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Keine Besucher: Das Ende der katholischen Bücherei

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Das Team der katholischen Bücherei St. Josef – Annemarie Wolff, Korinna Claus und Petra Jacobsen (von links) verabschiedet sich.
Das Team der katholischen Bücherei St. Josef – Annemarie Wolff, Korinna Claus und Petra Jacobsen (von links) verabschiedet sich. © Svenja Hoppe

Sie war eine kleine Besonderheit. Viele Nachrodter haben sie über Jahre, sogar Jahrzehnte geschätzt, sich auf einen Besuch gefreut. Doch aus den Vielen sind irgendwann Wenige geworden. Zu wenige. Und so schließt die katholischen Bücherei St. Josef für immer.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Es hat nichts mit den Umstrukturierungen von St. Josef zu tun. Auch nicht mit Corona. Die Pandemie hat nur den Rest dazugegeben“, sagt Korinna Claus. Es gab Sonntage, da war das Bücherei-Team ganz allein im katholischen Vereinshaus und wartete auf die Besucher, die nicht mehr kamen. Und so geht eine Ära zu Ende.

19. März Bücherflohmarkt

Am 19. März findet – wenn es die Infektionslage und die Corona-Verordnung zulassen – ein St. Josef-Fest statt. Dann sollen die Bücher im Rahmen eines Flohmarktes gegen Spenden vergeben werden. Die Kinderbücher allerdings verbleiben an Ort und Stelle. Denn die Kita-Kinder von St. Elisabeth sollen während der Umbauzeit ihres Kindergartens ein Domizil im katholischen Vereinshaus bekommen. Oben dann, in der alten Bücherei, gibt es für sie demnächst ein voll ausgestattetes Lesezimmer.

Seit 1995 im Vereinshaus

Korinna Claus, Annemarie Wolff und Petra Jacobsen verabschieden sich als Bücherei-Team. Sie haben gemeinsam viel auf die Beine gestellt. Der Sonntag war für die Gemeinde St. Josef lange Jahre nicht nur der Tag der Messe, sondern auch der Bücher. „Früher hatten wir wöchentlich geöffnet, eine Zeitlang sogar auch alle 14 Tage mittwochs, wenn sich die Seniorenrunde traf“, erzählt Korinna Claus, die seit Bücherei-Start 1995 dabei war.

Buchausstellungen

Höhepunkte waren immer die Buchausstellungen, „wir haben ihnen entgegengefiebert“, erzählt Korinna Claus schmunzelnd. Stets begehrt waren übrigens Kochbücher. Trotz Internet – und die Möglichkeit, jedes Rezept zu finden. „Sie haben eine magische Anziehungskraft“, so Korinna Claus. Im Buchbestand, zu dem jetzt insgesamt 2500 Schmöker gehören, ist von Bilderbüchern über Thriller und Sachbüchern bis zu christlichen Werken alles dabei, was sich die Nachrodt-Wiblingwerder je gewünscht haben. Wer zum Weihnachtsfest Bücher bestellen wollte, war ebenso in der kleinen Bücherei richtig, wie der Krimifan, der den neuesten Fall seines Lieblingsautors lesen wollte. In Erinnerung wird auch eine schöne Tradition im Rahmen der Buchausstellungen bleiben: Neben Büchern gab es nämlich auch Schmuck und Handarbeiten.

„Bevölkerung selber Schuld“

„Viele werden jetzt sicher überrascht sein, aufschreien. Aber die Bevölkerung ist manchmal auch selber Schuld. Monatelang ist keiner hingegangen, während das Team immer bereit stand. Und natürlich macht das dann keinen Spaß mehr“, sagt Klaus-Dieter Jacobsen, der im Kirchenvorstand mitarbeitet.

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