Aus der Dusche tröpfelt's nur: Wasserdruck macht Wiblingwerdern zu schaffen

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Waschen nicht möglich: Janine Niemtschke, Michael Kiesewalter, Sebastian Schaffer, Tanja Kiesewalter und Christina Neumann-Stieglitz (von links) vor einer Waschmaschine, die mal wieder nicht funktioniert. 

Nachrodt-Wiblingwerde – In der Dusche tröpfelt's  nur aus dem Hahn, Wasch- und Spülmaschinen streiken. Wiblingwerder kämpfen seit langer Zeit mit zu geringem Wasserdruck. Sie sind sauer.

Martin Neumann steht 40 Sekunden unter der Dusche. Dann tröpfelt es nur noch. Schaum im Haar und kein Wasser. Plötzlich wird es kochend heiß, dann wieder eiskalt. So beginnt der Morgen in Wiblingwerde. Fast jeder Morgen. 

Nicht nur für den SPD-Ratsherrn – auch für seine Nachbarn. Denn: Enorme Druckschwankungen und Druckabfälle bis unter 0,5 Bar machen den Wiblingwerdern das Leben schwer. Und das schon seit Jahren. „Bereits seit 2010, als das Baugebiet auf dem ehemaligen Gelände der Kolpinggemeinde Buntes Haus erschlossen und bebaut wurde, hat es zunehmend Probleme mit der Wasserversorgung, betrieben durch die Stadtwerke Lüdenscheid gegeben“, erzählt Martin Neumann. 

"Wir brauchen Feedback"

Dem widerspricht Andreas Köster, Pressesprecher der Enervie-Gruppe: „Es gibt erst in letzter Zeit Beschwerden von zwei Kunden im Bereich Am Lohagen, die uns bekannt sind. Wenn wir vor Jahren ein massives Problem festgestellt hätten, wäre die Reaktion früher erfolgt. Wir sind auch ein Stück weit auf das Feedback angewiesen.“ 

Für die Stadtwerke ist es also ein recht neues Problem in Wiblingwerde. Für die Bürger gibt es dagegen nach ihren Auskünften ein jahrelanges Dilemma. Sie sagen: Mit zunehmender Baudichte sei die Hauswasserversorgung der Anwohner immer schlechter geworden. 

Maschinen melden "Error"

Bei einigen Bürgern liegen die Nerven blank. Denn es gibt nicht nur ein Problem beim Duschen. Moderne Waschmaschinen, Spülmaschinen oder andere „wasserabhängige Helferlein im Haushalt“, wie sie sie Martin Neumann nennt, überwachen den Wasserdruck und reagieren mit Störungsmeldungen, wenn der Druck abrupt abfällt oder steigt. 

Die Folge: „Error-Meldungen“ im Display, die Maschinen stoppen. Die Waschvorgänge müssen komplett von vorne gestartet werden. In der Hoffnung, dass bei geringerer Wasserentnahme die Druckschwankungen weniger auftreten, entschieden sich die Bürger von der Kolpingstraße für die Wäsche in der Nacht. Mit mäßigem Erfolg. 

Die Mängel wurden nach Auskunft von Martin Neumann immer wieder über die Störungshotline gemeldet, das Problem sei allerdings stetig schlimmer geworden. Die Servicemitarbeiter der Stadtwerke hätten durch Entlüften versucht, die Anwohner zu besänftigen. 

Anlage ist schuld

Eigentlich ist der Wasserbeschaffungsverband verantwortlich für die Versorgung. Er hat aber mit seinen Dienstleistungen die Stadtwerke Lüdenscheid beauftragt, die die technische und kaufmännische Geschäftsführung erbringen. 

„Die Intervalle zwischen den Störungsbeseitigungsversuchen wurden immer kürzer“, sagt Martin Neumann und ergänzt: „2018 begann die Förderpumpe für die Druckförderstation Am Lohagen zunehmend zu schwächeln.“ 

Die Erneuerung der Druckerhöhungsanlage soll jetzt erfolgen.

Das bestätigt Pressesprecher Andreas Köster: „Eine mögliche Ursache der beschriebenen Druckschwankungen könnte in der derzeit bestehenden Druckerhöhungsanlage liegen. Der Wasserbeschaffungsverband Wiblingwerde hat daher in seiner Sitzung im Mai 2019 die Erneuerung der bestehenden Druckerhöhungsanlage beschlossen. Nach entsprechender Spezifikation wurde die neue Anlage im Laufe des zweiten Halbjahres bestellt und im November 2019 angeliefert.“ 

Problem soll bald behoben sein

Warum sie noch nicht läuft, erklärt Andreas Köster mit einer „technischen Komponente, die noch nicht da war“. Jetzt aber, noch im Februar, soll sie in Betrieb genommen werden. Dann wollen die Stadtwerke-Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum den Druck prüfen. „Wenn er gut ist, dürfte das Problem behoben sein.“ 

Ende gut, alles gut? Seit 2018 haben die Bürger der Kolpingstraße resigniert. „Die Stadtwerke haben uns zwar nicht ignoriert, aber wir mussten immer hinter den Informationen herlaufen“, sagt Martin Neumann. 

Fast alle Haushalte hätten ihre internen Installationen auf eigene Kosten überprüfen lassen, „um dann im Laufe der Zeit festzustellen, dass die Ursache für die Probleme bereits lange Zeit bekannt sind und wir mit der Behauptung, es könne an der internen Haushaltsinstallation liegen, förmlich veräppelt wurden“.

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