„Es stinkt vom Kopf her in der Kirchengemeinde“

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Der ehemalige Bürgermeister Rudi Draheim (Mitte) kam zur Sitzung des Rates ins Schlosshotel Holzrichter.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Soll die Friedhofskapelle abgerissen werden?“ Man sah Rudi Draheim das Entsetzen förmlich an, als er während der Sitzung des Rates im Schlosshotel Holzrichter genau diese Frage stellte.

„Natürlich tut es im Herzen weh, wenn man die Entwicklung betrachtet“, sagt der ehemalige Bürgermeister und lässt im AK-Gespräch kein gutes Haar an Pastor Kube. „Es stinkt vom Kopf her in der evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld.“

Aufgrund des Bürgerbegehrens zur Rettung des Friedhofes an der Wiblingwerder Straße, das Friedhelm Wolff mit großem Enthusiasmus angestoßen hat, ist die Gemeindeverwaltung verpflichtet, sämtliche Kosten rund um den Friedhof an der Wiblingwerder Straße zusammen zu tragen.

„Wir haben zwar Unterlagen vom evangelischen Kirchenkreis bekommen, doch sie sind in Bezug auf die Kapelle nicht aussagekräftig. Da müssen wir also selber gucken, was eine Instandsetzung, ein Abriss oder ein Neubau kosten würde. Denn das muss im Bürgerbegehren für die finanziellen Auswirkungen aufgenommen werden. Dann wird es mit dem Bürgerbegehren weitergehen“, erklärte Kämmerin Gabriele Balzukat während der Ratssitzung.

Die Jahresergebnisse der Unterhaltungskosten lagen in den Jahren 2012 bis 2017 zwischen minus 18000 und minus 42000 Euro – das sind also die Summen, die nicht durch die Einnahmen gedeckt sind. „Wir sind uns aber auch im Klaren darüber, dass wir das für den Preis nicht besser hinkriegen – gerade auch mit Blick auf den Pflegezustand des Friedhofes“, so Gabriele Balzukat. Die Kosten sollten deshalb etwa um ein Drittel höher angesetzt werden. Mit fachkundiger Unterstützung sollen nun auch die Kosten für die Kapelle ermittelt werden.

Die Kapelle. Das heutige Sorgenkind. Dabei war sie ein wunderbares Aushängeschild. Eingeweiht am Totensonntag 1981, war sie eine Herzensangelegenheit vieler Menschen, die ehrenamtlich mit großem Engagement beim Bau dabei waren – auch Rudi Draheim, der damals im Presbyterium der Kirchengemeinde war. „Unsere Frauen sammelten kleine Flöten und Posaunen und diese wurden dann in der Kirche verkauft – der Grundstock für den Bau.“

Das Kreiskirchenamt zahlte 200000 Mark, die Nachrodter Politik 120000 Mark für die Leichenkammer – insgesamt gab es in den 1980er Jahren also 320000 Mark für die neue Kapelle. „Da ich als Bauingenieur ein bisschen Ahnung hatte, habe ich mich der Sache angenommen“, erinnert sich Rudi Draheim auch an die Begeisterung von vielen anderen Menschen, mitzuhelfen und immer wieder samstags zur Baustelle zu kommen. Die Helfer wurden natürlich auch vor Ort verköstigt. Das Untergeschoss wurde Stein auf Stein gebaut. Darauf wurde eine Betonbodenplatte gesetzt. Die Kapelle wuchs und wuchs. Heimische Handwerker (wie Kruse und Veger) waren mit im Boot, die günstige Preise anboten, sodass „wir stolz wie Oskar waren“, schmunzelt Rudi Draheim. „So viel Begeisterung hatte ich noch nie gesehen.“

Und heute? Muss die Kapelle vielleicht abgebrochen werden, weil sich über all die Jahre augenscheinlich niemand kümmerte? „Das darf einfach nicht wahr sein“, sagt der ehemalige Bürgermeister. „Der Pastor hätte sich kümmern müssen, sodass nicht alles verkommt. Das liegt nicht am Friedhofsgärtner. Das ist dummes Zeug. Das liegt am Pastor und am Presbyterium.“

Pastor Wolfgang Kube war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar.

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