DRK-Oldtimertreffen mit allen Schikanen

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Reges Treiben herrscht rund um die Nachrodter Lennehalle und die Albert-Schweitzer Hauptschule.

Was da passiert, das ist nicht etwa eine Großübung des Roten Kreuzes und auch kein Museumsschau und erst recht kein Zigeunerlagerplatz, wie von einigen Anwohnern vermutet, sondern das große DRK-Oldtimertreffen. Aus ganz Deutschland reisen die historischen Wagen nach Nachrodt. Für die Organisatoren bedeutet das 24-Stunden-Schichten und Hektik pur. „Für alle einen geeigneten Platz zu finden, dass ist wie Tetris spielen“, erklärt einer der Helfer, der gerade versucht die Gruppe aus Alzey (Thüringen), die gleich mit mehreren historischen Wagen, so wie einigen größeren Begleitfahrzeugen angereist war. Von Mittwochabend mit Donnerstag Nacht wurde auf dem Gelände rangiert, Zelte aufgebaut und natürlich gestaunt.

18. DRK Oldtimertreffen in Nachrodt

Fast 50 historische Fahrzeuge können nun bewundert werden. Und das besondere: Alle sind sie noch fahrtüchtig, auch wenn einige per Anhänger angeliefert wurden. „Sie werden hier kein einziges Fahrzeug mit einem H-Kennzeichen finden. Die sind im Katastrophenfall alle noch einsatzbereit, einige sind sogar noch regelmäßig im Dienst“, erklärt Matthias Rehm.

Ein Gang über das Gelände lohnt sich in jedem Fall, nicht nur für Technik- und Oldtimerfans. 25 Ortsverbände sind angereist zum 18. DRK-Oldtimertreffen, dass anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der DRK Gruppe Altena-Nachrodt-Wiblingwerde in der Gemeinde stattfindet. „Die Leute kommen von überall her, die nördlichsten aus Lübeck und Hamburg, die östlichsten aus Thüringen, die südlichsten aus Nürnberg und die westlichsten aus dem Nachbarland den Niederlanden“, erklärt Christian Klimpel, Pressesprecher des DRK-Ortsverbandes. Die Zusammenkunft ist wie ein großes Klassentreffen. Die DRK-ler kennen sich alle untereinander, freuen sich über ein Wiedersehen, die verschiedensten Dialekte sind dabei zu hören. Angeregt diskutiert man über Neuheiten, und all das was im vergangenen Jahr passiert ist. Bei dem Wetter zelten? Kein Problem für die Profis vom DRK, sie machen quasi „Zelten de luxe“. Zeltheizung, kleine Bar, inklusive Zapfanlage und ein Spielplatz vor der Tür sind Standard und über Jahre erprobt. Sogar eine Klingel gibt’s. Natürlich bedürfen diese Anlagen Strom. Daher sind die Elektriker die gefragtesten Männer auf dem Platz. Sie rennen vom einem zum anderen Ende immer in der Mission, alle Zelte und Wagen mit Strom zu versorgen. Da ist eine rausgeflogene Sicherung noch das kleinste Problem des Tages. Von dem Stress hinter den Kulissen bekommen die meisten nichts mit.

Die Küchenkraftwagen aus Lübeck und Dortmund sind bereits am Mittwoch aufgebaut worden. Dort sitzt man in gemütlicher Runde zusammen. Über die Oldtimertreffen haben sich die beiden Gruppen kennen gelernt. Seit einigen Jahren sind sie untrennbar und bauen ihre Küchenwagen samt Vorzelt immer nebeneinander auf. Der Lübecker Küchenwagen ist Baujahr 1972 und war einst für das Grenzkommando Mitte im Einsatz. Nach der Öffnung der Grenzen kam er zum Roten Kreuz. Bis zu 200 Liter Suppe können darin gekocht werden. Die Einrichtung ist noch original aus den 70ern. Aber die Oldtimerfans haben es sich darin für das Wochenende gemütlich gemacht. Da darf eine kleine Cocktailbar natürlich nicht fehlen. Serienmäßig gehört zu so einem Wagen auch ein großes Vorzelt zur Essensvorbereitung. Dies wurde kurzerhand zum Partyzelt umfunktioniert. Eine große Musikanlage und Beleuchtung inbegriffen. Der Oldtimer gehört zu den Fahrzeugen des Wochenendes, die noch ständig in Betrieb sind. Bei der Fußballweltmeisterschaft wurde hier beispielsweise das Essen für die zahlreichen Sanitäter zubereitet. Das schöne an den Autos: „Sie sind entspannt zu fahren. Man kann nicht überholen, denn bei 73 Kilomtern pro Stunde ist Schluss und unterhalten kann man sich auch nicht, denn bei höheren Geschwindigkeiten ist der Motor zu laut, da kann man auch getrost seine Frau als Beifahrer mitnehmen. Die kann stundenlang reden und ich habe trotzdem meine Ruhe“, scherzt der Fahrer.

Erklärter Favorit des Pressesprechers ist der Fernsprech-Bauwagen aus dem Jahre 1964. Der Kreisverband Biedenkopf hat ihn mitgebracht. „Wir haben 12 Rollen mit je 800 Metern Kabeln an Bord. Wir können überall sofort eine Telefonleitung legen“, erklärt Matthias Rehm. Zuletzt sei das Fahrzeug bei dem Dresdener Hochwasser im Einsatz gewesen. Damals seien Telefonleitungen und Handynetze im Nu außer Betrieb gewesen, sein System sei damals das einzige gewesen, das funktioniert habe. Bis zu 12 Leute kann das Netz verbinden.

Auch ein wahrer „Filmstar“ ist angereist. Ein Krankenwagen, Baujahr 1967. Karl-Johann Onkes, von der Bereitschaft Hage, nähe Hamburg, hat ihn mitgebracht. Denn auch der Film braucht immer wieder original Fahrzeuge für Filme. So war der Wagen in Filmen wie „Das Wunder von Lengede“, „Der Baader Meinhof Komplex“ oder jüngst in „Böseckendorf – Die Nacht, in der ein Dorf verschwand“ zu sehen.

Das älteste Fahrzeug kommt jedoch aus den Niederlanden. Ein Krankenwagen Baujahr 1952. Er war einst ein Geschenk an das Niederländische Rote Kreuz, nach der großen Sturmflut 1953. Es ist ein Jeep-Truck mit Allradantrieb. Vier Verletzte konnten damals gleichzeitig abtransportiert werden. Das Fahrzeug ist allerdings wie einige andere mit dem Anhänger gebracht worden, soll aber an der Rundfahrt heute teilnehmen und ist ebenfalls noch für den Katastrophenfall einsatzbereit und mit einer nagelneuen Sanitätertasche ausgerüstet.

- Lydia Machelett

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