Falscher Pfleger klaut Fernseher aus Pflegeheim

Nachrodt-Wiblingwerde - Viel passender als mit dem Wort „dreist“ kann man das Vorgehen eines 24-jährigen Diebes nicht bezeichnen. Allerdings muss man wohl auch das Wort „dumm“, wenn nicht gar dessen Steigerungsformen ergänzen.

Weil er im Landgericht eine falsche Aussage gemacht und immer mal wieder geklaut hatte, wurde der junge Mann zu Haftstrafen von sechs und vier Monaten verurteilt. Als Bewährungsauflage musste er Sozialstunden im Perthes-Haus, einem Pflegeheim, in Nachrodt ableisten. Diese Gelegenheit nutzte er zu einem Diebstahl, dessentwegen er sich am Dienstag gemeinsam mit einem 22-jährigen Mitangeklagten im Amtsgericht Altena verantworten musste.

Am 24. September 2013 hatten die beiden gemeinsam einen Kasten Bier geleert. Aus dieser Stimmung heraus hatte der Ältere eine Idee, die er in die Tat umsetzte: Er verkleidete sich als Pfleger und schleppte einen 749 Euro teuren Flachbildfernseher aus dem Speiseraum des Pflegeheims. Draußen stieß er auf den 22-Jährigen, der vor Gericht angab, dass er seinem Kumpel zunächst von dem Diebstahl abgeraten habe. Weil er den Fernseher aber schließlich in seinem Bettkasten unterbrachte, wo ihn die Polizei letztendlich fand, kam der junge Mann nicht ohne eine Strafe davon. Durch seinen späteren Einstieg in das Projekt „Diebstahl“ war er zum Mittäter geworden.

Es kam aber noch schlimmer. Um seinen älteren Freund zu schützen, dem ein Widerruf seiner Bewährungsstrafen drohte, behauptete der 22-Jährige bei der Polizei, dass er den Fernseher geklaut habe. Vor Gericht stand er deshalb auch wegen versuchter Strafvereitelung. Am Dienstag gab es in dieser Sache aber glaubwürdigen Klartext: „Ich habe den Fernseher nicht geklaut. Ich habe das nur auf mich genommen“, sagte der Angeklagte. „Ich wollte nicht mit rein und habe das auch mehrfach gesagt.“

Damit war klar, dass der 24-Jährige maßgeblich für den dummdreisten Diebstahl unter den Augen vieler Zeugen verantwortlich war. Er zeigte auch den Willen, sich dieser Verantwortung zu stellen: „Ich habe totale Scheiße gemacht.“

Die Staatsanwältin zeigte sich empört: „Sie sollen da Sozialstunden ableisten, und dann klauen Sie!“ Doch überraschenderweise signalisierte die Vertreterin der Anklage ihre Bereitschaft, den Angeklagten tatsächlich noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon kommen zu lassen. Damit war das Kontingent an Bewährungen allerdings endgültig verbraucht: „Sonst ist Weihnachten mal ohne Ihre Kinder!“

Richter Dirk Reckschmidt verurteilte den 24-Jährigen wegen Diebstahls zu vier Monaten auf Bewährung, der 22-Jährige muss 50 Tagessätze zu je 15 Euro, insgesamt also 750 Euro Geldstrafe zahlen. - Thomas Krumm

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