Kein Verständnis für Menschenansammlungen

Coronavirus-Kontaktsperre: Bußgelder für Jugendliche

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Kontrollgang im Garten der Burg Holtzbrinck: Stefan Wille und Markus Singelnstein vom Ordnungsamt schauen, ob sich die Bürger an die Kontaktsperre halten. Zeitweise begleitete Bürgermeister Andreas Hollstein den Außendienst des Ordnungsamtes.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde – Mehrere gruppen Jugendlicher mussten in Nachrodt verwarnt werden. Sie hielten sich nicht an die Kontaktsperre. Doch die meisten sind vernünftig.

„Was sollen wir machen? Uns fällt die Decke auf den Kopf.“ Die jungen Leute, die sich „zusammenrotten“ und das Kontaktverbot wegen des Coronavirus zum Teufel wünschen, bitten Sebastian Putz und seine Kollegen um Verständnis. 

Aber das kann es aktuell nicht geben. Und so hat das Ordnungsamt Nachrodt-Wiblingwerde in den vergangenen Tagen gleich mehrere Bußgeldverfahren eingeleitet. 

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Drei Mal musste Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz mit seinem Team Gruppen zwischen fünf und zehn Personen auflösen, die sich an der Rastatt, am Ehrenmal und in Wiblingwerde getroffen hatten. 

Coronavirus in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde: Keine Gnade vor Recht

Eine Gruppe versuchte zu flüchten. „Verfolgungsjagden veranstalten wir nicht. Aber wir konnten die jungen Leute ermitteln“, sagt Sebastian Putz. Mehrere junge Erwachsene kamen nicht aus der Doppelgemeinde, nicht einmal aus dem Märkischen Kreis. Augenscheinlich auf der Suche nach einem Treffpunkt waren sie in der Doppelgemeinde gelandet. 

„Die jungen Leute bringen auch Verständnis für unsere Arbeit auf, es gibt keine Aggression“, sagt Sebastian Putz. Gnade vor Recht ist aber vom Gesetzgeber aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich.

 „Man muss dazu stehen, wenn man Mist gebaut hat“, findet der Ordnungsamtsleiter und weiß, dass die Strafe „richtig weh tut“: 200 Euro Minimum muss pro Person verhängt werden. Und sollte beispielsweise jemand auf die Idee kommen, mit Freunden auf öffentlichen Plätzen einen Grill anzuwerfen, wird es noch teurer, denn das ist generell verboten: 250 Euro für jeden- bei zwei Personen. Bei mehr als zwei Personen 450 Euro pro Person. 

Altena und Nachrodt-Wiblingwerde: Bußgelder keine schönen Einnahmen

„Es geht uns nicht um eine Einnahmequelle. Im Gegenteil: Wir sind froh, wenn wir ‘rumfahren und nicht einen einzigen Verstoß feststellen. Das wäre für uns das Schönste“, sagt Sebastian Putz und ist froh, dass sich der Großteil der Bevölkerung an die Vorgaben hält. 

Auch beim Wandern zum Beispiel. „An der Brenscheider Mühle haben wir zwei mal zwei Wanderer angetroffen. Es war klar, dass sie zusammengehörten. Aber sie hatten Abstand voneinander. Und als wir sie angesprochen haben, gab es ein positives Feedback. Das zeigt uns schon, dass es fast alle verstanden haben.“

Blick nach Altena: Dort hat der Bürgermeister den Außendienst des Ordnungsamtes bei einigen Kontrollfahrten begleitet. „Allgemein verhalten sich die Altenaer sehr vernünftig“, lobt Dr. Andreas Hollstein. 

Der Großteil der Bürger habe den Ernst der Lage erkannt, Abstands- und andere Regeln würden eingehalten. Das bestätigt auch die Ordnungsamtsleiterin Ulrike Anweiler. 

Sie musste bisher erst ein Verfahren wegen eines Verstoßes gegen das Kontaktverbot einleiten. Polizisten hatten nachts drei Personen auf einem Schulhof angetroffen, die sich dann sogar noch uneinsichtig gezeigt hätten, berichtet Anweiler. 

Coronavirus in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde: Grillpartys im Garten unterlassen

Die Folge auch in diesem Fall: Die Personalien gingen ans Ordnungsamt, das einen Anhörungsbogen verschickte. Eine deftige Strafe dürfte folgen. „Ein Auge zudrücken? Das ist in der derzeitigen Situation nicht vorgesehen“, sagt die städtische Abteilungsleiterin. 

Im Moment gelten die Einschränkungen nur für den öffentlichen Raum. Gegen eine Grillparty im Garten hätten Polizei und Ordnungsamt deshalb keine Handhabe, berichtet Anweiler und appelliert trotzdem an die Altenaer, auch das sein zu lassen: „Wir sind angehalten, solche Vorfälle zu melden.“ Je mehr Leute sich unvernünftig verhielten, desto größer sei die Gefahr, dass die Regelungen weiter verschärft würden.

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