„Unverschämt und unverfroren“: Unternehmer sauer über Testpflicht-Debatte 

Die Walzwerke-Mitarbeiter können sich regelmäßig testen lassen, das nächste Mal am 8. April.
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Die Walzwerke-Mitarbeiter können sich regelmäßig testen lassen, das nächste Mal am 8. April.

„Es ist unverschämt und unverfroren, was man aus Berlin zu hören bekommt.“ Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke Einsal, ist auf der Palme. Wütend geradezu. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel Firmen notfalls eine Testpflicht aufbürden möchte, um die dritte Corona-Welle zu bremsen, findet er komplett daneben.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Walzwerke testen ihre Mitarbeiter. Es gibt sowohl Schnelltests als auch Selbsttests. „Unternehmen managen die Krise in Eigenverantwortung, obwohl aus Berlin kaum Unterstützung kommt“, so der Walzwerke-Chef. Der Vorstoß sei ein Beispiel für das eigene Unvermögen. Gerade Unternehmen würden sich der gemeinsamen Verantwortung nicht entziehen.

Mit dieser Einschätzung steht Dr. Bodo Reinke nicht allein da. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, verweist auf eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, wonach knapp 50 Prozent der Unternehmen bereits testen oder damit beginnen. Bei der anderen Hälfte der Unternehmen seien viele Mitarbeiter komplett im Homeoffice oder die Firmen geschlossen. Eine Testpflicht sei eine Misstrauenserklärung der Politik an die Unternehmen.

Tests selbstverständlich

Bei den Walzwerken steht der nächste Test für alle Mitarbeiter an – und zwar am Donnerstag, 8. April, ab 13 Uhr. Dann geht die Frühschicht nach Hause und die Spätschicht kommt. „Über Ostern gab es wahrscheinlich mehr private Kontakte. Da macht es Sinn, direkt zu testen“, so der Walzwerke-Geschäftsführer. Bei der letzten Testung waren alle negativ, „erfreulicherweise“, sagt Bodo Reinke.

Dass sein Unternehmen aber keine coronafreie Insel der Glücksseeligen ist, versteht sich von selbst. Besonders in den vergangenen Wochen gab es immer mal wieder Corona-Fälle oder Mitarbeiter, die als Kontaktpersonen galten und deshalb in Quarantäne mussten. „Natürlich gab es in der Produktion dann Engpässe, denn jeder Mitarbeiter, der fehlt, hinterlässt eine Lücke“, so Bodo Reinke. So dramatisch, dass man die Produktion nicht aufrecht halten konnte, war es aber nicht.

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