Virtuell statt mit Massen: Laufen für den guten Zweck in Corona-Zeiten

Markus Windgassen aus Nachrodt läuft immer wieder für einen guten Zweck.
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Markus Windgassen aus Nachrodt läuft immer wieder für einen guten Zweck.

Eigentlich wollte er nur abnehmen: Nun läuft Markus Windgassen für gute Zwecke. Und zwar bei virtuellen Lauf-Events.

Nachrodt-Wiblingwerde –Es gibt keine Ziellinie – und trotzdem Medaillen. Es gibt keine applaudierenden Zuschauer am Wegesrand – und doch viel Aufmerksamkeit. Markus Windgassen läuft und läuft und läuft. 

Und zwar für einen guten Zweck. „Virtuelle Laufveranstaltungen“ sind die beiden Wörter, die für Markus Windgassen das Leben verändert haben. 

Man läuft für sich allein, sucht sich eine virtuelle Veranstaltung aus – von denen es aufgrund der Corona-Pandemie unzählige gibt – , zahlt ein Startgeld, bekommt eine Startnummer und einen Termin. Los geht es. 

Lebenslauf für todkranke Kinder

Ist die Distanz geschafft, wird die gelaufene Zeit gestoppt, übermittelt und dazu ein schönes Foto auf Instagram gepostet. So auch beim „Lebenslauf“ beispielsweise, bei dem Markus Windgassen im Mai und Juni für den Bundesverband Kinderhospiz seine Runden drehte. 

Eigentlich wollte er nur abnehmen. Ein Blick auf seine 122 Kilogramm reichten, um es zunächst mit Volleyball beim TSV Altena zu versuchen. 

„Aber einmal die Woche Training bringt nichts“, erzählt der Nachrodter schmunzelnd, der auch beim Bogensport mitmachte. 

Wie schwer das am Anfang ist, hat Sport-Redakteur Lars Schäfer selbst ausprobiert.

Firmenlauf gab das Startsignal

2019 trainierte er dann mit seinen Kollegen in Radevormwald für einen Firmenlauf. „Drei Monate vor dem Lauf haben wir angefangen“, erzählt Markus Windgassen. 

Die App hält es fest: Jede Distanz und jedes Training.

Zeitgleich ging es auch mit den Kollegen ins Fitnessstudio. „Gegenseitige Motivation gaben wir uns auch durch unsere Fitness-App. So konnten wir sehen, wie unser Trainingspensum mit Punkten bewertet aussah. Es ist schon toll, wie wir uns verbessert haben“, sagt Markus Windgassen, der als Buchhalter seinen Lebensunterhalt verdient und Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld ist. 

Lauftipp: Langsam anfangen und Intervalle

Mittlerweile ist der 47-Jährige längst vom Laufen infiziert. Statt wie geplant, irgendwie fünf Kilometer zu schaffen, ist er heute bei zehn Kilometern. 

Langsam anfangen: Da ist das Geheimrezept. „Erst mal gehen. Die Entfernung, die man laufen möchte, sollte man in Intervallen laufen und gehen. Und dann mal schauen, wie weit man kommt.“ 

Oft läuft Markus Windgassen im Wilhelm-Mestekämper-Stadion am Holensiepen. Im Kreis laufen ist zwar kein Highlight, aber die Tartanbahn ist perfekt, weil gelenkschonend. 

Sehr regelmäßiges Training

Bei zehn Kilometern und 25 Runden „ist das aber schon langweilig“, gibt der Nachrodter zu. Zudem verzichtet er auf ablenkende Musik. „Ich habe Kopfhörer, aber da höre ich über die App die Geschwindigkeit nach jeder Runde.“ 

Zwei Mal in der Woche und am Wochenende „rennt“ Markus Windgassen.„Wenn sehr schlechtes Wetter ist, dann auf dem Laufband zu Hause“, erzählt der sympathische Sportler. 

Dass er jetzt Startgeld zahlt, um gute Dinge zu unterstützen, erklärt er so: „Meine Kollegen und ich wollten trotz Corona weiter laufen. Unsere Läufe, bei denen wir uns angemeldet hatten, wurden alle abgesagt. Wir wollten aber dennoch ein bisschen den Wettkampf und sehen, ob wir uns verbessert haben.“ 

Crowdlauf für Kindernothilfe

Nun läuft er alleine, aber tatsächlich in einem echten Wettbewerb. „Dabei suche ich mir heraus, was ich unterstützen möchte“, erzählt Markus Windgassen von Goodwill-Runs oder VirtualRunners. 

Beim Crowd-Lauf unterstützt der Nachrodter die Kindernothilfe. Er hat die Startnummer 650. „Ich sehe auch die Teilnehmerliste“, sagt der Vater von zwei Kindern über das Online-Verfahren. 

Alle Infos rund um das Coronavirus im MK gibt es in unserem News-Blog

Und dann muss an einem bestimmten Tag gelaufen werden. „Man muss sich für eine bestimmte Laufstrecke anmelden, fünf, zehn Kilometer, Halbmarathon oder Marathon.“ Das Crowdlauf-Veranstaltungsteam hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Bewegung zu schaffen, die dazu beiträgt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Viele virtuelle Lauf-Events

Durch Medaillen und soziale Netzwerke soll auf wichtige Probleme und Themen aufmerksam gemacht werden. Über das Jahr hinweg bietet Crowdlauf immer wieder verschiedene virtuelle Läufe an, deren erwirtschafteter Gewinn zu 75 Prozent an Einrichtungen wie etwa die Berliner Kinderhilfe geht. 

Wie seriös die Lauf-Anbieter sind, die die Spenden für einen guten Zweck einnehmen, hat Markus Windgassen durchaus recherchiert. 

Zudem sieht der Spendenempfänger durch die Erwähnung in den sozialen Medien, welche Läufe stattfinden. Wenn man es auf das ganze Jahr umrechnet, spendet Markus Windgassen mit seinen Läufen etwa zehn Euro im Monat. 

Gießkannen-Prinzip: Viel Kleines an vielen Orten

Er hält es gern nach dem Gießkannen-Prinzip: viele Kleinigkeiten an vielen Orten. Übrigens: 30 Kilogramm hat Markus Windgassen mittlerweile abgenommen – ein paar weitere Kilos sollen noch fallen. „Der Bauch soll weg“, sagt er schmunzelnd. 

Auf Süßigkeiten will er nicht komplett verzichten. „Ich lasse das Frühstück weg, wegen meiner Unverträglichkeiten.“ Gesundheitlich geht es ihm übrigens wesentlich besser durch den Sport. 

Laufen baut Stress ab

Er fühlt sich ausgeglichen und gut gelaunt. Stressabbau durch Laufen. Und so kann auch der Bewegungsmangel durch das ständige Arbeiten im Homeoffice kompensiert werden. Das Laufen nimmt einen großen Stellenwert ein. Und macht glücklich.

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