Corona-Dauerthema

Immer wieder Klopapier: Neue Gier auf das Papier

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Milch und Mehl sind zwar ebenfalls heiß begehrt, aber im Netto noch gut zu haben, wie Annette Brennecke (rechts) und ihre Stellvertreterin Martina Grdic zeigen.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Kauft Blumen für das Seelenheil, nicht Klopapier fürs Hinterteil“, postet Danny Gelaudie, Chef des Gartencenters „Mein Garten“ in Nachrodt, und zaubert damit vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht, die ihn sodann mit vielen Likes belohnen. Die Frage ist: Warum ist in der realen Welt das Toilettenpapier dann wieder der Renner? Und es gibt noch andere heiß begehrte Waren.

 Milch und Mehl ebenfalls. Ein nicht zu erklärendes Phänomen. Schon vor etwa zwei Wochen startete die neuerliche Gier auf das Papier – und heute, zwei Tage vor dem neuen Teil-Lockdown, beginnen die Menschen mit Einkäufen, als gäbe es kein Morgen. Lange Schlangen vor den Kassen im Netto. Volle Einkaufswagen. Ab Montag gelten wieder strengere Regeln.

 Es darf in den Geschäften nicht mehr als ein Kunde pro zehn Quadratmeter eingelassen werden. Das bedeutet: Abgezählte Einkaufswagen werden auch vor den Türen des Nettomarktes und bei Edeka stehen. Die Einkaufskörbe räumt Monika Winkler im Edeka schon mal weg. Annette Brennecke, Filialleiterin im Netto, ist sich sicher, dass die jetzt bereits aufgestellten Schilder „Pro Kunde ein Einkaufswagen“ wieder ignoriert werden. Bei 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche dürfen ab Montag wieder nur 100 Kunden zeitgleich in den Laden.

Fleisch ist beim Edeka gefragt, besonders Gehacktes zum Einfrieren. Die Abstandsregelungen  zur Theke kommen nicht gut an.

 „Es wird auch wieder kontrolliert“, sagt Annette Brennecke, die aber kein Personal dafür eigens abstellen kann. „Es ist aber immer jemand da, der das mitbekommt, besonders die Kollegen an der Kasse“, so Annette Brennecke. Jeder nur eine Packung Apropos Kasse: Die Netto-Mitarbeiter dort bekommen den ganzen Frust der Kunden zu spüren. Die Stimmung schlage wieder um. „Wenn kein Toilettenpapier mehr da ist, gibt es heftige Diskussionen.“ Es gilt: eine Packung pro Haushalt. „Aber die Kunden sind oft frech zu uns und verstehen das nicht.“ 360 Pakete sind auf einer Palette, die gerade gekommen ist. Und es gibt kaum einen Kunde, der nicht sofort zugreift.

"Die Ware kommt ja wieder"

 Übrigens: Wenn jemand für die Oma, Mama oder hilfebedürftige Personen zusätzlich einkaufe, muss er eine Bescheinigung, am besten eine Ehrenamtskarte vorlegen. „Es ist kein Problem, dass wir unter schwierigen Bedingungen arbeiten müssen. Aber man sollte uns doch freundlich behandeln“, schickt Annette Brennecke einen Appell an die Kunden und bittet um ein bisschen mehr Verständnis. „Die Ware kommt ja wieder.“ 

Fünf Kilo Gehacktes

Im Edeka nebenan hält sich der Kummer im Moment noch in Grenzen, aber auch dort ist das „Toilettenpapier -Theater“ in aller Munde. Und: Viele Kunden sind vom Abstand zur Fleischtheke nicht begeistert. „Damit hatten wir von Anfang an Probleme“, sagt Abteilungsleiterin Heike Hegerlik. Größter Kritikpunkt: Man sehe die Ware nicht. „Die Kunden können gerne nach vorne treten, schauen und wieder zurücktreten“, sagt Heike Hegerlik. Das Kaufverhalten hat sich auch bei den Fleischwaren stark verändert. „Jetzt heißt es: Geben Sie mir mal gleich fünf Kilo Gehacktes.“ Gulasch, Geflügel, Suppenfleisch: Alles, was man Einfrieren kann, ist sehr gefragt.

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