Katastrophe für Anwohner: Bahnübergang gesperrt

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Der Bahnübergang Helbecke ist jetzt für Lkw gesperrt.

Nachrodt-Wiblingwerde -  „Das ist kein Problem, das ist eine Katastrophe“, sagt Heinz Ulrich Tacke. Schlimmer konnte es für ihn und seine Nachbarn nicht kommen. Der Bahnübergang Helbecke wurde für Lkw gesperrt. Alles, was rollt, und schwerer als 3,5 Tonnen ist, muss eine Ausweichstrecke finden. Nur: Die gibt es nicht. Was das bedeuten kann, sagt Roderich Knipps: „Wir werden unsere Hühner abschaffen müssen.“

 Ein Langholztransporter wollte von oben nach unten. Ein Pkw von unten nach oben. Die Schienen wurden blockiert. Augenscheinlich konnte der Autofahrer nicht rückwärts, weil sich hinter ihm schon eine „Schlange“ gebildet hatte. Der Fahrer des Transporters musste sein langes Gefährt nach hinten rangieren, was wiederum ein Bahnmitarbeiter, der zufällig vor Ort war, sogleich an seine Vorgesetzten weiterleitete. Damit wurde eine Lawine losgetreten, die in der Gemeinde tatsächlich nicht nur ein paar Bürger überrollt.

 Nach einem Ortstermin, an dem Vertreter der Deutschen Bahn, des Straßenverkehrsamtes, des Ordnungsamtes und der Förster teilnahmen, fiel die Entscheidung: Der Übergang wurde für Lkw gesperrt, das entsprechende Schild kurz vor dem Blitzer bei den Walzwerken aufgestellt.

Knipps, Kückelhaus, Tacke: Das sind die Anlieger, die vehement betroffen sind. Aber auch viele andere Bürger, zum Beispiel in Opperhusen, die Möbel oder eine Lieferung Heizöl bekommen, werden sich „umgucken“. Nicht möglich, eher höchst kritisch, ist der Umweg über den Bahnübergang Einsal, links durch den Helbecker Weg.

„Wir sind absolut unzufrieden mit der Sperrung, haben das auch sehr deutlich gemacht und auf die Probleme hingewiesen. Aber der Bahnübergang ist Eigentum der Deutschen Bahn. Da können wir uns mit Händen und Füßen wehren, das stört die nicht“, sagt Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz. Eine Stellungnahme der Bahn gibt es trotz mehrfacher Anfragen nicht.

Offenbar sollen jetzt Schleppkurvenberechnungen stattfinden. Dabei soll festgestellt werden, wie lang ein Lkw-Fahrzeuggespann maximal sein darf, ohne Behinderungen auf der Gegenfahrbahn auszulösen. Was bleibt, ist der Weg von Wiblingwerde nach unten?

 Wer die Strecken kennt, weiß, dass auch das unmöglich ist. Schulterzucken allerorts. Eventuell gibt es die Möglichkeit, einen geschotterten Waldweg vom Hallenscheid Richtung Sassenscheid auszubauen. Die Kurven müssten mindestens entschärft, die Strecke für Lkw fit gemacht werden. Doch das könnte erstens Monate dauern und wäre zweitens nur eine halbe Lösung, denn auch dann wären viele Probleme noch nicht gelöst. „Ich habe auf der anderen Lenneseite Flächen, auf denen ich Heu mache. Da komme ich gar nicht mehr hin“, sagt Heinz Ulrich Tacke, der auch für das Weihnachtsbaumgeschäft immer wieder mit Gefährten über 3,5 Tonnen unterwegs ist. Die Schilder zu ignorieren, kommt für ihn nicht in Frage: „Sollte was passieren, habe ich fahrlässig gehandelt.“

 So sieht es auch Roderich Knipps. „Wenn das Futter nicht mehr von unten angeliefert werden kann, schaffen wir die Hühner ab.“ Betroffen sind 2000 Tiere. Den Transport von oben nach unten zu bewerkstelligen – besonders im Winter – hält Roderich Knipps für sinnlos.

Und so kommen Betriebe womöglich zum Erliegen, wie auch Volker Kückelhaus sagt. „Unser Pferdemist wird zwei Mal im Monat abgeholt. Die Fahrzeuge können nicht anders zum Hallenscheid kommen als über den Bahnübergang. Wir sind nun von der Außenwelt abgeschnitten.“ Die Einstellung der Kreisverwaltung, dass man die Vorgaben der Bahn ohne Rücksicht auf Verluste umsetzen müsse, kann Volker Kückelhaus nicht nachvollziehen. Der Bereich Wiblingwerde Ost werde von der Gemeinde als auch vom Kreis mehr als stiefmütterlich behandelt. „Auch, wenn die Bahn am längeren Hebel sitzt, so haben die Anlieger durchaus einen Anspruch. Die Höfe am Hallenscheid waren vor der Bundesbahn dort“, so Volker Kückelhaus.

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