Für Sekundarschule und Burggymnasium

Digitalisierte Schulen: Endlos-Diskussionen statt Entscheidungen

Coronavirus - Unterricht an Schulen in Schleswig-Holstein: Eine Zwölftklässlerin mit Tablet im Unterricht.
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Bislang gibt es nur eine Tablet-Klasse an der Sekundarschule, weiter ist die Digitalisierung noch nicht.

WLan, Kosten, Geräte, Elternbeteiligung: Über vieles haben die Kommunalpolitiker aus Altena und Nachrodt rund ums Thema Digitalisierung der Schulen diskutiert. Entschieden wurde wenig. Das Projekt zieht sich.

Nachrodt/Altena – Kühe lernen eher fliegen als Politik entscheidet: So könnte man die Debatte zusammenfassen, die sich am Mittwochabend in der Sekundarschule abspielte. Im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung des Schulausschusses der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde und des Ausschusses Schule, Kultur und Sport der Stadt Altena kamen die Kommunalpolitiker beim Thema „Digitalisierung der Schulen“ maximal einen Mäuseschritt weiter.

Man verzettelte sich in Diskussionen um Wlan, Tablet-Kosten, Cloudspeicherplatz, unterschiedliche Anbieter, Elternbeteiligung bei der Anschaffung von Geräten, Gleichbehandlung aller Schulen und sogar über die Handschrift der Schüler und Schülerinnen, die – so war man sich einig – aufgrund der Nutzung von digitalen Medien den Bach ‘runtergeht’.

„Keinen Schnellschuss machen“

„Wir sollten keinen Schnellschuss machen, der uns später leidtut“, erklärte Karl-Heinz Kühn, sachkundiger Bürger bei der Altenaer CDU. Davon, dass zuvor ein eigens eingerichteter Arbeitskreis nicht nur einmal getagt hatte, und die Digitalisierung an Schulen in den Ausschüssen durchaus schon Thema war, merkte man nichts. Es schien, als würden sich die Schulausschussmitglieder auf komplett unbekanntem Terrain bewegen.

Es war den Kämmerern Gabriele Balzukat (Nachrodt) und Stefan Kemper (Altena) zu verdanken, dass trotz aller offenen Fragen Geld für die Digitalisierung in die Haushalte eingeplant wird. Denn nur dann ist man finanziell handlungsfähig und kann eben dieses Geld bei den Haushaltsplanberatungen auf den Prüfstand stellen. Und Entscheidungen treffen.

Sekundarschule und Burggymnasium im Blick

Nachdem die Sekundarschule mit Beginn des Schuljahres 2021/2022 mithilfe von Leihgeräten aus dem Sofortausstattungsprogramm des Landes Tablet-Klassen eingerichtet hat und im Rahmen der Sitzung über das pädagogische Konzept der Schule und die ersten positiven Erfahrungen berichtete, geht es für die Kommunalpolitiker nun darum, den Weg zu ebnen, wie es für alle anderen Schüler der Sekundarschule weitergeht – wobei Altena anders als Nachrodt immer auch das Burggymnasium im Blick haben will und muss.

Doch auch eindringliche Appelle von Matthias Lohmann, fraktionsloser Ratsherr in Nachrodt und Leiter des BKT in Lüdenscheid („Wir investieren nicht in die Schulen, sondern in die Kinder, die in vier, fünf Jahren in den Arbeitsmarkt entlassen werden, wo der selbstverständliche Umgang mit digitalen Medien vorausgesetzt wird.“), sowie dem Altenaer Grünen-Fraktionsvorsitzenden und Realschulleiter Oliver Held („Wir sind in der Verantwortung. Und das Tempo reicht mir nicht, wir können nicht immer in den Jahrgängen fünf anfangen und die anderen von der Entwicklung abkoppeln.“) änderten nichts daran, dass das Ringen um den besten Weg qualvoll ist und weiter sein wird.

Knapp 47.000 Euro plus Support

Neben der wichtigsten Frage, ob Eltern an den Kosten beteiligt werden sollen, wenn der Schulträger digitale Endgeräte anschafft, ging es in der Diskussion auch immer wieder um die Geräte selbst. Viele Schulausschussmitgliedern hadern augenscheinlich mit MS Surface Go2. Hierfür hatte sich die Sekundarschule entschieden. Bleibt man dabei für die nächsten Jahrgänge der Fünftklässler, kämen folgende Kosten auf den Schulträger zu: Anschaffung bei 55 Geräten zu je 850 Euro: 46 750 Euro plus Einrichtung und Support. „Da sind andere Geräte für die Hälfte zu bekommen“, so Christian Pohlmann (SPD Nachrodt).

Und für den Ausschussvorsitzenden Klaus-Dieter Jacobsen (CDU Nachrodt) kommen die Schüler, „die es betrifft, zu kurz. Wie kommen sie damit klar?“. Fakt ist das, was Andreas Kern (CDU Altena) anmerkte: „Es gibt einfach zu viele offene Fragen.“

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