Sechs Männer sorgen für Orientierung im Wald

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Wo sich die Wanderwege 9 und 12 gabeln, setzen Siegfried Kruse (l.) und Roderich Knipps einen neuen Holzpfahl mit Wegweisern. Solche Markierungen sollen Wanderern die Orientierung erleichtern.

Nachrodt-Wiblingwerde - Wenn sich ortsfremde Wanderer in den Wäldern der Doppelgemeinde zurechtfinden, haben sie das in erster Linie sechs Männern zu verdanken. Sie sorgen regelmäßig dafür, dass die Wegweiser gut zu finden und zu erkennen sind.

An diesem Morgen machen sich Siegfried Kruse und Roderich Knipps auf den Weg. Am Kreinberg besteigen sie den Traktor, auf dem sie Richtung Nordhelle rollen. Aufgeladen haben sie Holzpfähle, Kunststoffschilder, Beschriftungsmaterial und diverses Werkzeug. Ihr Ziel sind verschiedene Kreuzungspunkte entlang der Wanderwege 9 und 12. Hier wollen sie neue Markierungen anbringen, damit Wanderer nicht die Orientierung verlieren.

Am ersten Einsatzort schlägt Roderich Knipps mit einer Eisenstange ein Loch in den Boden, dann setzt er den ersten Pfosten hinein. 2,20 Meter lang ist der Pfahl aus Akazienholz. „Das ist sehr haltbar – und kostengünstig. Wenn wir die Pfosten mit Bodenhülsen einbetonieren würden, wäre das zehn Mal so teuer“, erklärt Siegfried Kruse. Das Holz hat aber auch einen Nachteil: Es ist so hart, dass die Wegezeichner die Löcher für die Nägel, mit denen sie die weißen Hinweisschilder mit der roten Beschriftung befestigen wollen, vorbohren müssen.

Doch zunächst muss der Pfosten fest im Boden sitzen. Roderich Knipps hilft mit seinem Fahrzeug nach: Der 60-Jährige setzt den Frontlader des John-Deere-Traktors auf den Pfostenkopf, den Rest erledigt die Hydraulik. Für die Wegezeichner ist die technische Unterstützung, die der Landwirt leistet, eine große Erleichterung.

Doch nicht immer können die Symbole und Zahlen, die Wanderern den Weg weisen, auf diese Weise angebracht werden. Manchmal geht das nur auf althergebrachte Weise, mit Pinsel und Farbe. „Dann müssen wir die Strecke zwei Mal abgehen“, erklärt Siegfried Kruse: „Einmal, um den weißen Untergrund aufzupinseln, der dann trocknen muss. Ein zweites Mal, um die rote Beschriftung anzubringen“. Weil das so aufwändig ist – Nachrodt-Wiblingwerde verfügt über 250 Kilometer gekennzeichnete Wanderwege – und weil die aufgemalten Hinweise jedes Jahr erneuert werden müssen, sind Kruse und seine Mitstreiter Gerd Nolte, Ludwig Roth, Detlef Holstein und Ingo Graul vor einiger Zeit dazu übergegangen, quadratische Plastikschilder zu verwenden. Die sind haltbarer und es geht obendrein wesentlich schneller. „Früher war ich auch schon einmal sieben Stunden unterwegs“, erinnert sich Kruse an die Zeiten, als er mit Farbe im Marmeladenglas und Pinsel durch die Wälder gezogen ist. „Heute schaffe ich das körperlich gar nicht mehr“, sagt der 74-Jährige, der eigentlich durch Zufall zum Wegezeichner geworden ist. Elf Jahre ist es jetzt her, dass er für das Schlosshotel Holzrichter Rundwanderwege bei Veserde gekennzeichnet hat. Daraufhin kam die Anfrage der Gemeinde und heute ist er wie die anderen fünf Männer vom Heimat-und Verkehrsverein regelmäßig im Wald unterwegs, um Wanderern den rechten Weg zu weisen.

„Ich bin auch immer froh, wenn ich in Gegenden wandere bin, die über gut gekennzeichnete Wanderwege verfügen“, sagt Siegfried Kruse über seine Motivation, sich auf diese Weise ehrenamtlich für die Gemeinde einzusetzen. Zudem ist er gerne im Wald unterwegs („Ich bin im Wald, seit ich laufen kann!“), und so verbindet er das Angenehme mit dem Nützlichen.

An diesem Morgen endet der Arbeitseinsatz für Kruse und Knipps nach rund anderthalb Stunden. Der Akkuschrauber, mit dem sie die Nagellöcher vorbohren, hat den Dienst quittiert. Das harte Holz der Akazienpfähle hat zu sehr von seinen Energiereserven gezehrt. Immerhin: Drei Wegkreuzungen sind jetzt wieder eindeutig beschildert. - Volker Griese

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