Interview mit Walzwerke-Chef Dr. Bodo Reinke/Auswirkungen der Pandemie

„Ich bin an Schnelltests interessiert“

Bei den Walzwerken Einsal ist in vielen Bereichen Fach-Know-how gefragt.
+
Bei den Walzwerken Einsal ist in vielen Bereichen Fach-Know-how gefragt.

Nachrodt-Wiblingwerde – Nur eine Handvoll Corona-Fälle, aber doch recht viele Mitarbeiter immer mal wieder in vorsorglicher Quarantäne: Die Auswirkungen der Pandemie auf die Walzwerke Einsal sind durchaus erheblich, aber nicht dramatisch, wie Geschäftsführer Dr. Bodo Reinke im Interview erzählt. Flexibilität ist in den Unternehmen gefragt. Die Arbeit der Gesundheitsämter bezeichnet der Walzwerke-Chef allerdings als „wechselhaft“.

Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke, im Interview
Es ist November, es ist der zweite Lockdown, wenn jetzt auch in Light-Form. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen der Pandemie für Ihr Unternehmen?
Wir haben viele Kleinigkeiten, die uns im täglichen Geschäft behindern. Das sind nach wie vor schleppende Nachfragen seitens der Kunden, die vielleicht nicht so arbeiten, wie sie es sich wünschen würden. Dazu kommt, dass wir auch Mitarbeiter-Ausfälle haben. In der Regel sind das Vorsichtsmaßnahmen, wenn Mitarbeiter zu Hause in Quarantäne bleiben, also meistens handelt es sich um prophylaktische Quarantäne, um niemanden anzustecken. Das erfordert sehr viel Flexibilität, um das auffangen zu können.
Wie viele Corona-Fälle gibt es seit Beginn der Pandemie bei den Walzwerken?
Nur eine Handvoll. Wir haben sehr viel mehr Fälle, bei denen die Leute Kontaktpersonen waren oder nicht genau wussten, ob sie sich angesteckt haben, und deshalb zu Hause geblieben sind.
Sie hatten ja schon im April Kurzarbeit, Homeoffice angeboten und Arbeitsplätze entzerrt. Haben sich die Maßnahmen bewährt und Sie diese das ganze Jahr durchgezogen?
Wir haben im Sommer etwas gelockert, nachdem sich das Infektionsgeschehen beruhigt hatte. Im Herbst haben wir die Maßnahmen wieder verschärft und teilweise auch noch weitere eingeführt.
Zum Beispiel?
Wir haben zum Beispiel Acrylglaswände aufgebaut, teilweise auch Belüftungsanlagen eingesetzt. Ansonsten gilt: Abstand, Abstand. Abstand. Das hat sich bewährt. Mir ist kein Fall bekannt, bei dem sich jemand intern angesteckt hat. Die überwiegende Anzahl der Mitarbeiter arbeitet toll mit und verhält sich verantwortungsvoll. Obwohl das einige Umstände macht und das Masketragen für keinen angenehm ist, konnten wir den Betrieb aufrechterhalten.
Werden die Maßnahmen kontrolliert?
Wir kontrollieren durchaus und haben in der Führungsebene ein besonderes Augenmerk darauf. Wir ermahnen auch, wenn die Maßnahmen mal vergessen werden. Wir haben auch ein paar Schwachstellen identifiziert, zum Beispiel an bestimmten Stellen, wo mehrere Mitarbeiter zusammenkommen – in Pausenräumen muss man Abstand halten, in die Küche darf man nur einzeln. Wir haben auch einige Mitarbeiter im Homeoffice, insbesondere auch die jungen Mütter, die immer mal wieder ungeplant auf die Kinder aufpassen müssen. Da konnten wir in der Regel Heimarbeit anbieten. So gibt es eine Reihe von individuellen Maßnahmen, um da durch zu kommen. Ich bin sehr zufrieden damit, wie wir das gehändelt haben. Wir treffen angemessene Maßnahmen ohne panisch zu werden. Aber natürlich gehen die Ansichten zum Thema in unserem Betrieb wie überall in der Bevölkerung sehr weit auseinander.
Wenn es einen Corona-Fall im Unternehmen gibt, gibt es dann Unterstützung von den Gesundheitsämtern, dem ärztliche Dienst, oder übernehmen Sie die Recherche der unternehmensinternen Infektionsketten?
Die Leistung der Gesundheitsämter ist sehr wechselhaft (lacht). Wir verlassen uns nicht darauf. Mal haben wir schnelle Testergebnisse, mal ordnet das Gesundheitsamt unverständlicherweise an, dass jemand trotz Kontakt und Symptomen nicht getestet wird. Das ist für uns nicht immer nachvollziehbar. Im Zweifelsfall versuchen wir eigene Maßnahmen zu treffen und lassen dann einen Mitarbeiter zu Hause.
Haben Sie eine Zusammenarbeit mit einem Labor, in dem Sie Ihre Mitarbeiter testen lassen?
Nein, leider nicht. Unser Werksarztzentrum hat das leider nicht geschafft zu organisieren.
Das wäre aber sinnvoll?
Absolut. Das wäre wirklich hilfreich. Es wäre schön, wenn nicht auch das in Deutschland überreguliert würde. Ich wäre sehr daran interessiert, auch Schnelltests von jemandem durchführen zu lassen, der eine Schulung gemacht hat. Aber wir sind in Deutschland und da ist es leider durch zu viel Regulierung unmöglich, sodass wir uns an die überlasteten Stellen wenden müssen.
Haben Infektionsketten schon dazu geführt, dass ganze Bereiche oder Schichten nach Hause geschickt wurden?
Nein. Infektionsketten hatten wir in unserem Betrieb noch gar nicht. In einzelnen Bereichen hat es aber aufgrund von Vorsichtsmaßnaheinige Engpässen gegeben.
Sie fahren noch Kurzarbeit? Und werden bei Engpässen dann Leiharbeiter eingesetzt?
Ja wir haben noch Kurzarbeit. Leiharbeiter haben wir nicht. Die Auftragslage ist nicht so toll, sodass wir das alles mit den vorhandenen Mitarbeitern abwickeln können – mit Mitarbeitern aus anderen Bereichen beispielsweise.
Das geht? Mitarbeiter können doch wahrscheinlich nicht an jedem Platz arbeiten?
Automatisch nicht. Aber es gibt Arbeitsplätze, an denen ein Vorarbeiter und ein Helfer arbeiten können. Aber Sie haben recht: An den Kernarbeitsplätzen, wo sehr viel Fach-Know-how benötigt wird, da kann man nicht viel austauschen.
Wie sind die Verhaltensregeln für alle externen Besucher, Monteure, Spediteure und andere Dienstleister? Wird Fieber gemessen bei allen?
Nein, aber es gilt Maskenpflicht, und sie haben keinen Kontakt zu unseren Mitarbeitern. Das Fiebermessen alleine wäre auch kein Ausschlusskriterium. Wir versuchen, auf Distanz zu gehen.
Jetzt zieht der Markt wieder an?
Es gibt Dinge, die Mut machen, und es ist auch schon wieder besser geworden, aber das Niveau von 2019 haben wir noch lange nicht erreicht.
Die tatsächlichen Ergebnisse werden der Umsatzplanung für dieses Jahr nicht gerecht, oder?
Wir haben tatsächlich unsere Planungen nicht erfüllen können.
Alle großen Unternehmen wollen mit aller Macht den Shutdown verhindern. Gibt es Forderungen von Ihren Kunden, gewisse Informationen zu Corona zu liefern? Verspüren Sie Druck?
Wenig. Was wir aus eigenem Interesse machen und die Kunden interessiert, ist, dass wir uns gegen Ausfälle sichern. Das bedeutet in der Regel, dass man eine Back-up-Lösung hat. Da sind wir gut aufgestellt, weil wir in vielen Bereichen im Schichtdienst arbeiten. Wenn tatsächlich mal zwei Mitarbeiter der Frühschicht ausfallen, können die Spätschicht und manchmal auch die Nachschicht weiterarbeiten, sodass wir auch nicht ganz auf Null fahren müssen. Manche Abteilungen arbeiten, um die Ausfallsicherheit zu garantieren, auch im Wochenwechsel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare