Auf Tour im Bürgerbus: Ehrenamt nach "Corona-Dienstplan"

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Haben sich immer viel zu erzählen: die Fahrgäste im Bürgerbus.

Nachrodt-Wiblingwerde – Klönen, Kontaktpflege und manchmal auch die unersetzliche Verbindung ins öffentliche Leben: Ein Fahrt im Bürgerbus.

Der amerikanische Präsident ist wirklich nicht beliebt. Man hat ihn ordentlich zwischen den Zähnen. „Der wird bestimmt wiedergewählt. Wie kann man so bekloppt sein? Der ist eine Gefahr für alle.“ 

Die Fahrgäste im Bürgerbus sind sich einig – und können auch sonst augenscheinlich sehr gut miteinander. Man kennt sich. Man fährt ein Stückchen miteinander. 

"Wir ärgern auch den Busfahrer"

„Wir reden über alles. Und wir ärgern auch mal den Busfahrer“, sagt Karin Hermstein und lacht. Heute ist sie mit Heidi Ziebach, Ursula Holst und Volker Diegmann im Bus. 

Am Lenker: Dieter Nölke. Der Vorsitzende des Bürgerbusvereins liebt seine Touren durch die Gemeinde. 

Trotz aller Corona-Vorschriften. Die bei den Fahrgästen vorgeschriebene Mund-Nase-Bedeckung ist zwar lästig, tut aber der guten Stimmung im Bus keinen Abbruch. 

Manchmal geht's  gar nicht ohne

Es sind in erster Linie ältere Stammkunden, die mit dem Bürgerbus zum Arzt, zum Einkaufen, zur Apotheke fahren. Und natürlich wieder zurück. „Meistens fahren die Fahrgäste zum Einkaufen. Und haben dann viele Taschen dabei. Wenn ein Zuhause auf der Strecke liegt und wir keine Verkehrsbehinderung sind, dann halten wir auch dort an“, sagt Dieter Nölke, der beim Edeka hilft, dass sämtliche Taschen an Bord kommen. 

Als der Bürgerbus wochenlang aufgrund der Corona-Pandemie still stand, waren viele ältere Nachrodt-Wiblingwerder aufgeschmissen. Dieter Nölke kennt eine Wiblingwerderin, der es nicht möglich war, zum Hausarzt Matthias Hartig zu kommen. „Bei manchen Leuten geht es gar nicht ohne den Bürgerbus.“ 

Coronavirus: Puppe lässt Abstand wahren

Jetzt sitzt eine Puppe hinter dem Fahrer und hält den Sitz frei, das Fahrgeld wird in eine Büchse geworfen. „Da vertrauen wir unseren Fahrgästen“, sagt Dieter Nölke. Einsal, Opperhusen, dann zum alten Krankenhaus Altena: „Da haben wir immer noch Fahrgäste, die dort zusteigen. Und ich hoffe, dass sich irgendwann mal noch etwas im ehemaligen Krankenhaus tut“, sagt Dieter Nölke, der ohne Probleme auch die enge Straße am Knerling „umschifft“. 

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Die Bürgerbusfahrer müssen Könner am Lenker sein, denn manchmal wird es knifflig abseits der Hauptstraßen. Wenn die Sperrung der L 692 ansteht, geht es auch wieder über den Kreinberg. 

Extra-Training für L692

Eine Strapaze, für die die Fahrer bei der ersten Vollsperrung der L692 vor drei Jahren ein Extra-Training eingelegt hatten. Wenn die Schulkinder wieder mitfahren, beginnt der Dienst um 7.30 Uhr. „Manchmal sind es so viele, dass wir zweimal fahren müssen“, sagt Dieter Nölke. 

Heute fährt der Vorsitzende des Bürgerbusvereins bis 14 Uhr. Zwischendurch gibt es eine Mini-Pause am Krankenhaus und eine halbe Stunde Pause am Amtshaus, um sich mal die Beine zu vertreten. 

Es sind aufgrund eines erhöhten Risikos nicht alle Fahrer zurück in den „Corona-Dienst“ gekommen. „Das ist mehr als verständlich“, sagt Dieter Nölke. 21 Leute sind aktuell als Chauffeure dabei. 

Keine Nachwuchssorgen

Nachwuchsprobleme gibt es nicht. „Wir machen Werbung im Freundeskreis“, sagt Dieter Nölke. Man kennt sich zudem aus den Vereinen. Und immer wieder wollen neue Leute mitmachen. Es gibt einen Einsatzplan, der von Fahrdienstleiter Alfred Franek ausgearbeitet wird. Ein ausgeklügeltes System, mit dem alle glücklich sind. 

Bürgerbusvereins-Vorsitzender Dieter Nölke liebt seine Touren durch die Doppelgemeinde.

Dieter Nölke liebt sein besonderes Ehrenamt: „Für die älteren Menschen ist es so wichtig, dass der Bürgerbus fährt. Warum sollte man also als Rentner den ganzen Tag zu Hause sein? Man kann auch nicht im Garten jeden Tag jedes Unkraut rupfen. Und es ist auch interessant, sich mit den Leuten zu unterhalten“, sagt Dieter Nölke. 

Die Kolonie, die keiner kennt

Verlässlichkeit ist zudem das A und O: Der Bürgerbus kommt pünktlich, sodass auch die Anschlussbusse – zum Beispiel nach Letmathe – problemlos erreicht werden. 

Manchmal gibt es auch kuriose oder witzige Begebenheiten im Bus – wenn der Gast zum Beispiel in der Kolonie aussteigen möchte, aber der Fahrer davon noch nie etwas gehört hat. „Die Kolonie sind die Häuser zwischen Rastatt und Sparkasse. Das wissen aber nur die älteren Nachrodter

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