Eine Panne nach der anderen: Brötchenflitzer vor dem Aus

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Der Brötchenflitzer flitzt nicht mehr durch die Gemeinde.

Nachrodt-Wiblingwerde – Mit einem mobilen Brötchenflitzer wollte Daniela Flanz den Bürgern was bieten. Doch sie geriet von einer Panne in die nächste. Nun muss sie aufgeben.

„Hinfallen. Aufstehen. Krönchen richten. Weiter machen.“ So positiv blickt Daniela Flanz in die Zukunft. Erst hatte die Wiblingwerderin kein Glück mit ihrem Brötchenflitzer und dann kam auch noch jede Menge Pech dazu. 37 Jahre ist Daniela Flanz alt. 

Als dasBackstübchen in Wiblingwerde schließen musste, in dem sie als Verkäuferin arbeitete, erfüllte sie sich einen Traum und machte sich selbstständig. Ein Existenzgründerseminar und einen Kleinkredit im Rücken marschierte sie in das erste Problem. 

"Verkäufer hat mich betrogen"

„Der Verkäufer des ersten Autos hat mich betrogen. Der Wagen kostete 3000 Euro, hatte zwar keinen Tüv mehr, aber der Verkäufer meinte, es sei alles top. Dann sind wir in die Werkstatt. Die Reparaturkosten sollten zwischen 8000 und 10 000 Euro liegen. Wir wollten den Kauf rückgängig machen, schalteten einen Anwalt ein. Schließlich verkauften wir den Wagen privat für 1500 Euro, so dass ich schon mal 1500 Euro in den Sand gesetzt hatte“, erzählt die junge Frau. 

Es war der erste Schlag ins Kontor. Ein neuer Wagen musste her, der auch erst einmal einen guten Eindruck machte: ein Fiat mit ausklappbarer Theke, Kühltheke und Brotregal. Kosten: 11 900 Euro. 

Zum Start zu viel gekauft

„Wir wollten auf Nummer sicher gehen und kauften ihn über einen Händler“, sagt Daniela Flanz. Endlich war „Dannis Brötchenflitzer“ unterwegs. Start war am 20. November. 

Ihre Ware bezog Daniela Flanz von der Bäckerei von der Brake aus Letmathe. „Richtig traditionelles Handwerk, so wie ich es gern wollte.“ Um 4.30 Uhr in der Früh fuhr Daniela Flanz nach Letmathe, holte Brötchen, Körnerbrötchen, Croissants und verschiedene Brotsorten. Dazu gab es täglich von ihr frisch belegte Brötchen. 

„Zuerst hatte ich zu viel gekauft und musste das dann runterschrauben. Donnerstags gab es immer Currywurst“, erzählt die sympathische Wiblingwerderin. Ihre Flitzer-Tour ging vormittags nach Rosmart und nachmittags über die Dörfer Veserde, Eilerde, Rennerde, Niggenhuser Hof. Und freitags stand sie am Markt in Wiblingwerde. „Ich hatte Flyer, wann ich wo bin“, erzählt die Mama eines Sohnes. 

Große Unterstützung fand Daniela Flanz in ihrem Mann Mirco. „Er stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite.“ Morgens in den Firmen wurde ihr Service gut angenommen, „nachmittags haben mich viele verpasst. Da war es ein bisschen schleppend“. 

"Mit der Glocke durchs Dorf"

Manchmal stand sie in Veserde an der alten Schule und niemand kam. „Vielleicht hätte ich mit der Glocke durchs Dorf laufen sollen“, sagt die 37-Jährige lachend. Den Humor hat sie nicht verloren. 

Schließlich wurde es etwas besser – und in Brenscheid gab es gar eine Brötchentaxi-Gruppe, die ihre Bestellungen aufgab. Daniela Flanz fand es einfach toll, unterwegs zu sein, mit den Menschen zu sprechen. „Ich habe das geliebt“, sagt die gelernte Arzthelferin. 

Doch dann ging der Wagen kaputt. „Die erste Reparatur war an der Hydraulik der Klappe. Dann ist mir in der Grüne ein Reifen geplatzt, der auch die Felge geschrottet hat. Und von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass mit den Batterien etwas nicht stimmte. Innenbeleuchtung und Kühlung laufen über extra Batterien. Die Reparatur für alle drei Batterien soll mehr als 3000 Euro kosten.“ 

16.000 Euro Budget aufgebraucht

Und damit ist ihr Budget weg. 16 000 Euro in den Wind geschossen. Das bittere Ende kam schneller als erwartet. „Für diese vielen Reparaturen sind die Einnahmen, die ungefähr bei 80 Euro am Tag liegen, zu gering. Das kann ich nicht mehr auffangen.“ 

Daniela Flanz hat den Brötchenflitzer aufgegeben. „Ich wollte gar nicht reich werden. Ich wollte nur glücklich und zufrieden leben.“ Und so müsste jetzt ein Wunder geschehen, um noch einmal starten zu können. 

Aber eigentlich will sie das Auto verkaufen, um das finanzielle Desaster etwas aufzufangen. „Unser Wunsch ist es, vielleicht noch mal im Team etwas auf die Beine zu stellen“, sagt sie und meint das Team vom alten Backstübchen. „Aber das liegt noch in weiter Ferne."

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