Dolmetscherin verharrt in Schweigen

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Viel Geduld war gestern bei einer Verhandlung im Amtsgericht Altena gefragt. Ein 27-jähriger Chinese aus Nachrodt-Wiblingwerde musste sich wegen eines Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz verantworten. Für ihn endete der Tag mit einer Geldstrafe in Höhe von 200 Euro.

Er soll sich laut Anklage am 23. August 2008 in Eisenhüttenstadt aufgehalten haben. Damit hatte der Mann gegen die Auflage seiner Duldung verstoßen. Denn: Der 27-Jährige darf sich nur innerhalb des Märkischen Kreises bewegen. Nun begann ein zäher Prozess. Aufgrund der sprachlichen Barriere – der Angeklagte konnte kein Wort Deutsch – hatte sich eine Dolmetscherin zur Unterstützung eingefunden. Dummerweise wusste die jedoch augenscheinlich nicht so recht, wie sie sich zu verhalten hatte. Eigentlich wäre es ihre Aufgabe gewesen, alles Gesagte wortwörtlich zu übersetzten. Aber Fehlanzeige: Anstatt dem nachzukommen, verharrte die Frau teilweise minutenlang in Schweigen, und lauschte einfach nur den Worten der Beteiligten. Während der gelernte Koch ewig lange chinesische Monologe hielt, kam von der Dolmetscherin wenig bis gar keine Übersetzung. Erst nachdem Richter Dirk Reckschmidt die Dame daran erinnerte, weshalb sie eigentlich da war, versuchte sie sich zu bemühen – mit sehr mäßigem Erfolg.

Mit viel Geduld gelang es dem Vorsitzenden jedoch, dem Angeklagten klar zu machen, worum es in dem Prozess ging. Der 27-Jährige räumte schließlich ein, am Tattag in Eisenhüttenstadt gewesen zu sein. Dass er das nicht durfte, habe er angeblich nicht gewusst. Das schien sowohl der Staatsanwaltschaft, als auch dem Vorsitzenden wenig glaubhaft. Denn: Bereits in den Jahren 2005 und 2006 hatte sich der Angeklagte wegen ähnlicher Vorfälle strafbar gemacht. Genau dieser Umstand führte letztlich auch zur Verhängung einer Geldstrafe. Aufgrund einer fehlenden Arbeitsgenehmigung erklärte Richter Dirk Reckschmidt dem Mann, dass er die Strafe auch in Form von Sozialstunden abarbeiten könnte. Von dieser Idee zeigte sich der 27-Jährige allerdings nicht begeistert. Nach einer endlos scheinenden Verhandlung, verstand auch der Angeklagte das Urteil, und ließ es sofort rechtskräftig werden. Zahlt er nicht, kann es ein schnelles Wiedersehen vor Gericht geben. Das wird bei der Dolmetscherin wohl nicht der Fall sein. ▪ jape

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