Bürgerservice jetzt freigeschaltet

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Alexandra Meckel (links) und Kämmerin Gabriele Balzukat freuen sich, dass der Bürgerservice-Online jetzt freigeschaltet ist.

Nachrodt-Wiblingwerde – Möchten Sie Ihren Dackel anmelden? Oder ein Osterfeuer veranstalten? Ab sofort gibt es einen direkten Online-Draht ins Amtshaus. Große Freude allerorts – besonders bei Alexandra Meckel. Sie ist es nämlich, die seit vielen Monaten den Bürgerservice-online für die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde aufgebaut und „Federn gelassen hat“, wie sie schmunzelnd erzählt. Jetzt ist das Angebot auf der Homepage freigeschaltet

 Es steckt zwar noch in den Kinderschuhen, ist aber für die Bürger schon in vielen Angelegenheiten eine Möglichkeit, bequem von zu Hause Dienstleistungen abzurufen oder zu erledigen. Interessant ist sicher auch, dass der schnelle Online-Kontakt auch für Anfragen („wieso brennen die Straßenlaternen nicht?“), Beschwerden („ein Container-Standort ist vermüllt“), Lob, Anregungen, Anfragen zu Veranstaltungen und vieles mehr gilt. Aus dem elektronischen Postbriefkasten werden die Nachrichten an den passenden Ansprechpartner weitergeleitet. Es gibt sogar einen sogenannten Portal-Chat, der es den Amtshaus-Bediensteten ermöglicht, mit dem Bürger direkt zu kommunizieren.

Bürgerservice war ein „Pubertier“

 „Es war ganz lange ein schwieriges Kind, eher ein Pubertier“, sagt Alexandra Meckel über „ihr Baby“. Viel Arbeit und viel Energie hat die Mitarbeiterin des Amtshauses in den neuen Bürgerservice gesteckt, der unter dem Oberbegriff E-Government steht und im Endeffekt die Verwaltung für die Bürgerinnen und Bürger rund um die Uhr erreichbar machen soll. Das spart letztlich Zeit und Wege.

Das Angebot ist übersichtlich gestaltet.

 Getestet wurde das System bis zum Abwinken, Alexandra Meckel hat etliche imaginäre Hunde für sich angemeldet, hat selbst Bürger gespielt. „Macht das System, was es soll? Oder vielleicht etwas ganz Anderes. Ich habe beispielsweise einen Hund angemeldet und die Anmeldung losgeschickt. Sie sollte ans Einwohnermeldeamt und an mich, weil ich die Hundesteuer bearbeite. Dann bekam ich plötzlich ganz aufgeregte Anrufe aus dem ganzen Haus und auch aus dem Bauamt, was sie denn für ein Zeug bekommen würden. Es ging einfach an alle“, erzählt Alexandra Meckel über die Selbstversuche, die auch mal in die Hose gingen.

Immer wieder gab es Rücksprachen mit der Südwestfalen IT, dem Rechenzentrum unter anderem für Nachrodt-Wiblingwerde. Im Fokus der Südwestfalen IT (übrigens ein Zusammenschluss der Citkomm und KDZ Westfalen-Süd) steht die Optimierung von Verwaltungsprozessen.

Vieles funktioniert schon

In der der Startversion sind folgende Online-Services verfügbar: Hunde an- und abmelden; Eigentumswechsel anzeigen und Wasser ummelden; Vollmacht zur Abholung des Personalausweises oder Reisepasses ausfüllen und ausdrucken; SEPA-Lastschriftmandat ausfüllen und ausdrucken; Touristisches Informationsmaterial anfordern; Gewerbe an- und ummelden; Ausstellung oder Verlängerung eines Fischereischeins beantragen; Genehmigung einer Veranstaltung beantragen; Wildschaden oder Jagdschaden anzeigen; Osterfeuer anmelden; Geburts-, Sterbe-, Ehe-, und Lebenspartnerschaftsurkunden anfordern; Antrag auf Ausstellung eines Ehefähigkeitszeugnisses; Status des bestellten Personalausweises / Reisepasses abfragen; Anregungen, Auskünfte, Beschwerden etc. einreichen; Abfuhr von Sperrmüll, Elektrogroßgeräten und Grünabfällen beauftragen.

Wobei sich die Frage stellt, was ein Ehefähigkeitszeugnis ist. Sebastian Putz, Leiter des Ordnungsamtes und Standesbeamter, erklärt es so: „Es erklärt, dass diese Person diese andere Person heiraten darf.“ Deutsche, die im Ausland heiraten möchten, brauchen in einigen Ländern ein Ehefähigkeitszeugnis. Dieses bestätigt, dass eine Ehe nach deutschem Recht geschlossen werden darf. In manchen Ländern wird zusätzlich zu dem vom deutschen Standesamt ausgestellten Ehefähigkeitszeugnis eine Bescheinigung des deutschen Konsulats verlangt. Auch Ausländer und Ausländerinnen, die in Deutschland heiraten möchten, brauchen ein Ehefähigkeitszeugnis. In diesem Zeugnis bestätigt die zuständige Heimatbehörde, dass der Eheschließung kein gesetzliches Ehehindernis entgegensteht.

 Es erspart viel Zeit und Schriftwechsel

 Apropos Hochzeit: Das Aufgebot kann man nicht online bestellen. „Aber das Standesamt ist ein gutes Beispiel für einen Service, der auch wirklich für mich ein E-Government ist“, sagt Kämmerin Gabriele Balzukat. „Ich kann eine Sachbearbeitung in Gang setzen, ohne etwas auszudrucken und hierhin zu schicken. Beispiel: Jemand benötigt eine Geburtsurkunde. Bisher musste derjenige dies schriftlich beantragen, hat dann Bescheid bekommen, welche Kosten entstehen, musste die Urkunde bezahlen und bekam dann anschließend die Urkunde. Jetzt ist es einfacher.“

Es ist ein sicheres Verfahren

Für die Urkundenanforderung muss man sich nun einmal registrieren. Dann kann man sich mit seinem Servicekonto anmelden, füllt einige Felder aus, die beispielsweise nach dem Grund der bestellter Geburtsurkunde fragen, die Anzahl der Urkunden und das Format wissen wollen und wird dann zum Bezahlsystem weitergeleitet. „Pay direkt und Giro pay. Den Vertrag haben wir mit der Vereinigten Sparkasse geschlossen“, so die Kämmerin.

„Es ist ein sicheres Verfahren“, sagt Alexandra Meckel. Sein Konto muss der Bürger für das Verfahren freischalten. Anschließend schickt das Standesamt die Urkunde raus. Man muss kein Computerfreak sein Unkompliziert ist der Bürgerservice für alle, die sich mit Online-Verfahren auskennen.

„Für manch einen Bürger ist es vielleicht einfacher, einen Brief aufzusetzen und diesen zur Post zu bringen als sich da durchzuwuseln“, weiß Gabriele Balzukat. Ein Computerfreak muss aber niemand sein, um mit dem Bürgerservice klar zu kommen. „Man wird gut durch das System geführt, sodass es eigentlich für jeden etwas ist“, glaubt Alexandra Meckel. Und wenn etwas falsch eingegeben wird, meckert das System.

Eine große Erleichterung ist, dass nach einer Registrierung vieles nicht mehr ausgefüllt werden muss. Und das Servicekonto NRW hat den Vorteil, dass man den Bürgerservice aller Kommunen in NRW nutzen kann. Das ist bei einem Umzug komfortabel.

Was geht noch nicht?

 Einiges funktioniert noch nicht – eine Ummeldung online beispielsweise. „Das würde ja bedeuten, dass das System abgleicht, ob es die Person überhaupt gibt“, sagt Kämmerin Gabriele Balzukat. Zudem sind zwar Dackel und andere kleine Hunde problemlos anzumelden, aber bei großen Hunden sieht es anders aus. Wiegt der Hund 20 Kilo und seine Schulterhöhe ist größer als 40 Zentimeter (oder wird er mal so groß), muss der Besitzer persönlich im Amtshaus vorbei kommen.

Zum Thema Registrierung: Um möglichen Missbrauch vorzubeugen, ist eine Registrierung oftmals eingebaut. „Früher haben wir geklingelt und sind weggelaufen, heute meldet man vielleicht für seinen Nachbarn jede Woche einen Hund an, um ihn zu ärgern“, findet Kämmerin Gabriele Balzukat die Registrierungs-Hürde durchaus sinnvoll. „Damit man keinen Blödsinn macht.“ Auch, wenn noch einiges nicht geht (Sepa-Lastschriftmandat, Bauanträge beispielsweise) und das Ausdrucken von Formularen noch recht hoch im Kurs steht (Vollmacht zur Abholung von Reisepass und Personalausweis oder der Fischereischein) , so ist der Anfang für den Online-Bürgerservice gemacht. Alle Programme sollen zudem stetig erweitert werden. „Ich bin der Meinung, dass der Bürgerservice auch für uns eine Erleichterung ist“, ist Alexandra Meckel Feuer und Flamme. „Es erspart viel Zeit und Schriftwechsel.“

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