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Staubwolke verschluckt die B236

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Der Fels donnerte auf die gesperrte B236, gefolgt von einer riesigen Staubwolke.
Der Fels donnerte auf die gesperrte B236, gefolgt von einer riesigen Staubwolke. © Fischer-Bolz, Susanne

„Ist das ein Tornado? Mama, Mama ist das denn ein Tornado?“ Der kleine Elon versteckt sich schnell bei seiner Mama Mihrija im Arm. Gerade noch turnte der Vierjährige vergnügt auf der kleinen Terrasse herum und wunderte sich, warum alle Erwachsenen gebannt auf den Felsen schauten. Was ist denn da wohl so aufregend? Doch dann ertönt das Warnsignal.

Nachrodt-Wiblingwerde – Wenig später: ein Riesenknall. Kurz. Heftig. Eine gewaltige Staubwolke reckt sich in den Himmel und verschluckt plötzlich die B236, den Fels, die Bäume zur Lenne. Sie kriecht immer weiter und immer höher vor. Dann sackt sie zusammen. Elons kleine Schwester Anaya schreit im Kinderbettchen, wird durch den Donner aus ihrem Mittagsschlaf gerissen. „Geklirrt hat aber nichts“, schmunzelt Christian Ebbinghaus, der von seinem Haus an der Ehrenmalstraße einen traumhaften Blick ins Grüne und „hoch oben“ einen perfekten Blick auf den Felsen hat, der gerade in verschiedenen Etappen gesprengt wird.

Lampen schwanken nicht

„Wir waren bei den ersten beiden Sprengungen gar nicht zu Hause. Jetzt bin ich wirklich gespannt“, erzählt Christian Ebbinghaus, der mit seiner Lebensgefährtin Mihrija Avdija und den beiden Kindern erst seit wenigen Monaten in Nachrodt lebt. Nach langer Suche hat die kleine Familie aus Hagen das Häuschen an der Ehrenmalstraße 29 gefunden und sich sofort verliebt. „Fluss, Berge und Wald hatten wir gar nicht gesucht, aber der Ausblick ist herrlich“, findet Mihrija Avdija. Die 41-Jährige sorgt sich ebenso wenig wie ihr Lebensgefährte um mögliche Erschütterungen durch die Sprengungen. Weit und breit gibt es tatsächlich keine umgefallenen Tassen im Schrank oder schwankenden Lampen. „Da sind andere Häuser ja noch näher dran“, sagt Mihrija Avdija.

Fremde auf der Terrasse

Zwei Männer kommen auf die Terrasse, die nicht einsehbar über einen kleinen Treppenweg zu erreichen ist. „Hier kann man wirklich gut gucken.“ Die Handys sind gezückt. Am besten, das ist der Plan, wäre ein Video vom Geschehen. Als das Spektakel vorbei ist, sagt Christian Ebbinghaus: „Nachbarn waren das nicht. Ich kenne die Leute gar nicht.“ Doch schlimm findet er es nicht, dass Fremde plötzlich unangemeldet bei ihm auf der Matte stehen, sich nicht einmal vorstellen.

Mihrija Avdija und Christian Ebbinghaus wohnen mit ihren Kindern Elon und Anaya an der Ehrenmalstraße 29. Sie waren bei den ersten beiden Sprengungen nicht zu Hause und konnten jetzt direkt auf das Spektakel schauen.
Mihrija Avdija und Christian Ebbinghaus wohnen mit ihren Kindern Elon und Anaya an der Ehrenmalstraße 29. Sie waren bei den ersten beiden Sprengungen nicht zu Hause und konnten jetzt direkt auf das Spektakel schauen. © Fischer-Bolz, Susanne

Weitere drei Sprengungen

Drei Sprengungen gab es bis jetzt, mindestens weitere drei sind geplant. Am Donnerstag musste das Sprengteam der Firma Reisch Sprengtechnik aufgrund der Unwetterwarnung umdisponieren und die Sprengung zwei Stunden vorziehen. Elektrische Zünder und ein Gewitter? Das hätte tatsächlich gefährlich werden können. Die Firma Feldhaus versuchte, rechtzeitig alle Anwohner, Ordnungsamt und Polizei über die Verschiebung zu informieren. Denn die Bürger, die in unmittelbarer Nähe zum Felshang wohnen, sollen bei den Sprengungen ihre Häuser nicht verlassen und die Fenster schließen. In manchen Gebäuden – so auch in einem kleinen Gartenhäuschen, das direkt am Felsen thront, – sind Messgeräte installiert, um mögliche Erschütterungen aufzuzeichnen.

Glatter, kahler Fels

Übrigens: Die Mitarbeiter der Firma Feldhaus hatten für die Sprengung im Hang 90 Bohrlöcher vorbereitet. „Gerade bei den Temperaturen waren wir doch froh, als wir wieder aus dem Hang raus waren“, erzählt Polier Thomas Kremer. 400 Kubikmeter Fels wurden gesprengt. Das war fast doppelt so viel Gestein wie bei der zweiten Sprengung. Wie der Berg – oder was von ihm übrig ist – später aussehen wird, kann man bereits im oberen Bereich sehen. Dort wurde Spitzbeton aufgetragen, sodass es dort hellbraun, glatt und auch etwas kahl anmutet. Anpflanzungen sind nicht möglich. „Da hält ja nichts drauf“, sagt Andreas Berg, Pressesprecher von Straßen.NRW, der in Nachrodt bei der Sprengung vor Ort war.

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