Corona: Landwirt aus dem MK hatte Angst um sein Leben    

Dieter Simon lag aufgrund einer Corona-Infektion im Krankenhaus.
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Dieter Simon lag aufgrund einer Corona-Infektion im Krankenhaus.

Dieter Simon fühlt sich noch etwas schlapp. Elf Tage lag der Wiblingwerder im Krankenhaus. Bekam Sauerstoff. Hatte Angst um sein Leben.

Nachrodt-Wiblingwerde – Elf lange Tage, in denen er über vieles nachdachte, vor allem über eine Frage: Wie kommt ein Landwirt, der nur zwischen seinen Tieren ‘rumläuft und Holz macht, an Corona? Wo hat er sich angesteckt? „Ich bin ganz selten unter Leuten“, erzählt Dieter Simon, der sich den Kopf zermarterte und jede Begegnung Revue passieren ließ.

Im Krankenhaus, in das niemand kommen durfte, um ihm zur Seite zu stehen, um ihm die Hand zu halten und Mut zuzusprechen, werden die Tage unendlich. Dieter Simon war bei seiner Hausärztin, weil er Herzstiche hatte. „Sie hat mich gründlich untersucht und schrieb dann eine Überweisung für das St.-Johannes-Hospital in Hagen.“

Herzschmerzen: CT zeigt Lungenschäden

Das war montags. Es sah aber danach aus, als sei es nichts Akutes, sofortiges Handeln nicht nötig und an Corona überhaupt nicht zu denken. Dieter Simon fuhr über Nachrodt nach Hause, um noch bei der Apotheke ein Rezept einzulösen und einzukaufen.

Dieter Simon fuhr einen Tag später in die Klinik. Packte die Tasche für zwei Tage. „Meine Frau hat mich hingebracht“, erzählt er. Am Eingang: Fieber messen. Der Corona-Schnelltest war positiv. „Dann wurde der große Test gemacht und ich habe zweieinhalb Stunden auf der Pritsche gelegen und auf das Ergebnis gewartet. Mein Jedermann-Bruder Dr. Marc Niemtschke kam und meinte: ,Du bleibst hier, du hast Corona.’“

Zehn Familienmitglieder in Quarantäne

Zu dieser Zeit hatte Dieter Simon eigentlich „nur“ Herzschmerzen. Im CT wurde dann eine Schädigung der Lunge festgestellt. Die Schmerzen in der Brust hatten nichts mit dem Herzen zu tun. „Und dann bin ich gleich nach oben auf die Isolierstation gekommen“, erzählt Dieter Simon. Dort lag er auf dem Zimmer mit einem weiteren Patienten.

„Wenn man zu Hause die neuesten Corona-Zahlen und Todeszahlen auf dem Sofa hört, dann nimmt man das zur Kenntnis. Wenn man im Krankenhaus liegt, sieht man das mit ganz anderen Augen. Und mit Angst.“ Seine komplette Familie ging direkt in Quarantäne. Zehn Leute. Angesteckt hatte Dieter Simon seinen jüngsten Enkel, der sehr glimpflich davon kam und keine Symptome hatte.

Corona: Zustand verschlechtert sich

Jeden Tag ging es Dieter Simon schlechter. „Vier Tage habe ich nur gegrübelt, wie ich wieder heile nach Hause komme.“ Er lag am Tropf und bekam Sauerstoff über die Nase, musste aber nicht beatmet werden. Davor hatte er am meisten Angst.

Von der Situation auf der Isolierstation bis nach unten auf die Intensivstation war es nur hauchdünn. Das weiß er heute. Dieter Simon hat sich im Johannes-Krankenhaus super aufgehoben gefühlt.

„Ob es die Pfleger, die Schwestern oder die Ärzte sind: Alle sind bemüht, dass es einem gut geht. Was die Leute leisten, da sollten sich andere in die Ecke stellen und schämen. Die Ärztin kam jeden Tag an mein Bett und dann haben wir bis zu einer halben Stunde gequatscht, über Krankheit und auch über Gott und die Welt.“

Nichtraucher: Das rettet Dieter Simon

Fernseh gucken: So vertreibt man sich die Zeit. An schlafen ist nicht zu denken. Dieter Simon dachte auch immer wieder an den ehemaligen Gemeindedirektor Dieter Klaus, der eine Corona-Infektion nicht überlebt hat. „Das ging so schnell.“ Würde er es auch nicht schaffen? Dass seine Frau ihn nicht besuchen durfte, empfand Dieter Simon als schrecklich. „Keiner kommt und hält dir die Hand oder streichelt dir mal über den Kopf.“

Seine Frau, selbst in Quarantäne, durfte ihm auch keine Sachen bringen. „Ich hatte Heißhunger auf Apfelsinen, aber es gab keine weit und breit. Mein Freund Gerd Panne hat mir frische Sachen und Apfelsinen gebracht und unten abgegeben“, ist Dieter Simon sehr dankbar. Irgendwann ging es ihm etwas besser. „Da kam die Ärztin und fragte ganz überrascht: ,Haben Sie nie geraucht? Und wissen Sie, dass das Ihr Glück ist?’ Meine Lunge ist mit den Viren fertig geworden“, ist Dieter Simon erleichtert.

Glas Wein nicht mehr geschmeckt

Nach elf Tagen war der Spuk vorbei. Er fuhr mit dem Taxi nach Hause. Geruchs- und Geschmacksinn lassen heute noch zu wünschen übrig. „Das Glas Wein habe ich gar nicht geschmeckt.“ Er fühlt sich so, als wäre er knapp von der Schüppe gesprungen. Sechs Monate, so hat man ihm gesagt, kann er niemanden anstecken und nicht erneut an Corona erkranken.

Er will sich auf jeden Fall impfen lassen. Und nach seinen persönlichen Erfahrungen kann er nur appellieren: „Leute seid vernünftig, setzt die Masken an, steckt euch Desinfektionsmittel in die Tasche und desinfiziert den Griff des Einkaufswagens. Und Hände waschen, Hände waschen.“ Freunde in der Not: Die hat Dieter Simon. Und dafür ist er sehr dankbar. Über die Anrufe, die Anteilnahme.

Aber er hat auch über die anderen nachgedacht, über die größten zwischenmenschlichen Enttäuschungen, die er erleben musste. „Ich hatte 14 Tage Zeit zum Überlegen. Ich bin von zwei vermeintlichen Freunden so extrem enttäuscht worden. Es hat so weh getan.“ Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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