Corona-Lockerungen in Altenheimen: Nun ist Vertrauen gefragt

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Händedesinfektion ist Pflicht im Pertheshaus in Nachrodt: Doch die Besucher dürfen sich wieder in den Zimmern mit den Bewohnern treffen. Heimleiterin Petra Winkler (Mitte) hofft, dass alle die Regeln einhalten.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde – Die Bewohner sind erleichtert: Sie dürfen im Altenheim endlich wieder Besuch auf den Zimmern empfangen. Damit Neuinfektionen ausbleiben, ist nun aber Vertrauen in Bewohner und Besucher gefragt.

Petra Winkler ist zufrieden: Die Leiterin des Ellen-Scheuner-Hauses in Altena und des Perthes-Hauses in Nachrodt-Wiblingwerde sieht seit Mittwoch täglich, wie gut es den Bewohnern geht, weil sie wieder Besuch auf ihren Zimmern empfangen dürfen. 

„Die Gespräche auf dem Zimmer sind doch viel, viel vertrauter“, sagt Winkler. Sie die Freude über die jüngsten Lockerungen der Besuchsbeschränkungen in Altenheimen absolut nachvollziehen. 

Coronavirus in Nachrodt: Die Regeln im Überblick

Ein Überblick der wichtigsten Neuerungen, die seit 1. Juli gelten: 

-Jeder Bewohner darf nun zweimal am Tag jeweils zwei Besucher gleichzeitig im Haus – und zwar im eigenen Zimmer – empfangen, außerhalb des Hauses auf dem Freigelände sogar vier Besucher. 

-Aufenthalte der Bewohner außerhalb der Einrichtung sind täglich bis zu sechs Stunden lang erlaubt. Anschließend, nach der Rückkehr ins Heim, ist keine Isolierung der Bewohner nötig. 

-Im Zimmer des Bewohners gilt: 1,5 Meter Abstand zwischen den Personen, die sich dort aufhalten. Für den Infektionsschutz tragen Bewohner und Besucher die Verantwortung. Ausnahme: Sind die Hände desinfiziert und die Menschen im Zimmer tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung, gilt die Abstandsregel nicht mehr, auch Berührungen sind erlaubt. 

-Alle Besucher müssen sich vorher anmelden und ihre persönlichen Daten angeben. Sie werden über die Hygienevorschriften belehrt, müssen Fragen zur Gesundheit beantworten, Fieber wird gemessen. 

Außerdem müssen sie Auskunft geben, ob sie sich kürzlich in einem nationalen oder internationalen Risikogebiet aufgehalten haben oder Kontakt zu einem Covid-19-Patienten oder dessen Kontaktpersonen hatten. 

Lockerungen "große Bereicherung"

Dass den beiden Seniorenheimen in Trägerschaft der Perthes-Stiftung mit den neuen Regelungen auch ein Stück Kontrolle genommen wird, damit hat Petra Winkler kein Problem. Sie bezeichnet die Lockerungen als „große Bereicherung“. 

Wichtig sei jetzt vor allem eines: „Ab der Zimmertür müssen wir Vertrauen haben.“ Denn im Zimmer wird die Einhaltung der Regeln nicht durch das Pflegepersonal überwacht. „Aber ich glaube, die Besucher haben ein sehr großes Interesse daran, dass ihre Angehörigen gesund bleiben“, sagt Winkler. 

Das Personal kläre zusätzlich auch immer wieder über die Vorsichtsmaßnahmen auf und beantworte gerne Fragen. Ein großer Mehraufwand sei die Lockerung für die Mitarbeiter übrigens nicht, betont Winkler. 

Neu: Gesundheitsscreening

Es gebe zwar einige Veränderungen in den Betriebsabläufen und der Strukturierung, aber „die haben wir aber ja schon seit Mai eingeübt“. Ein Beispiel: Das Führen einer Besucherliste und das Händedesinfizieren sind seit Beginn der schrittweisen Seniorenheim-Öffnung Pflicht. 

Neuerdings kommt jetzt ein Gesundheitsscreening dazu. Das nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, lässt sich aber problemlos in den Ablauf zwischen Ankommen und Weg zum Zimmer integrieren. Einen Zwischenstopp muss der Besucher auf dem Weg ja ohnehin machen – wegen der Namensliste. 

Petra Winkler wird die Entwicklungen weiter beobachten. „Die Bestimmungen sind jetzt so, wie sie sind. Wir müssen sehen, was kommt.“ Jetzt freut sich die Heimleiterin fürs Erste mit den Bewohnern in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde: „Wenn wir uns einmal in die Lage der Bewohner hineinversetzen, wäre es für uns sicher auch schlimm, so lange die liebsten Menschen nicht sehen zu dürfen. Wir wären von der Lockerung wohl auch begeistert. Daher sehe ich das sehr, sehr positiv.“

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