Trotz erhöhten Risikos

Coronavirus: Senioren in Altenheimen entspannt

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Olga Fedorova, Petra Winkler und Heike Nitschmann (von links) im Pertheshaus. Die Desinfektion der Hände ist dort das A und O.

Nachrodt-Wiblingwerde – Senioren gehören zu den Risikogruppen in beug auf das Coronavirus. Erstaunlich: Im Perteshaus ist die Lage entspannt.

In der Ruhe liegt die Kraft. Und nicht den Humor verlieren. Das ist die Devise. Während die Angst vor dem Coronavirus immer größer wird, ist im Pertheshaus fast alles beim Alten. Die Betonung liegt auf „fast“. 

Und die Hochbetagten, diejenigen also, die am gefährdetsten sind, sind augenscheinlich am wenigstens besorgt. Und doch: „Wir beschäftigen uns natürlich mit dem Thema. Wir betreuen hier eine Gruppe von Menschen, die in der Regel höher betagt ist und Grunderkrankungen hat. Wir wollen alles, was möglich ist, tun, um den Schutz der Bewohner zu gewährleisten“, sagt Petra Winkler, Leiterin des Ellen-Scheuner-Hauses in Altena und des Perthes-Hauses in Nachrodt. 

Keine Beschränkung für Besucher

48 Bewohner wohnen im Pertheshaus – das Durchschnittsalter liegt knapp über 80 Jahren. Während in vielen Pflegeeinrichtungen mittlerweile der Zugang für Angehörige und Besucher gesperrt wurde, setzt man in Nachrodt auf Vorsicht und Besonnenheit. 

„Wir halten aktiv alle Personen an, sich fachgerecht die Hände zu desinfizieren“, sagt Petra Winkler. Dafür wird der Spender im Eingangsbereich genutzt. „Das gilt für alle.“ Dieser Schutz ist weder neu noch ungewöhnlich. Händedesinfektion war schon immer Thema. „Und schon vor Corona war es ein wichtiges Anliegen, die Bewohner vor Infektionskrankheiten zu schützen“, erklärt Petra Winkler. 

Keine Diebstähle bislang

Apropos Desinfektionsmittel: Geklaut wurde es – anders als in anderen Einrichtungen – im Pertheshaus (noch) nicht. „Wir haben einen Teil verschlossen und einen Teil im Umlauf. Wir spüren natürlich die Knappheit und sind im engen Kontakt mit den Lieferanten“, so Petra Winkler. 

Hygienebeauftragte ist Heike Nitschmann. Im Pertheshaus gilt außerdem: Bei grippeähnlichen Symptomen sollen Angehörige auf einen Besuch im Pertheshaus verzichten. Außerdem finden alle Termine mit „Externen“ aktuell nicht statt. Also bleiben auch die Ehrenamtlichen, die im Pertheshaus mit den Bewohnern singen oder spielen, zu Hause. 

Die Empfehlung der Perthesstiftung ist zudem, dass zum Schutz der älteren Herrschaften Besuche auf eine Person je Bewohner und Tag beschränkt werden. „Die Lage ist dynamisch. Man kann nur von einem Tag auf den anderen arbeiten und muss entsprechend reagieren. Wenn ich die Virologen höre, dann wird uns das Thema noch lange beschäftigen“, sagt Petra Winkler.

 Isoliert ist niemand im Pertheshaus. Es gibt viele Angebote in den Wohnbereichen, „weil es unser Anliegen ist, dass die Menschen eine gute und erfüllte Zeit haben sollen“, erklärt die stellvertretende Pflegedienstleiterin Olga Fedorova. 

Senioren bewerten Lage anders

Übermäßig besorgt sind die Bewohner selbst nicht. Was unterschiedliche Gründe haben kann: persönliche Erkrankungen und/oder möglicherweise auch persönliche Erfahrungen, im schlimmsten Fall Krieg und Hungersnöte, die die Hochbetagten miterleben mussten. „Sie bewerten das ganz anders als wir es tun.“ 

Die Bewohner sind gut versorgt. „Und das spüren sie. Es gibt einen guten, zuverlässigen Alltag mit vertrauten Personen“, so Olga Fedorova. Erkrankungen der Mitarbeiter des Pertheshauses gibt es übrigens bisher nicht. Bei Erkältungssymptomen würden sie auch bis zur Klärung zu Hause bleiben. „Das kriegen wir hin.“ 

Angst davor, am Coronavirus zu erkranken, hat augenscheinlich niemand. „Aber es sind Entwicklungen, die haben wir so noch nicht erlebt. Da wird man schon nachdenklich“, spricht Petra Winkler ihren Kolleginnen aus dem Herzen.

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