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Dringend Wohnungen für Ukraine-Flüchtlinge gesucht

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Bürgermeisterin Birgit Tupat berichtete während der Sitzung des Rates über den zu erwartenden Flüchtlingsstrom auch nach Nachrodt
Bürgermeisterin Birgit Tupat berichtete während der Sitzung des Rates über den zu erwartenden Flüchtlingsstrom auch nach Nachrodt © Fischer-Bolz

„Wer Wohnungen hat, kann sich gern mit uns in Verbindung setzen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Denn dass dringend Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine benötigt wird, versteht sich von selbst. Dolmetscher wurden schon gefunden. Und: SPD und „Jeder soll jedem helfen“ organisieren Waffel- und Kuchenaktionen, um Spenden zu sammeln.

Nachrodt-Wiblingwerde – Ja, Wohnungen werden auch von der Gemeinde beschlagnahmt. Vom Stand der Dinge berichtete die Verwaltungschefin während der Sitzung des Rates, wobei auch geklärt wurde, dass es sich beim Thema „Beschlagnahmung von Wohnungen“ um Amtsdeutsch handelt, keiner klingelt an der Tür, um sich Zimmer unter den Nagel zu reißen. Doch von vorn:

„Viel größere Herausforderung als 2015“

Bürgermeister aus NRW stehen im engen Kontakt mit der Bezirksregierung. „Es wird eine viel größere Herausforderung als 2015“, so Birgit Tupat. Menschen aus der Ukraine, vor allem Frauen und Kinder, fliehen vor dem Krieg. „Wir wissen, dass Polen völlig überlastet ist. Berlin schreit um Hilfe. Von dort werden die Menschen jetzt mit Bussen in die unterschiedlichen Bundesländer gebracht“, sagt Birgit Tupat, die einen Krisenstab eingerichtet hat. Wie sich die Situation weiter entwickeln wird, weiß niemand. „Alles, was wir an Wohnungen bekommen können, werden wir beschlagnahmen, um Menschen unterzubringen. Einige Eigentümer sind mit Hochdruck am Renovieren.“ Die Flüchtlinge, so der Plan, werden zunächst auf dem Ahorn willkommen geheißen.

Immer in Absprache mit Vermieter

Dass Iris Krutz (CDU) die Formulierung „Beschlagnahmung“ hinterfragte, war ein klein wenig ein Befreiungsschlag in einer komplizierten Sachlage. „Bei dem Begriff denken Menschen vielleicht, dass irgendwelche Leute aus den Wohnungen geworfen werden. Das ist natürlich nicht so und das sollten wir deutlich machen“, meinte auch Ronny Sachse (SPD). „Das geht immer in Absprache mit dem Vermieter. Wir sind nicht einfach da und fordern den Schlüssel“, so Birgit Tupat. Die Verwaltung würde jetzt beispielsweise auf die Baugenossenschaft und die LEG zugehen und verwaltungsseitig entsprechende Verträge machen. Je nachdem, welcher Aufenthaltsstatus zugesprochen wird, können Flüchtlinge auch eigene Mietverträge abschließen.

Alles tun, um das Leid zu lindern

Es gibt eine sogenannte Massenzustromrichtlinie. Die Menschen aus der Ukraine bekommen einen humanitären Schutzstatus und durch diesen Status keine Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, sondern nach der Grundsicherung. „Wir sollten alles tun, um das Leid der Menschen zu lindern“, so die Bürgermeisterin. Ein paar Dolmetscher wurden bereits gefunden. „Was mir Sorge bereitet, sind die Kinder, die eigentlich sofort beschult werden sollen“, sagt Birgit Tupat. Und auch Kindergartenkinder, wie es Matthias Lohmann anregte, sollen die Kitas besuchen können. Man müsse auch beim Impfstatus weiterhelfen. Rat und Verwaltung verurteilen den Überfall auf die Ukraine zutiefst und fordern den russischen Präsidenten auf, Kriegshandlungen sofort einzustellen und seine Militäreinheiten aus der Ukraine abzuziehen. So heißt es: „Das Leid der Menschen in der Ukraine ist unerträglich. Wir stehen solidarisch an der Seite des ukrainischen Volkes. Wir begrüßen die Bemühungen der Bundesregierung, die Ukraine in dieser schweren Zeit zu unterstützen.“

Waffel- und Kuchenaktionen

Die SPD-Fraktion und die Nachbarschaftshilfe „Jeder soll jedem helfen“ bieten jeweils Waffel bzw. Kuchen-Aktionen an. Der Erlös geht auf das Konto der Gemeinde, um Flüchtlinge aus der Ukraine zu unterstützen. Am Freitag, 11. März, backen die Sozialdemokraten ab 12 Uhr bei Edeka Kantimm Waffeln, die gegen eine Spende vergeben werden. Eine Woche später soll die längste Kuchentheke der Gemeinde entstehen – bei einer Spendenaktion für die Ukraine-Flüchtlinge – und zwar Freitag, 18. März, von 12 bis 18 Uhr und Samstag, 19. März, von 11 bis 18 Uhr, ebenfalls bei Edeka. Tische und Bänke werden zum gemütlichen Beisammensein aufgebaut. „Wir bieten auch Kuchen to go“, heißt es in der Einladung.

Sachspenden bitte in die Lennehalle bringen

Die Gemeinde bitte zudem um Sachspenden für die Flüchtlinge, die für den täglichen Bedarf benötigt werden. Insbesondere werden Möbel, Elektro Klein- und Großgeräte benötigt. Aber auch Hausrat, wie Putzutensilien, Geschirr, Besteck, Pfannen, Töpfe. Ebenso Hygieneartikel, wie Windeln und Körperpflegeprodukte und auch langfristig haltbare Lebensmitteln. Sachspenden können in der Lennehalle abgegeben werden. Dort ist ein Gemeindemitarbeiter montags bis donnerstags von 8 bis 13 Uhr vor Ort. Geldspenden sind auch möglich: Sparkasse, IBAN: DE56 4585 1020 0085 0000 16; BIC: WELADED1PLB; Verwendungszweck: Ukraine Hilfe.

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