Heimatpreis: Erst Verleihung, dann Diskussionen


Bürgermeisterin Birgit Tupat (Mitte) überreichte den Heimatpreis an (v.l.) Dr. Christian Schulze, Siegfried Kruse (beide Heimatverein, Ulrich Knoop und Hans Wehr (beide Förderverein Gartenhallenbad).
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Bürgermeisterin Birgit Tupat (Mitte) überreichte den Heimatpreis an (v.l.) Dr. Christian Schulze, Siegfried Kruse (beide Heimatverein, Ulrich Knoop und Hans Wehr (beide Förderverein Gartenhallenbad).

In der Sitzung des Nachrodter Gemeinderates wurden zwei Heimatpreise vergeben. Anschließend gab es Streit über die Art und Weise, wie künftig über die Vergabe von Preisen entschieden werden soll. Grund war, dass der fraktionslose Aykut Aggül mitreden will.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es war in vielerlei Hinsicht eine „Hardcore-Veranstaltung“: Mehr als drei Stunden tagte der Rat. Und fast minütlich wurde es am Montagabend kälter in der Lennehalle. Mundschutz, Abstand und ein eisiger Luftzug änderten aber nichts an der Debattierfreudigkeit der Kommunalpolitiker. Einer verließ den Saal. Er hatte einen heftigen Dämpfer hinnehmen müssen. Zuvor aber gab es den erfreulichsten der 27 Tagesordnungspunkte: die Verleihung des Heimatpreises.

Obwohl in der riesigen Halle wenig feierlich, war der Moment ein besonderer, als Hans Wehr, Ulrich Knoop, Dr. Christian Schulze und Siegfried Kruse den Heimatpreis von Bürgermeisterin Birgit Tupat entgegennahmen. Urkunden, Süßigkeiten und jeweils 2500 Euro bekamen der Förderverein des Gartenhallenbades und der Heimat- und Verkehrsverein.

Gartenhallenbad in Nachrodt: „einzigartiges Beispiel“ für bürgerschaftliches Engagement

„Sie und Ihre Mitstreiter haben an das Gartenhallenbad als Bürgerbad geglaubt und haben Recht behalten. Heute ist es ein einzigartiges Beispiel dafür, was Bürger schaffen können, wenn sie an einem Strang ziehen“, sagte Bürgermeisterin Birgit Tupat in ihrer Laudatio für den Förderverein, lobte das große Engagement („Dass Familien am Wochenende das Bad besuchen können und es Spielnachmittage gibt, ist allein Ihr Verdienst“) und machte auf das vielfältige Kursangebot aufmerksam, das ohne die Unterstützung des Fördervereins nicht möglich wäre.

Um all dies zu stemmen, ist der Förderverein auf die Einnahmen aus Hallentrödel, Osterfeuer, Weihnachtsmarkt und „Lenne lebt“ angewiesen. Veranstaltungen, die in diesem Jahr auffallen mussten. „Umso mehr freuen wir uns, dem Förderverein Gartenhallenbad diesen Preis überreichen zu dürfen“, so Birgit Tupat, die Hans Wehr und seinen Mitstreitern wünschte, „nie den Mut zu verlieren und weiter für Ihr und unser Bad zu kämpfen“.

Heimat- und Verkehrsverein Nachrodt: „Einzigartiges „Wanderwegenetz“

Einzigartig ist auch das Engagement des Heimat- und Verkehrsvereins. „Wegen Corona hat es die Menschen noch mehr als sonst hinaus in die Natur gezogen. Fast alle folgten unterwegs den kleinen roten Punkten auf weißem Untergrund“, erzählte die Bürgermeisterin und dankte dem Heimatverein für die schönsten Strecken rund um Nachrodt-Wiblingwerde. „Ein solches Wanderwegenetz ist wirklich einzigartig für so eine kleine Gemeinde“, so Birgit Tupat, die auch die vielen Themenabende in der Heimatstube lobte.

„Sie gehen den Geheimnissen der Region auf den Grund, und das auf eine Art und Weise, die so viele Menschen begeistert.“ Das gilt auch für das Erntedankfest, das Aufstellen des Maibaums oder das Ansingen im Advent. „Und Sie schaffen es, dass fast das ganze Dorf mitfeiert“, lobte Birgit Tupat stellvertretend Christian Schulze und Siegfried Kruse für „das außerordentliche Engagement“.

Ehrenamtspreis: Debatte um Erweiterung des Gremiums

Apropos außerordentlich: So könnte man durchaus auch die Debatten im Anschluss bezeichnen. Zwei davon drehten sich um den fraktionslosen Ratsherrn Aykut Aggül. Die UWG-Fraktion hatte auf Anregung von Aykut Aggül den Antrag gestellt, die Richtlinie zur Verleihung des Ehrenamtspreises zu erweitern – und zwar dahin gehend, dass auch den fraktionslosen Ratsmitgliedern die Möglichkeit gegeben wird, an den Entscheidungen teilzunehmen. Reine Formsache? Von wegen.

„Bislang treffen jeweils zwei Mitglieder aus den Fraktionen, also sechs Leute, plus die Bürgermeisterin die Entscheidung, wer den Ehrenamtspreis bekommt. Bei einer weiteren Person hätten wir acht Leute, sodass es zu einer Patt-Situation kommen könnte“, so Gerd Schröder, Fraktionsvorsitzender der SPD. Die Bürgermeisterin machte darauf aufmerksam, dass es bislang immer einstimmige Entscheidungen gegeben habe, notfalls müsste das Los entscheiden.

Zweite „Klatsche“ für Aggül

Und sie bot an, ihren Sitz im Ehrenamtspreis-Gremium abzugeben. Das stieß nicht auf Wohlwollen. „Wir sehen darin keinen Gewinn“, meinte Gerd Schröder und wurde von Jens Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU, unterstützt, der das Gremium auch nicht erweitern möchte. „Es wäre eine überproportionale Vertretung. In dieser Form sind wir nicht dafür.“ Auch der Einwand von UWG-Sprecherin Petra Triches, dass es Aykut Aggül war, der den Ehrenamtspreis in der Gemeinde mit eingeführt hatte, änderte an der Abstimmung (SPD und CDU dagegen) nichts.

Zwei Tagesordnungspunkte später die nächste „Klatsche“: Aykut Aggül hatte beantragt, in den Haushalt 2021 Geld für fraktionslose Ratsmitglieder einzustellen – 235 Euro. Während Ratsherr Matthias Lohmann direkt seinen Verzicht erklärte, begründete Aggül diesen Antrag mit notwendigem Fortbildungsaufwand. Im Zuge der Haushalsplanberatungen möchte die SPD selbst einen Antrag über „Zuwendungen für die Fraktionen“ vorlegen und bat deshalb, das Thema zu vertagen, was schließlich mit zwei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen (jeweils von der UWG) beschlossen wurde.

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