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Das fast vergessene Unwetter

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Die Becke (Foto) und der Eickhoff stehen auf der Prioritätenliste ganz oben.
Die Becke (Foto) und der Eickhoff stehen auf der Prioritätenliste ganz oben. © Fischer-Bolz, Susanne

Das Unwetter ist fast schon in Vergessenheit geraten, doch die Schäden sind immer noch gravierend. Manchmal kommen sogar noch neue dazu. Und auf die Bäche legt man nun ein besonderes Augenmerk.

Nachrodt-Wiblingwerde – 1,9 Millionen Euro hat die Gemeinde bisher für die Beseitigung der Flutschäden ausgegeben, aber vom Land und Bund noch keinen Cent Erstattung bekommen. Und so muss Nachrodt-Wiblingwerde in Vorleistung treten und die Kosten der Flutschäden aktuell über Kassenkredite vorfinanzieren. Das ist erstens sehr ärgerlich, aber zweitens im Moment nicht zu ändern. Immerhin gibt es die Genehmigung des Wiederaufbauplans, für den Bund und Land mit insgesamt 25 Millionen Euro aufkommen. Nur wann wird das Geld überwiesen?

Zwei Schachtbauwerke am Kapellenweg werden saniert

Obwohl das Unwetter fast schon in Vergessenheit geraten ist, sind die Schäden immer noch gravierend. Und: Es kommen sogar immer noch neue Probleme ans Tageslicht. Der unterspülte Kapellenweg gehört dazu. Die Straße ist gesperrt. Ab dem 3. Januar werden zwei Schachtbauwerke saniert. „Das sind noch gemauerte Schachtbauwerke. In dem Mauerwerk haben sich Fugen gelöst, es ist undicht geworden. Deshalb ist das Wasser nicht mehr im Rohr gelaufen, sondern daneben und dadurch gab die Ausspülung der Fahrbahn“, erklärt Marc Trappe vom Bauamt der Gemeinde. Parallel zu der Gewässerverrohrung liegen Versorgungsleitungen in der Straße. Durch das Unwetter sind die Schächte extrem beansprucht worden. Bei der ersten Kamerabefahrung hatte man bereits Schäden festgestellt, aber keine Undichtigkeit erkannt. „Im Nachhinein ist man immer schlauer“, sagt Marc Trappe. Die Maßnahme wird nun vorgezogen, damit auch die Straße schnell wieder freigegeben werden kann.

„Es ist wie eine Bobbahn“

Die Probleme kommen übrigens von „oben“ – vom Hermann-Löns-Weg. Von dort fließt der Bach komplett runter bis unterhalb vom Grund, unterquert die Bahn, kommt vor den Einsaler Walzwerke raus und geht dann in offener Bauweise in die Lenne. „Früher hat man gerne Gewässer eingezwängt, um zu bauen. Heute ist man schlauer. Das Problem ist, dass der Bachlauf ein unheimliches Gefälle hat und dementsprechend eine extreme Geschwindigkeit bekommt. Es ist wie eine Bobbahn“, sagt Marc Trappe und ergänzt: „Wir haben Steine im Grund herausgeholt, da wundert man sich, wie die dadurch gekommen sind.“

Nicht so bauen wie vorher

Was es in Nachrodt-Wiblingwerde noch nicht gibt, aber für ein Neubaugebiet sicher Thema wird, sind sogenannte Rigolen. Eine Rigole ist ein unterirdischer, seltener auch teilweise oberirdischer Pufferspeicher, um eingeleitetes Regenwasser aufzunehmen und zu versickern. „Starkregenschutz muss definitiv jetzt beachtet werden“, so Marc Trappe. Im Ruhrgebiet gab es vor ein paar Jahren Pilotprojekte. Im Anfang habe ich das für Humbug gehalten, aber mittlerweile denke ich anders. Man kann auf keinen Fall alles wieder so bauen, wie es vorher war.“ Alle Gewässer bekommen nun den Raum, den sie benötigen. Durchlässe werden angepasst. Das Gewässer hat Vorrang. Alle Maßnahmen passieren in Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde. Es gibt hydraulische Berechnungen aller Gewässer mit den zentralen Fragen: Was kommt bei einem Starkregen an, was kann passieren?

Größere, aber kürzere Verrohrung

In der Becke wird beispielsweise der Bach auf die andere Seite des dortigen Hauses verlegt, mit größerer, aber kürzere Verrohrung, sodass der Bach viel früher in offener Bauweise weitergeführt werden kann. Wo es besondere Veränderungen geben wird, ist auf manchen Waldwirtschaftswegen. Dort werden keine neuen Verrohrungen angelegt, sondern so genannte Furten. „Da muss man quasi durch den Bach fahren. Für den Wanderer gibt es dann ein paar Trittsteine, damit man locker-flockig darüber kommt“, erklärt Marc Trappe. Es gibt so viele Gewässer in Nachrodt, die im Sommer gar nicht zu erkennen sind. Bei großen Waldwirtschaftswege muss man angesichts von Rettungsdiensten Alternativen finden. Der Wiederaufbauplan ist eine Mammutaufgabe. Jede Maßnahme muss mit den Behörden abgesprochen werden. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen die Becke und der Eickhoff.

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