Ehrenamtspreis für Elfriede Sickart

+
Hilft immer, wo sie kann: Elfriede Sickart (76).

Nachrodt-Wiblingwerde – Flüchtlingskreis, Hallentrödel, Pertheshaus: Elfriede Sickart ist da, wo Hilfe gebraucht wird. Dafür wird sie nun geehrt.

Ein Ehrenamt ist keine Arbeit, die nicht bezahlt wird. Es ist eine Arbeit, die unbezahlbar ist. In Nachrodt-Wiblingwerde gibt es aber eine schöne Anerkennung dafür: den Ehrenamtspreis. In diesem Jahr geht er an Elfriede Sickart. 

Sie tut Gutes und macht nie eine große Sache daraus. Sie ist immer da, wenn sie gebraucht wird. Und jetzt ist es ihr fast unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen. „Für mich ist das selbstverständlich, was ich mache. Deshalb war ich so überrascht, dass man mich vorgeschlagen hat“, erzählt Elfriede „Friedel“ Sickart, die während der Sitzung des Rates am 31. August ab 17 Uhr im Schlosshotel Holzrichter geehrt wird. 

Seit 2015 beim Flüchtlingskreis

Sie selbst hätte Gertraud Rüsch gewählt und kennt auch noch andere, die den Preis verdient hätten. Engagiert ist Friedel Sickart im Pertheshaus, beim Hallentrödel und im Flüchtlingskreis. „Ich wollte mich selbst informieren, mir selbst ein Bild machen“, erzählt Friedel Sickart von ihren ersten Besuchen beim Flüchtlingskreis. Das war 2015. 

„Zuerst war ich in der Kleiderkammer. Da haben wir ordentlich gerödelt und sortiert. Das lief super“, erzählt die sympathische Preisträgerin, die dann direkt auch beim Begegnungscafé für Flüchtlinge mitmachte. 

„Das hat mich begeistert. Die Menschen haben sich gefreut, dass man sich ihrer annahm. Man gab ihnen das Gefühl, willkommen zu sein. Das ist durchaus bis heute so, aber wir haben ja jetzt nicht mehr so viele Flüchtlinge in der Gemeinde.“ 

Aus Helfern werden Freunde

Auch Freundschaften haben sich entwickelt. „Ich bin bei einer Familie zum Ramadan eingeladen gewesen“, erzählt Friedel Sickart, die gern hilft, wo Hilfe gebraucht wird. Wie bei zwei jungen Menschen, die aus der Türkei geflohen waren „und hier unheimlich motiviert waren und dringend Nachhilfe suchten“. 

Friedel Sickart vermittelte und bekam jetzt vor wenigen Tage Post aus dem Erzgebirge. Beide haben eine Arbeit gefunden und bedankten sich für die Unterstützung. „Das hatte ich schon längst vergessen.“ 

Der Flüchtlingskreis ist für Friedel Sickart eine Bereicherung. „Es ist interessant, so viele Kulturen kennenzulernen.“ Kein einziges negatives Erlebnis hatte sie, „nur angenehme Überraschungen“. Dass kaum Bürger zum Flüchtlingskreis kommen, bedauert die 76-Jährige. „Vielleicht gibt es eine Hemmschwelle, vielleicht wird der Kreis auch nicht so wahrgenommen.“ 

Es gab schon immer Einsame

Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Treffen aktuell ausgesetzt. Aber über die Flüchtlingsbeauftragte Sabrina Lippert, die den Helferkreis auf dem Laufenden hält, sind weiterhin Kontakte möglich. „Das Café ist ein Selbstläufer. Wir sind so ein tolles Team und so gut aufeinander abgestimmt. Da sind auch tiefere Freundschaften entstanden“, schwärmt Friedel Sickart. 

Zeit schenken: Das war für die Christdemokratin, die von 1989 bis 2009 auch Ratsfrau war, schon immer selbstverständlich – auch, als sie noch in Vollzeit berufstätig war. Seit 30 Jahren ist sie nämlich schon im Pertheshaus aktiv, liest den Bewohnern vor, singt mit ihnen, macht Gedächtnistraining. „Das ist eine Herzenssache“, sagt sie schmunzelnd. 

Vorstoß für Pflegeberatung

Dass die Gesellschaft heute immer mehr vereinsamt, kann sie nicht bestätigen. Schon früher, so sagt Friedel Sickart, gab es viele Altenheimbewohner, die überhaupt keinen Besuch bekamen. Und dann gibt es noch den Hallentrödel, bei dem sie zum Café-Team gehört. „Da mache ich immer gerne mit. Der Förderverein Gartenhallenbad liegt mir auch so am Herzen. Ich bin froh, dass das alles so gut läuft.“ 

Politisch ist Elfriede Sickart weiterhin aktiv: Als sachkundige Bürgerin sitzt sie für die CDU im Sozialausschuss. Dort hat sie die Pflegeberatung angeregt, die mittlerweile in der Gemeinde angeboten wird. 

Bei den Landfrauen hatte Friedel Sickart einen Vortrag von Simone Kuhl, Pflegeberaterin des Märkischen Kreises, gehört. „Danach habe ich sie angesprochen“, erzählt die Christdemokratin von den Anfängen.

Pflegeberatung Aktuell gibt es coronabedingt keine Pflegesprechstunden im Amtshaus, aber telefonisch ist Simone Kuhl unter 0 23 52/ 96 671 90 erreichbar. „Wir planen, dass wir im September wieder starten können“, sagt sie. Hausbesuche sind auch aktuell möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare