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Resolution der Gemeinde gegen Lkw-Durchfahrtsverbot Lüdenscheid

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Eine komplette Sperrung der Brücke würde bedeuten, dass der Ortsteil in zwei Hälften geschnitten würde.
Eine komplette Sperrung der Lennebrücke würde bedeuten, dass der Ortsteil in zwei Hälften geschnitten würde. © Fischer-Bolz, Susanne

Wer am lautesten ruft, wird gehört? Manchmal klappt das – doch ob sich Bundesverkehrsminister Wissing, Landesverkehrsminister Krischer oder Dr. Petra Beckefeld, technische Direktorin des Landesbetriebs Straßen.NRW, mit dem Anliegen aus Nachrodt tatsächlich beschäftigen werden, wird die spannende Frage in 2023 sein.

Nachrodt-Wiblingwerde – Eine Resolution haben Verwaltung und Rat der Gemeinde an die Entscheidungsträger geschickt. Dabei geht es nicht um den zum unglücklichen Zeitpunkt geplanten Radwegebau zwischen katholischer Kirche und ehemals Böhland, sondern um einen weiteren Kummer, nämlich um das geplante Durchfahrtsverbot für den Lkw-Verkehr in Lüdenscheid. Denn das könnte für Nachrodt ein Desaster werden. „Ein solches Durchfahrtsverbot führt unweigerlich zu noch höheren Belastungen bei den angrenzenden Kommunen. Auch wenn die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde mit der B 236 keine direkte oder ausgewiesene Umleitungsstrecke der A 45 ist, erleben wir hier seit der Sperrung der Rahmedetalbrücke eine erhebliche Mehrbelastung an Fahrzeugen, gerade auch den Schwerlastverkehr im Ort“, heißt es in dem Schreiben, das auch an die Landtagsabgeordneten Gordan Dudas (SPD) und Thorsten Schick (CDU) gegangen ist.

Brückenampel seit 2017

Die Ursprungsdefinitionen von Umleitungen seien seit der flächendeckenden Nutzung von Navigationsgeräten hinfällig. „Schon alleine aus diesem Grund können wir die Auffassung von Straßen NRW nicht teilen, dass keine Verschiebung auf die B 236 zu erwarten ist. Ebenso können wir die Auffassung nicht teilen, dass die Staus auf der B 236 in Nachrodt-Wiblingwerde den Verkehr abhalten werden“, so die Bürgermeisterin und die Ratsmitglieder. Seit April 2017 leben die Bürger mit der Ampelregelung auf der Lennebrücke und sind täglich Staus und verlängerten Fahrzeiten ausgesetzt. „Seit der Sperrung der Rahmedetalbrücke hat das Verkehrsaufkommen noch einmal zugenommen. So dauert eine Fahrt von Altena nach Letmathe durch Nachrodt nun auch einmal 45 Minuten. Für eben diese Strecke hat man sonst fünf bis zehn Minuten gebraucht. In diesen Momenten ist es auch nicht mehr möglich, Rettungs- und Hilfsfristen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes auch nur ansatzweise einzuhalten“, heißt es weiter.

Bei kompletter Sperrung wäre Nachrodt abgeschnitten

Es ist besonders der Rettungsdienst, der ein großes Problem bekommen könntet. Nachrodt-Wiblingwerde hat eine ehrenamtliche Feuerwehr ohne ständig besetzte Wache, sodass die Ehrenamtlichen bei jedem Feuerwehreinsatz auch erst zum Gerätehaus kommen müssen. „Dies ist teilweise jetzt schon nur mit erheblichen Verzögerungen möglich, da die Ehrenamtlichen keine Wegerechte im privaten Auto geltend machen können.“ Und natürlich dreht sich jeder Kummer um die alte Lennebrücke. „Wir sehen ein erhebliches Risikopotenzial für die Lennebrücke“, so die Gemeinde. Sie sei in einem desolaten Zustand und „wir stellen uns die Frage, wie lange die marode Brücke der Mehrbelastung standhalten kann. Die Ablastung der Lennebrücke für den Schwerlastverkehr würde die Industrie und die Versorgung der Bevölkerung der Lenneschiene bis nach Lennestadt erheblich treffen. Eine komplette Sperrung würde bedeuten, dass der Ortsteil in zwei Hälften geschnitten würde. Die Lenne wäre sodann in Nachrodt-Wiblingwerde nicht mehr überquerbar. Der ÖPNV käme zum Erliegen und der Schülerverkehr wäre auch nicht mehr möglich“, so wird das befürchtete Unheil beschrieben.

Abwanderungen der Gewerbesteuerzahler

Die Gemeinde fordert deshalb eine detaillierte Untersuchung der Lennebrücke mit einer Experteneinschätzung, wie lange die Brücke einer solchen Belastung standhalten kann, sowie eine realistische Ermittlung der Mehrbelastung. Bereits in den Monaten April bis August, als die Felsnase gesprengt worden ist, musste die Industrie erhebliche Mehraufwendungen und finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. „Wir befürchten in so einem Fall die Abwanderungen der großen Gewerbesteuerzahler.“ Fakt sei, dass ein Lkw-Durchfahrtsverbot in Lüdenscheid, die Lüdenscheider Bevölkerung zwar temporär vermutlich entlasten, aber die umliegenden Kommunen umso härter treffen werde. Die Gemeinde fordert ein ganzheitliches Verkehrskonzept, das auch die direkten Nachbarkommunen betrachtet und eine adäquate Autobahnbeschilderung mit der Anordnung des Durchfahrtsverbotes bereits auf der Autobahn.

Unterstützung von Thorsten Schick

Unterstützung bekommen die Nachrodter von Thorsten Schick, Fraktionschef der CDU im Landtag. „Ich bin fortlaufend im Gespräch mit Straßen.NRW, was den Zustand der Brücke angeht. Das geplante Durchfahrtverbot in Lüdenscheid muss so konzipiert werden, dass der Verkehr nicht ins Lenne- und Volmetal verlagert wird, sondern dass Lkw im Fernverkehr großräumig um die Region herumfahren. Letztendlich muss genau dies das Ziel sein, denn alles andere führt nur zu Katastrophen. Kontrollieren muss man es immer, wenn das Durchfahrtsverbot für Lüdenscheid gilt ebenso, wie wenn es für die gesamte Region gilt. Wir sind uns im Kreis eigentlich alle einig, dass ein Durchfahrtsverbot nur dann Sinn macht, wenn der übergeordnete Verkehr nicht durch unsere Region fährt, sondern frühzeitig an Autobahnkreuzen abgeleitet wird.“

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