Diskussion über Pflanztopf: Verhaltene Reaktion für SPD-Vorstoß

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Blühwiesen, wie sie Heiner Tacke in der Tannenbaum-Schonung angelegt hat, sollen in der Gemeinde entstehen - wenn auch etwas kleiner.

Nachrodt-Wiblingwerde – Kleine Themen, große Debatten: Einen Pflanztopf will die SPD einführen, um Bürger zu motivieren, Flächen in der Gemeinde zu bepflanzen. Die Reaktionen waren verhalten.

Ein Bock, der kein Gärtner ist, und Pflanzpaten, die jetzt anders heißen: So könnte man die Diskussionen zum „Pflanztopf für gemeindliche Grünflächen“ und „Insektenschutz“ im Planungs- und Bauausschuss zusammenfassen. 

Die SPD-Fraktion möchte Bürgern die Gelegenheit geben, Verkehrsinseln und Pflanzanlagen selbst zu bepflanzen. Damit die Bürger nicht auf den Kosten sitzen bleiben, soll ein Pflanztopf eingerichtet werden. 

„Es gab bereits das Thema Pflanzpaten, ähnlich wie bei den Spielplatzpaten, aber das hat nicht so gut funktioniert“, so Christian Pohlmann. Die Idee vom Pflanztopf soll frischen Wind bringen. „Es gibt den einen oder anderen, der sich engagiert, wie im Bereich Schmalsgotte“, weiß Christian Pohlmann, der hofft, weitere Bürger ermutigen zu können, zur Verschönerung der Gemeinde beizutragen. 

Spontan begeistert zeigten sich die anderen Fraktionen nicht. Die UWG möchte zunächst während einer Fraktionssitzung darüber beraten, die CDU findet zwar die Idee gut, gibt aber zu bedenken, dass das Thema nicht neu ist. „Erst ist man euphorisch, dass man etwas tun muss. Dann schläft es es nach einer gewissen Zeit wieder ein“, meinte Klaus-Dieter Jacobsen. 

Bauamtsleiter: "Nichts neu erfinden"

Traurig sei, dass der Bauhof gar nicht mehr in der Lage ist, diese Arbeiten zu übernehmen. „Ich kann mich noch erinnern, dass der Bauhof regelmäßig an den Spielplätzen war. Das geht heute alles nicht mehr, weil alles schnell gehen muss“, so Jacobsen. 

Matthias Lohmann, fraktionsloser Ratsherr, nimmt dies nicht so wahr. Er sagt zum bürgerschaftlichen Engagement: „Ich glaube nicht, dass die Leute, die sich bislang nicht gekümmert haben, dies in Zukunft machen werden, nur weil sie Pflanzen mit der Gemeinde abrechnen können. Es ist eine Frage von man tut es oder man tut es nicht.“ 

Weg von den Paten, hin zum Topf: Diese Idee würde die SPD-Faktion gern probieren. „Damit die Bürger wissen, dass es einen Pflanztopf gibt, aus dem man den einen oder anderen Euro bekommen kann“, versuchte Christian Pohlmann seine Mitstreiter zu überzeugen. Der Begriff Pate suggeriere immer auch eine Verpflichtung. 

Bauamtsleiter Dirk Röding ist skeptisch. Schon vor sieben Jahren habe man die Bürger angeschrieben und darauf hingewiesen, dass die Kosten für die Pflanzen von der Gemeinde übernommen werden. „Die Resonanz war niederschmetternd. Wir müssen nicht etwas neu erfinden.“ Einen Beschluss gibt es nicht. Das Thema wurde in den Rat vertagt, „damit der auch was zu tun hat“, wie Ulrich Gülicher, Vorsitzender des Planungs- und Bauausschusses, schmunzelnd meinte. 

Hier entstehen Blühstreifen

Um Pflanzen ging es auch bei einem Antrag der UWG-Fraktion zum Insektenschutz. Im Mai dieses Jahres wurde die Bepflanzung von zusätzlichen Flächen gefordert. Nach Rücksprache mit dem Baubetriebshof können der Grünstreifen an der Zufahrt zur Sekundarschule, der Bereich Ecke Dorfstraße/Ehrenmalstraße, Flächen in Rennerde, der Gehweg an der Nachrodter Straße und das Nachrodter Feld bepflanzt werden.

 „Das ist durchaus aber auch noch erweiterbar“, erklärte Bürgermeisterin Birgit Tupat. Allerdings müsse man wissen, wie viele Quadratmeter es insgesamt werden sollen, „damit wir im Januar Angebote einholen können“. Denn: Eine vermehrte Bepflanzung würde einen hohen Personalaufwand mit sich bringen, der nicht durch den Baubetriebshof aufgefangen werden kann. „Daher wurde zunächst überlegt, von einjährigen zu mehrjährigen Wildblumen zu wechseln. 

Dagegen spricht jedoch, dass sich in den drei bis fünf Jahren oft eine dominante Pflanze durchsetzt, sodass die Vielfältigkeit der Wildblumen verloren gehen würde. Zudem besteht die Gefahr, dass Wildkraut die gesäten Blumen überwuchert“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. 

Überblick über Kosten verschaffen

Um den Personalaufwand trotz einer einjährigen Bepflanzung möglichst gering zu halten, wird vorgeschlagen, die Fräsarbeiten durch ein externes Unternehmen durchführen zu lassen. „Das wird nicht die Welt kosten“, meinte Bauamtsleiter Dirk Röding. 

Wie das Fräsen funktioniert und warum es nötig ist, interessierte die Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses sehr. „Ich dachte, da wird die Grasnarbe abgetragen, dann kommt Blumenerde drauf und dann wird es bepflanzt“, meinte Christian Pohlmann. „Sie sprechen jetzt eher mit dem Bock als mit dem Gärtner“, witzelte Dirk Röding. 

Jetzt soll ein Überblick über die Kosten aufgestellt werden. Und: Die Bepflanzung soll nach Meinung aller Fraktionen auf jeden Fall durchgeführt werden.

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