Hochzeit ohne Gäste: Paar lässt sich trotzdem trauen - aus einem besonderen Grund

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Julia und Christian Kißler gaben sich im Amtshaus das Ja-Wort. Gäste durften nicht dabei sein

Nachrodt-Wiblingwerde –

Es gab keinen Sekt, sondern Dr. Pepper Cola. Es gab kein Menü für viele Gäste, sondern Sushi zu Zweit: Julia und Christian Kißler feierten am Donnerstag eine ungewöhnliche Hochzeit in ungewöhnlichen Zeiten. Und sie strahlten vor Glück. „Der 16. April ist unser Kennlerntag. Wir wollten die Hochzeit deshalb auf keinen Fall verschieben“, erzählt Christian Kißler. 

Materielles nicht so wichtig

Corona hin oder her: Die Hochzeit selbst war den jungen Leuten wichtig, nicht das Drum und Dran. Und so wurde das Hochzeitspaar „heimlich, still und leise“ und ohne einen einzigen weiteren Gast von Standesbeamtin Natascha Handschak im Nachrodter Amtshaus getraut: Julia im schwarzen Kleid, Christian in einem schicken Dress, den er spontan im Schrank gefunden hatte. „Wir sind unmaterialistisch und stark antikapitalistisch geprägt“, sagt der 29-Jährige und schmunzelt. 

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Natürlich war ihre Hochzeit anders geplant: „Wir wollten heute mit der Familie feiern, morgen mit Freunden“, sagt Christian Kißler, der bei der letzten Bundestagswahl Kandidat der Linken im Wahlkreis 150 war. „Jetzt feiern wir im Sommer oder einfach nächstes Jahr“, meint seine frischgebackene Ehefrau, für die der Tag trotz allem einfach perfekt war. Kirchlich heiraten wollten die beiden ohnehin nicht. 

Und dass Julia nicht zum Friseur konnte, störte sie wenig bis gar nicht. Kennengelernt haben sich Julia und Christian Kißler beim Studium in Bochum. Beide hatten sich für Erziehungswissenschaften entschieden. 

Christian ist mittlerweile fertig, arbeitet an der TU Dortmund als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der statistischen Forschung, Julia fehlt nur noch die Materarbeit. Sie arbeitet in Schwerte bei der VHS. 

Das Paar wohnt in Altena und hat sich als Trauort das historische Amtshaus in Nachrodt ausgesucht. Gäste durften die beiden am Donnerstag nicht begleiten. „Wir haben allen gesagt, dass keiner kommen soll und darf“, erzählt Christian. 

Coronavirus im MK: Überraschung vor dem Amtshaus

Aber dann gab es trotzdem eine kleine Überraschung: Karin, eine Kollegin von Julia, baute vor dem Amtshaus einen kleinen Tisch auf, auf dem eine Torte, ein Hochzeitsstrauß und gemalte Bilder standen. Und so war es doch keine ganz einsame Hochzeit. Liebe auf den ersten Blick war es übrigens nicht, als sich Julia und Christian Kißler trafen. 

Sie warteten beide in der Uni auf den Einlass zu einem Seminarraum. „Da habe ich ihn einfach angequatscht“, erzählt Julia. Bis zum Zusammensein dauerte es aber noch eine ganze Weile – genau sechs Monate. 

Die Verlobung war vor zwei Jahren, und beide sind hingerissen voneinander. „Er ist geduldig, liebenswürdig und hilfsbereit“, sagt Julia über ihren Mann, während er auch in den höchsten Tönen von ihrer Geduld schwärmt:. „Ich habe viele Ticks und schere mich nicht um Konventionen. Und Julia ist sehr geduldig.“ 

Coronavirus im MK: Angst um Trauringe

Übrigens: Ein Problem gab es aufgrund der Corona-Bestimmungen doch noch: Fast wären nämlich die Trauringe nicht mehr eingetroffen. „Ich bekam einen Anruf, dass wir die Ringe ganz schnell abholen sollen, bevor das Geschäft schließen muss“, erzählt Julia. Und so eilten die beiden gerade noch rechtzeitig zum Juwelier in der Dortmunder Thier-Ga

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