitzender der SPD, das Anliegen. Ratsmitglieder und Kreistagsabgeordnete sollten deshalb von der Preisvergabe ausgeschlossen sein.

Schärfere Richtlinie abgelehnt

„Das ist ein wichtiges Signal. Und angemessen“, findet Jens-Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU, der aber auch Sonja Hammerschmidt Recht gab: „Es ist immer schwierig, wenn Menschen über andere Menschen entscheiden.“

Dem fraktionslosen Ratsherrn Aykut Aggül war die zusätzliche Richtlinie noch „zu lasch“, er würde auch gern sachkundige Bürger und Einwohner mit einbeziehen. Soweit wollte niemand gehen. Dann würde es tatsächlich auch Preisträger geben, die den Preis vielleicht zurückgeben müssten. War das das Anliegen von Aykut Aggül? Richtig raus mit der Sprache wollte er nicht. „Was wir an Ehrenamtspreisen vergeben haben, war nach den bisherigen Richtlinien. Und jetzt machen wir einen Cut“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat.

Mandatsträger in Vereinen: Und nun?

Das Thema hätte damit beendet sein können, wenn Birgit Tupat nicht noch ein „klitzekleines Problem“ angesprochen hätte. „Was ist, wenn die Mandatsträger in Vereinen tätig sind? Fallen dann auch diese Vereine ‘raus?“ Auch Anne Klatt sprach dies an, ist sie doch für die UWG im Rat und gleichzeitig im Bürgerbusverein tätig, der den Ehrenamtspreis bereits bekommen hat.

„Gesetz den Fall, ein Mandatsträger ist auch Vereinsvorsitzender, dann wird doch nicht die Person geehrt, sondern der Verein, der Gutes geleistet hat“, so Gerd Schröder. Er trete in diesem Fall nicht als Mandatsträger auf, sondern als Vereinsmitglied. Der Ehrenamtspreis stehe dann natürlich dem Verein zu. So sehen es alle. Und so heißt es jetzt in der neuen Richtlinie exakt: Einzelpreisträger dürfen keine Mandatsträger sein.

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