Dicke Freundschaft mit Manni

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Helmut Loch mit seinem treuen Freund, dem Vogel Manni. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Helmut Loch ist Bewohner des Alten- und Pflegeheimes Perthes-Haus in Nachrodt. Und er hat unbestritten – darüber sind sich alle, die ihn kennen, einig – „einen Vogel“. Denn Loch teilt sich sein Zimmer mit „Manni“, einem drei Jahre alten Nymphensittich. Beide haben sich, so Loch, „gesucht und gefunden“.

Der rüstige Rentner stammt aus Niederschlesien, lebte aber seit 1958 in Altena. Bereits im Jahr 1954 heiratete er seine Frau Maria, die 52 Jahre lang an seiner Seite stand. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Im Jahr 1996 verstarb Ehefrau Maria. Loch, der zu diesem Zeitpunkt noch in Altena lebte, hatte erhebliche Probleme damit, den Tod seiner Ehefrau zu verkraften. „Ich bin fast depressiv geworden“, erinnert er sich.

„Aber meine Kinder haben mich wieder aufgemöbelt.“ Sie besuchten ihren Vater regelmäßig. So standen sie eines Tages wieder vor der Haustür. Allerdings nicht allein. In ihrer Begleitung: Manni, damals noch ein ziemlicher „Winzling“. Man habe im Familienkreis beschlossen, dass es nicht gut sei, wenn der Vater immer nur allein in der Wohnung sitze. Nun sei man auf Manni gestoßen. Und der sollte ihm Gesellschaft leisten.

Aus der anfänglichen Skepsis Lochs ist eine dicke Freundschaft entstanden. Das änderte sich auch nicht, als Helmut Loch 2009 in das Perthes-Haus in Einsal einzog. Doch eines war von Anfang an klar: Nicht ohne Manni. Die Leiterin des Hauses, Anne Heß-Müller, setzte sich dafür ein, dass Loch ein Einzelzimmer erhielt. Denn in einem Zweibett-Zimmer wäre die Haltung eines Nymphensittichs nicht möglich gewesen. Heute leben „Helmut und Manni“ im neuen Perthes-Haus in Nachrodt und fühlen sich dort rundum wohl. Der Nymphensittich ist gegenüber Helmut Loch absolut zutraulich und ist – ganz nebenbei – auch noch sehr possierlich. Auf die Idee, seinen großen Freund einmal zu verlassen, ist er bisher noch nicht gekommen. Denn Loch hat die Angewohnheit, sein Zimmer täglich zu lüften. Es geschieht auch häufiger, dass die Tür auf steht. Das interessiert Manni allerdings nicht. Er dreht seine Runden im Zimmer und setzt sich dann entweder auf den Vogelbauer oder – was immer häufiger vorkommt – auf Lochs Schulter. Manni lässt sich auch von seinem Halter streicheln – allerdings nur von ihm. Bei allen anderen Personen reagiert er ausgesprochen humorlos. Das weiß auch Pfleger Brennecke. „Wir haben alle schlechte Karten bei Manni“, schmunzelt er. „Nur Helmut lässt er an sich ran.“ Und von dessen Streicheleinheiten kann er gar nicht genug bekommen. Im gemütlichen Zimmer im Perthes-Haus wird es Helmut Loch – und natürlich auch Manni – nie langweilig. Denn der eine kümmert sich um den anderen. „Meine Frau“, so Loch, „werde ich niemals vergessen. Aber nun ist Manni mein Lebensinhalt. Und ich glaube, sie würde sich darüber sehr freuen.“ ▪ hb

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