Ein flachgeneigtes Dach für die Sekundarschule

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So sieht es aktuell auf dem obersten Dach der Sekundarschule aus. Die Sanierungsarbeiten haben begonnen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Das Flachdach, so erklären Architekten gern, sei „ein signifikantes Merkmal zeitgenössischer und geradliniger Architektursprache“. In Nachrodt hat genau dies ausgedient. Die Sekundarschule bekommt ein neues Dach. Genauer: Aktuell wird die erste von drei Ebenen saniert.

 Die alte Dachhaut verschwindet und wird bis auf die Rohbetondecke abgebrochen. Der gravierende Unterschied später: Es wird ein flachgeneigtes Dach mit fünf Grad. Damit lassen sich eine moderne Bauästhetik und die technischen Vorteile eines geneigten Daches perfekt verbinden. Das Wasser läuft zukünftig über eine Dachrinne ab – und nicht wie bisher über die Mitte durch ein Rohr durchs Haus.

Drei Firmen aus Lüdenscheid und Balve sind aktuell am Holensiepen mit der Sanierung – natürlich inklusive Wärmedämmung – beschäftigt, wobei die Gewerke Hand in Hand arbeiten. Die Sanierung kostet in diesem Jahr etwa 400000 Euro und wird – wenn alle drei Ebenen fertig sind – mit etwa 1,1 Millionen Euro zu Buche schlagen. Immer in den Sommerferien, also 2018 und 2019, werden die Arbeiten weitergeführt.

Das geneigte Dach übrigens hat theoretisch optimale Voraussetzungen für Energie- und Wärmegewinnung durch photovoltaische und solarthermische Anlagen. Und genau dies wurde schließlich im Juni angedacht. Sebastian Müller von den Stadtwerken Iserlohn hatte im Planungs- und Bauausschuss die Idee einer Photovoltaikanlage für das Dach der Sekundarschule vorgestellt.

 Es soll, wenn es denn so kommt, eine Ost-West-Anlage werden, sodass die Sonne über den Tag verteilt genutzt werden kann. Die Prognosewerte liegen bei 22500 Kilowattstunden pro Jahr, davon könnten 75 Prozent direkt in der Schule verbraucht werden. Der Rest würde eingespeist und dafür gibt es eine EEG-Vergütung über 20 Jahre. „Die Stromrechnung würde günstiger ausfallen, weil man selbst Strom erzeugt, und man würde einen Teil des Stroms verkaufen können“, so Sebastian Müller, der ein Pacht- und ein Kaufmodell vorstellte. Bei der Pacht der Anlage kommen Kosten in Höhe von 230 Euro pro Monat auf die Gemeinde zu. Beim Verkaufsmodell sind es 37000 Euro.

 „Die Frage ist, ob wir das wirklich wollen und ob es sich rechnet“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding. Wenn der eigene Strom verbraucht werde, sei der Gewinn am größten. Allerdings dürfe man die vielen Ferien nicht vergessen. „Dann brauchen wir ja keinen Strom.“

Das neue Dach würde nicht durchlöchert werden. „Die Unterkonstruktion ist so ausgelegt, dass sie über den First miteinander verbunden werden und sich von selbst tragen“, so Sebastian Müller. „Aber was ist, wenn man irgendwann eine neue Dachhaut benötigt“, fragt sich Bauamtsleiter Dirk Röding, der eher das Pachtmodell favorisiert.

 Für die Kommunalpolitiker soll eine Vorlage erarbeitet werden, die verschiedene Modelle, Gedankenspiele und die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt. Übrigens: Neben der Photovoltaikanlage möchten die Stadtwerke auch eine Mikrogasturbine in der Schule als Pilotprojekt errichten. Es geht um Kraft-Wärme-Kopplung, also gleichzeitige Erzeugung von Wärme und Strom mit einer Anlage. Basis ist eine Technik aus der Automobilbranche. „Ein Turbolader im Auto ist quasi auch eine Turbine“, so Müller.

„Es ist relativ neu auf dem Markt. Wir finden die Technik sehr interessant und würden dies gern erproben.“ Die Anlage soll zusätzlich zu der bestehenden Heizungstechnik installiert werden. „Wir würden sämtliche Kosten übernehmen. Den Strom und die Wärme würden wir der Schule zur Verfügung stellen.“

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