Ehrenamtliche Sterbebegleiter haben reichlich zu tun

Sterbebegleiter haben reichlich zu tun

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Hans Wehr und Gerlinde Sülberg-Müller (vorne) sowie Gisela Greif und Rolf Sadowski (hinten) gehören zur ökumenischen ambulanten Hospizgemeinschaft.

Nachrodt-Wiblingwerde - Die ökumenische ambulante Hospizgemeinschaft Nachrodt-Wiblingwerde hat vor rund drei Jahren ihre Tätigkeit aufgenommen. Doch schon seit geraumer Zeit ist klar, dass eine Vergrößerung der Gruppe unumgänglich ist.

Die Mitglieder der Hospizgemeinschaft haben es sich zur Aufgabe gemacht, unheilbar Kranke, Sterbende und auch deren Familie zu Hause zu besuchen und Hilfestellung zu leisten. Nicht nur bei älteren Menschen kann es passieren, dass die Schulmediziner keine Möglichkeit der Weitertherapie sehen. Dann wird ein so genannter Palliativarzt hinzugezogen. Auch in Altena gibt es solche speziell ausgebildeten Ärzte im ambulanten und stationären Bereich. Der Palliativmediziner stellt seine Patienten medikamentös so ein, dass er seine Schmerzen nicht mehr empfinden oder zumindest ertragen kann. Oft wird auch eine Besserung seiner psychischen Situation erreicht. Damit soll Patienten ermöglichst werden, nach einem Krankenhausaufenthalt in ihre gewohnte Umgebung zurückzukehren, weil weitere therapeutische Eingriffe keinen Erfolg mehr haben und den Patienten nur noch belasten würden. „Unserer Erfahrung nach stabilisiert sich der Zustand der Patienten dann sogar“, erklärte Hans Wehr, ein Mitglied der Gruppe.

Doch es geht der Hospizgemeinschaft nicht nur darum, einen Schwerstkranken zu begleiten. Auch die Schaffung von Freiräumen für Familienangehörige – beispielsweise, um auch einfach nur einkaufen gehen zu können – steht auf der Agenda. „Es geht nicht nur darum, am Bett eines Sterbenden zu sitzen und mit ihm zu beten. Wir wollen, dass er merkt, dass da jemand ist, der sich um ihn kümmert und für ihn da ist. Und das noch über die Familienangehörigen hinaus“, sagt Rolf Sadowski, der bis vor einigen Jahren Verwaltungsleiter des Ellen-Scheuner-Hauses in Altena war.

Voraussetzung für die Mitarbeit in einer Hospizgemeinschaft ist eine umfangreiche Ausbildung. Derzeit besuchen 15 Personen aus Altena und Nachrodt-Wiblingwerde eine solche Fortbildungsveranstaltung. Sie wird voraussichtlich im April dieses Jahres beendet sein. Die Finanzierung der Ausbildung erfolgt durch alle evangelischen und katholischen Gemeinden in Nachrodt-Wiblingwerde und Altena sowie das Ellen-Scheuner-Hauses.

Bislang war die Nachrodter Gruppe auch für Betreuungen in Altena zuständig. Das wird sich insofern ändern, da sich die noch im Aufbau befindliche Altenaer Gruppe mit ihnen vereinen wird. Die Gemeinschaft wird sich dann ambulante Hospizgemeinschaft Altena-Nachrodt nennen und über mehr als 20 ehrenamtlich Tätige verfügen.

Der Bedarf jedenfalls ist da. Der Kontakt zu der Hospizgemeinschaft erfolgt in der Regel durch Krankenhäuser oder Pflegedienste sowie auch direkte Ansprache durch Angehörige. Die Gruppe nimmt dann ersten Kontakt zur Familie des Schwerstkranken auf und beginnt nach Absprache mit den Hausbesuchen. „Die meisten der von uns besuchten Patienten wissen, dass sie nur noch eine begrenzte Zeit zu leben haben. Sie sind daher froh, wenn sie auf diesem letzten Abschnitt ihres Weges außer der Familie auch noch anderweitige Begleitung haben“, berichtet Rolf Sadowski. Und Hans Wehr ergänzt: „Auch komatöse Patienten brauchen Unterstützung. Und ich weiß aus Erfahrung, dass sie fast alles mitbekommen, was sich in ihrer unmittelbaren Umgebung tut. Zum Beispiel dann, wenn man nur mit ihnen spricht“.

Die Hospizgemeinschaft schenkt den Betroffenen Zeit, Zuwendung und Nähe. Und in Zukunft wird es möglich sein, diese vielleicht letzte Hilfestellung auch einem größeren Kreis von Patienten zugänglich zu machen.

Eine Kontaktaufnahme mit der Hospizgemeinschaft ist möglich unter Tel.  01 76/21 68 28 40. - Hartwig Bröer

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