MGV Frohsinn: Chor fürchtet um die Existenz

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Gemeinsamer Auftritt: Der MGV Wiblingwerde und der MGV Frohsinn sangen beim Adventskonzert der Chöre 2019 in der evangelischen Kirche Nachrodt-Obstfeld. Eine Fusion können sie sich aber nicht vorstellen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Corona schaltet die Chöre stumm: Das Vereinsleben ruht. Der MGV Frohsinn fürchtet um seine Existenz. Eine Fusion kommt dennoch nicht in Frage.

„Der ganze Verein ist eine einzige Risikogruppe“, sagt Walter Trimpop und fügt schmunzelnd hinzu: „Was soll’s. Corona wird irgendwann vorbei sein.“ Während der Vorsitzende des MGV Wiblingwerde eher gelassen ist, äußert sich Otto Mattke, Pressesprecher des MGV Frohsinn, sehr besorgt: „Die Chance auf positive Aussichten sinkt immer mehr.“ Es ist eine vertrackte Situation für die Männergesangsvereine in der Gemeinde. 

Wird der MGV Frohsinn überleben? Otto Mattke hofft es, ist sich aber nicht sicher. „Ob wir im nächsten Jahr wieder starten können, ob dann überhaupt noch Sänger kommen können, ist nicht klar.“ 

Fusion? Bringt nichts

Fakt ist: Weder die Wiblingwerder noch die Nachrodter proben aktuell. Und: Weder die Wiblingwerder noch die Nachrodter können sich in der Not eine Fusion vorstellen. „Was bringt das? Dann sind wir noch mehr Leute, die nicht singen können“, sagt Walter Trimpop. 

Ein Blick über den Tellerrand: Nach lautstarker Kritik hat der Berliner Senat den Chorgesang in geschlossenen Räumen wieder erlaubt, auch in Bayern sind Chorproben mit Lüftungsintervallen wieder möglich. 

NRW tut sich schwerer, aber in Nachrodt-Wiblingwerde möchte ohnehin kaum jemand singen, selbst wenn es möglich wäre. In NRW gilt weiterhin beim Singen ein Mindestabstand von mindestens drei Metern zur Seite und vier Meter in Ausstoßrichtung. 

Coronavirus in Nachrodt: "Stumm geschaltet" 

„Noch bleiben die Auflagen für die Proben von Chören aus unserer Sicht nur bedingt umsetzbar, weil bei Einhaltung der Abstandsregelungen noch immer ein hoher Flächenbedarf existiert“, so der Chorverband Nordrhein Westfalen. 

Hier geht es zum Corona-Newsticker im Märkischen Kreis.

Unterdessen hat sich der Vorstand des MGV Frohsinn getroffen. Nach einem halben Jahr des Stillstandes kamen die Männer bei Klaus Kirchhefer auf der Terrasse seines Hauses zusammen. 

Werner Griesel hatte diese außerordentliche Versammlung einberufen. „Natürlich drehte sich alles um den Chor. Ein Chor, der nicht singen darf, der stumm geschaltet wurde von einer weltweiten Epidemie und keine Zukunftspläne machen kann“, sagt Otto Mattke. 

Altersdurchschnitt 80 und kein Nachwuchs

Doch die aktuellen Vorsichtsmaßnahmen zweifelt niemand an. Werner Griesel betonte ausdrücklich, dass das Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Sängern im Vordergrund zu stehen habe. Seit Jahren sorgt sich der MGV Frohsinn um seine Existenz, denn „es gibt einen hohen Altersdurchschnitt von über 80 Jahren, Mitgliederschwund durch Krankheit und Tod und so gut wie keinen Nachwuchs“. 

Und jetzt auch noch Corona. All diese Probleme strapazierten die Struktur des Chores. „Es fällt schwer, optimistisch in die Zukunft zu schauen“, meint Otto Mattke. 

Es sei, so erklärt er, schon fast ein wenig grotesk, dass gerade das Singen in der Gemeinschaft, das physisch und psychisch einen hohen Stellenwert habe, jetzt in dieser Zeit ein gesundheitliches Risiko darstelle. 

"Vorbehalte zwischen Berg und Tal"

Stillstand gibt es im Moment auch bei den Wiblingwerder Sängern, wobei Walter Trimpop aktuell eine Vorstandssitzung plant. Schon immer mal kamen im oberen und unteren Gemeindegebiet Überlegungen auf, die Männergesangsvereine zu vereinen. 

„Aber es gibt zwischen Berg und Tal immer Vorbehalte“, gibt Walter Trimpop zu. Und auch Otto Mattke sagt: „Das ist wie mit den Königskindern, die nicht zusammen kommen können.“ In beiden Chören gebe es Leute, die das nicht wollen. 

Gemeinsame Auftritte hat es aber schon mehrfach gegeben. „Und vielleicht treffen sich nach Corona mal alle heimischen Chöre zu einem gemeinsamen Singen“, hofft Otto Mattke.

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