Lüftung, Ampeln und Co.

Ratsherr fordert: Gemeinde muss Schulen durch Corona-Zeit helfen

Lüftung Klassenzimmer Grundschule Nachrodt-Wiblingwerde
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Das Lüften der Klassenzimmer ist Pflicht.

Es wird frisch - auch in den Klassenzimmern. Denn um Corona zu stoppen, ist regelmäßiges Lüften Pflicht. Ratsherr Christian Pohlmann (SPD) hielt nun eine flammende Rede gegen eisige Klassenzimmer - und forderte zum Handeln auf.

Nachrodt-Wiblingwerde – Sie frieren. Und es wird täglich frostiger. Heute maximal acht Grad. Die Fenster sind immer wieder sperrangelweit geöffnet. Eine dritte Klasse aus der Gemeinde hat sich schon um Decken gekümmert – und aus eigenen Mitteln bezahlt.

Benötigen die Schüler dringend Hilfe, um zumutbare Bedingungen im Unterricht zu schaffen? Lüftungsgeräte? CO2-Ampeln? Mit einer flammenden Rede machte Christian Pohlmann (SPD) während der Sitzung des Rates auf die Situation in den Schulen aufmerksam.

Im Zwiebellook in die Schule: Nicht immer klappt‘s

Die Kommunalpolitiker müssen aus Sicht von Christian Pohlmann dringend helfen. „Man hat das Gefühl, dass das Ministerium die Schulen nicht unterstützt“, so der Sozialdemokrat. Die Eltern seien angehalten, ihre Kinder im Zwiebellook zu kleiden. Das klappe nicht überall. 20 Minuten finde Unterricht statt, dann werde ordentlich durchgelüftet.

„Die Temperaturen gehen in den Klassenräumen weit ‘runter. Und am Donnerstag haben wir Höchsttemperaturen von acht Grad“, machte Christian Pohlmann deutlich, dass dringend gehandelt werden muss – beispielsweise mit der Anschaffung von CO2-Ampeln, die die verbrauchte Atemluft messen.

Lüftungsanlagen für die Schulen

„Pro Klassenzimmer kostet eine 200 Euro“, so Pohlmann, der sogleich auch zwei Förderprogramme nannte – vom Bund in Höhe von 500 Millionen Euro für raumtechnische Anlagen, vom Land über 50 Millionen Euro für den Erwerb von mobilen Lüftungsanlagen. Es gebe Luftreinigungsgeräte, die rund 2000 Euro kosten. „Sie sind mit Hepa-Filtern ausgerüstet“, so Christian Pohlmann. Auf das Lüften könne man dennoch nicht verzichten. „Wir haben 5500 Schulen in NRW, was in Summe vier Geräte pro Schule ausmacht.“

Er möchte auf die Tube drücken. Die SPD bittet die Verwaltung deshalb, in Zusammenarbeit mit den Schulen nach Lösungen zu suchen, „um zumutbare Bedingungen zu schaffen“. Masken tragen und Lüften könnten nicht die alleinige Antwort auf die Corona-Pandemie sein.

Situation in Bussen viel dramatischer

„Wenn wir in der kalten Jahreszeit zusätzlich Desinfektionslüfter hätten, die die Viren absenken, wäre das in Kombination mit unseren Hygienemaßnahmen optimal“, sagt Anne Rohde, Leiterin der Sekundarschule. Es kostet zwar viel Geld, „aber es kostet auch viel Geld, übermäßig zu lüften und zu heizen“, so Anne Rohde.

Dass aktuell „Holland in Not“ ist, mag sie allerdings nicht bestätigen – auch, weil das Wetter sich bisher gut gehalten habe. Die Schüler tragen Zwiebellook, manche haben eigene Decken. Das klappe gut.

Die Hauptsorge ist nicht das eisige Klassenzimmer, sondern die Situation in den Bussen: alle Schüler durchmischt, viel zu eng beieinander. Ein zusätzlicher Bus fährt deshalb jetzt morgens von Nachrodt nach Altena. Die Klassen zu halbieren, wie es die Stadt Solingen einführen wollte, begrüßt Anne Rohde ausdrücklich.

Schulleiterin für kleinere Gruppen

„Schüler, Eltern und Lehrer befürworten den besseren, intensiveren Unterricht auf Abstand mit verringerter Schülerzahl“, sagt Anne Rohde. Ein Wechsel der Schüler im Zwei-Tage-Rhythmus wäre ihrer Meinung nach sinnvoll. Auch Carsta Coenen, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule, wäre davon angetan. „Generell würde es für alle die Situation entlasten, wenn in kleineren Gruppen gearbeitet würde.“

Unwahrscheinlich, dass die Wünsche erfüllt werden, denn NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer erteilt dieser Idee bereits eine strikte Absage: Der Bildungsauftrag könne auf diese Weise nicht vollumfänglich erfüllt werden.

Eltern kaufen warme Decken

In der Grundschule ist das Stoßlüften aktuell gut umsetzbar. Einige Klassen haben gar einen Lüftungsdienst eingerichtet, anderen arbeiten mit Weckern. „Frische Luft tut gut, aber die Gesundheit der Kinder muss gewährleistet sein“, sagt Carsta Coenen. Ob Lüftungsanlagen oder CO2-Ampeln helfen würden, kann Carsta Coenen nicht sagen, „bei den technischen Möglichkeiten bin ich nicht der entsprechende Ansprechpartner, es liegt nicht in meinem Ermessen, das zu beurteilen“.

Sie sagt aber auch: „Wenn die Schüler mit nasser Kleidung kommen, wenn es regnet oder schneit, dann muss man überlegen, welche Möglichkeiten Sinn machen.“  Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog.

Gemeinde hat Förderung für Schulen im Blick

Die Elternschaft einer dritten Grundschulklasse hat spontan entschieden, schon mal warme Decken anzuschaffen. Zum Vorstoß von Christian Pohlmann meint Carsta Coenen: „Ich bin für alles zu haben, was der Schule guttut. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde hat bisher immer gut geklappt. Man muss schauen, was realisierbar ist. Wir nehmen die Unterstützung gerne an.“

Bürgermeisterin Birgit Tupat erklärte zum Anliegen von Christian Pohlmann im Rat: „Natürlich ist auch die Verwaltung am Thema dran, gerade was CO2-Ampeln und Lüftungsanlagen betrifft. Wir sind im ständigen Kontakt mit den Schulleitern und wir haben auch die Förderprogramme geprüft.“ Man sei also auf jeden Fall am Ball.

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