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Fernpiloten und Spotter im Einsatz

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Scheinwerfereinsatz: Vier Drohnen sind zurzeit im Einsatz für die Feuerwehr
Scheinwerfereinsatz: Vier Drohnen sind zurzeit im Einsatz für die Feuerwehr © Fischer-Bolz, Susanne

Ziemlich beeindruckend ist das unbemannte Flugobjekt: Es hat eine Wärmebildkamera, aber auch Lautsprecher an Bord. Damit können die Piloten die Feuerwehrleute am Boden lotsen. Die Drohneneinheit ist in Nachrodt-Wiblingwerde stationiert. Wie sie arbeitet, erzählen Jens Klatt und Sascha Panne.

Nachrodt-Wiblingwerde – Kleine Drohne, große Kreativität: Sie hat tatsächlich einen Fallschirm am Bord, falls sie mal abstürzen sollte. Auch Scheinwerfer und sogar ein Lautsprecher können mitfliegen. Spielerei? „Das dachte ich auch zuerst, aber die Dinge sind doch sehr sinnvoll“, erzählt Gemeindebrandinspektor Jens Klatt, stellvertretender Wehrleiter in der Doppelgemeinde und Mitglied der Drohneneinheit der Feuerwehr des Märkischen Kreises. Die Drohnen und ihre Piloten sind in der kleinsten Gemeinde des Kreises stationiert und haben mittlerweile bei mehr als 50 Einsätzen – von Bränden bis zur Personensuche – geholfen.

Die Drohneneinheit der Feuerwehr im Märkischen Kreis hat ihren Sitz in Nachrodt-Wiblingwerde – hier Sascha Panne (links) und Jens Klatt.
Die Drohneneinheit der Feuerwehr im Märkischen Kreis hat ihren Sitz in Nachrodt-Wiblingwerde – hier Sascha Panne (links) und Jens Klatt. © Fischer-Bolz, Susanne

„Wir haben aktuell vier Drohnen“, erzählt Jens Klatt und rollt eine Art „Startrampe“ für die „DJI Enterprise Advance“ am Feuerwehrgerätehaus Wiblingwerde aus. Von jeder „Generation der Technik“ gibt es zwei Drohnen, die Weiterentwicklung ist enorm. „Die erste Drohne haben wir kurz vor Corona 2019 angeschafft. Die zweite Generation hat schon eine wesentlich bessere Auflösung in der Wärmebildkamera“, sagt Jens Klatt. Die „Enterprise Advance“ wird deshalb auch am häufigsten eingesetzt, die anderen gelten als Back-up. Pro Einsatz wird mit einer Drohne geflogen.

Sinnvoller Einsatz bei unklarer Lage

Die Drohneneinheit wird nicht automatisch mitalarmiert, sondern kommt auf Anforderung der jeweiligen Einsatzleitung. „Sinnvoll ist es bei jedem Waldbrand, bei jedem Flächenbrand. Immer, wenn die Lage unklar ist“, sagt Jens Klatt. Bei großen Bränden, wie es sie in Altena, Lüdenscheid oder Plettenberg gegeben hat, machen Luftbilder für die Einsatzleitung einen Vorteil aus. Mit Foto-, Video- und Wärmebildaufnahmen „live und just in time“ können Einsatzkräfte zielgenau eingesetzt werden. Jeder Drohnenpilot darf 120 Meter hoch fliegen. Bei der Feuerwehr darf man aber – anders als bei Privatpersonen – Ausnahmen machen, dann muss dies aber angemeldet werden, zum Beispiel am Flugplatz Hegenscheid. Bevor geflogen wird, gibt es eine Checkliste auf dem Bildschirm, der in der Fernbedienung eingebaut ist. Wie ist die Windgeschwindigkeit? Wie dicht ist die Bewölkung? Während die Enterprise Advance nicht im Regen fliegen kann, wird die neue Drohne, Generation drei sozusagen, die der Kreis jetzt anschaffen möchte, auch bei schlechtem Wetter unterwegs sein können.

2019 wurde die erste Drohne angeschafft, mittlerweile ist die Technik in kürzester Zeit weit verbessert.
2019 wurde die erste Drohne angeschafft, mittlerweile ist die Technik in kürzester Zeit weit verbessert. © Fischer-Bolz, Susanne

Jeder Flug wird bei der Leitstelle angemeldet. Abhandengekommen oder abgestürzt ist noch keine Drohne. Doch es ist kein munteres Umherfliegen, es ist vielmehr eine komplizierte Arbeit, bei der ein Fernpilot das Flugobjekt steuert und ein sogenannter Spotter die Luftbeobachtung übernimmt. „Beim Einsatz in Plettenberg, als auch Wasser abgeworfen wurde, musste man sich gut verständigen. Wo ist unsere Drohne, wo ist der Hubschrauber?“, erzählt Klatt. Ganz schwierig wird es, wenn die Drohneneinheit gar nicht weiß, was sie erwartet. Wenn es beispielsweise in einer Halle brennt. Die Drohne könnte verglühen. „Deswegen haben wir auch zwei Generationen Drohnen dabei. In so einem Fall würden wir mit Sicherheit zunächst eine alte Drohne sozusagen opfern. Es kann auch sein, dass die Drohne, wenn sie einmal reingeflogen ist, aus Kontaminationsgründen nicht mehr eingesetzt werden kann“, erklärt Jens Klatt

Zusätzliche Schulung erforderlich

Aus Datenschutzgründen werden alle Bilder auf einer Speicherkarte am Ende des oftmals viele Stunden dauernden Dienstes an den jeweiligen Einsatzleiter übergeben. Drohnenpilot sein, das ist schon ein spannender Job, entsprechend groß war das Interesse, trotz Mehrfachbelastung neben dem „normalen Feuerwehrdienst“ dabei zu sein. „Wir bekommen neben der klassischen Fernpilotenausbildung noch eine BOS-Schulung, also für die Behörde öffentlicher Sicherheit“, sagt Jens Klatt. Denn die Feuerwehr darf zum Beispiel auch nachts fliegen, in der Nähe von Flughäfen, über Wohngebiete, über Menschenansammlungen, „alles natürlich mit einer Risikoanalyse“, wie auch Drohnenpilot Sascha Panne berichtet.

Weitere Einsatzkräfte werden ausgebildet

Momentan sind 13 Feuerwehrleute in der Drohneneinheit, im Winter sollen weitere sechs ausgebildet werden. Klatt: „Im ersten Einsatz ist es nie kritisch, da haben wir immer genug Leute. Aber wenn ein Einsatz wie in Plettenberg zwei Tage dauert, müssen die Leute irgendwann abgelöst werden.“ Spaß an der Technik haben alle Mitglieder der Drohneneinheit – was bei dem umfangreichen Equipment und den Möglichkeiten der Drohne durchaus Sinn macht. Die DJI Enterprise Advance hat jede Menge Kleinigkeiten „an Bord“, die interessant sind, wie ein Blitzlicht, damit man sie besser orten kann. Geradezu überraschend kann der Einsatz der Drohnen-Lautsprecher für die Feuerwehrleute am Boden sein. „Wir sehen zum Beispiel das Glutnest von oben. Dann können wir die Leute direkt per Lautsprecher dorthin lotsen. Das funktioniert hervorragend.“ Auch Scheinwerfer und ein Modul mit einem extra Satellitenempfänger können auf die Drohne gebaut werden. Der Fallschirm hat einen Sensor. „Den nutzen wir nur dann, wenn wir über Menschenmassen fliegen müssen“, sagt Jens Klatt. Und die Technik entwickelt sich weiter und weiter, sodass Fortbildungen und Übungseinsätze immer wieder anstehen.

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