Die letzte Bastion: Diese Kommune im MK trotzt bislang Coronavirus

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Viel Platz, wenig Virus: Hier kann man sich gut aus dem Weg gehen.

Nachrodt-Wiblingwerde –Es ist die letzte Kommune im MK ohne Coronavirus-Infektion. Noch. Eine Ursachenforschung der besonderen Art.

Es war einmal... ein unbeugsames Dorf als letzte Bastion gegen die Imperialisten: Dort lebten ein kleiner Kämpfer mit Flügelhelm und sein großer Freund, die den römischen Besatzern Widerstand leisteten. 

Heute ist eben diese letzte Bastion die kleinste Gemeinde des Kreises. Nachrodt-Wiblingwerde wehrt sich vehement gegen das Coronavirus – und gilt als letzter „gesunder Fleck“ im Märkischen Kreis ohne Infizierten. Zumindest noch am Freitag. 

Coronavirus vielleicht erfroren?

Schutzausrüstungen liegen in den Kellern. Und jeder, der eine Nähmaschine hat, näht Mund-Nase-Masken. „Vielleicht ist das Virus nachts erfroren“, meint Bürgermeisterin Birgit Tupat mit einem Augenzwinkern. Sie freut sich über die offensichtliche Widerstandsfähigkeit ihrer Bürger. Auch in schwierigen Zeiten dürfe man durchaus mal Scherze machen. Also: Die Nachrodt-Wiblingwerder sind hart im Nehmen. 

Und sie haben Platz. Viel, viel Platz. 6573 Einwohner können sich auf 29,03 Quadratkilometern aus dem Weg gehen. Das tun sie auch, wie Siegfried Kruse vom Heimat- und Verkehrsverein erzählt. Vorgestern hat er zwei Stunden die Wanderwege nachmarkiert, und nur ein einziger Mensch mit Rucksack ist ihm entgegengekommen. 

Felder, Wiesen, Wälder: Das Wort Idylle wurde in der Doppelgemeinde erfunden. „Hier dauert auch ein Schaufensterbummel nicht länger als zehn Sekunden“, sagt Siegfried Kruse und lacht. Da man in Wiblingwerde weder im Stau noch an Ampeln ausharren muss, würde der Abstand an allen Stellen bewahrt. 

Entspannung beim Klopapier

Auch „unten“ in Nachrodt hängt sich niemand auf der Pelle. „Die Leute sind sehr rücksichtsvoll“, findet Jens Philipp Olschewski. „Sehr viele tragen Mundschutz und halten genügend Abstand.“ Und sie kämpfen nicht um Toilettenpapier. 

Neulich stand ein riesiger Stapel des aktuell begehrtesten Einkaufsartikels vor dem Geschäft von Mahmut Selma Sisman – direkt an der B236 – und wurde nicht gestohlen. Welch ein diszipliniertes Völkchen, für das sage und schreibe nur vier Corona-Kontaktpersonen gemeldet sind. 

Coronavirus: Krise ohne Gewichtszunahme

Die meisten gehen spazieren. „Natur gibt es ja genug. Auch ich leihe mir ständig den Labrador meiner Nachbarn aus, damit ich nicht ganz aus der Form komme und nicht nach der Corona-Krise eine Kleidergröße mehr benötige“, sagt Jens-Philipp Olschewski. 

Apropos Kleidergröße – und noch ein Grund, warum das Virus sich an der Gemeinde die Zähne ausbeißt: In der Doppelgemeinde gibt es kaum Menschen, die mit ihren überschüssigen Kilos kämpfen, was auch ein Corona-Risikofaktor ist. Alle sind rank und schlank vom „durch die Gegend laufen“.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im MK gibt es hier.

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