Wegen des Lockdowns

Corona: Ferienheim geht das Geld aus 

Leere Betten im Ferienheim auf dem Ahorn in Wiblingwerde
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Leere Betten seit Monaten im Ferienheim auf dem Ahorn in Wiblingwerde

So langsam wird es finanziell eng für das Ferienheim auf dem Ahorn. Seit Monaten bleiben die Betten leer im Haus speziell für Gruppen. Der Betreiber fühlt sich von der Politik vergessen.

Nachrodt-Wiblingwerde – „So schaffen wir das definitiv nicht mehr lange. Vielleicht noch bis Mai“, sagt Harald Bürzel, Leiter des Ferienheims auf dem Ahorn. Seit Monaten steht das Haus leer, finanziert sich nur noch über Spenden.

Dort, wo sonst Kinder fröhlich übers Gelände toben, Papas beim Vater-Kind-Wochenende spannende Abenteuer mit dem Nachwuchs erleben, Familien ihre gemeinsame Freizeit genießen und unzählige Kinder unvergessliche Momente einer Klassenfahrt erleben, herrscht gespenstische Ruhe. Das große Haus, der Zeltplatz und die Spielplätze stehen leer.

Kein Geld für Renovierungen

Alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Nur Familie Bürzel hält die Stellung. „Wir versuchen, das Haus instand zu halten. So gut es halt geht“, erklärt Harald Bürzel. Manche Hotels nutzen die Lockdown-Phase für umfangreichere Renovierungsmaßnahmen. Davon kann am Ahorn nur geträumt werden. „Wovon denn? Wir haben dafür einfach kein Geld. Und so wie es bisher aussieht, werden bis zum Sommer keine Gruppenreisen möglich sein“, sagt der Chef.

Derzeit profitiere man noch von der Spendenbereitschaft. Die gehe jedoch auch immer weiter zurück. „Wir sind heilfroh, dass die Menschen uns so gut mit ihren Spenden helfen. Corona-Hilfen bekommen wir nicht. Wir haben ja Erlöse aus den Spenden gehabt. Wir sind echt auf uns allein gestellt“, erklärt Harald Bürzel.

Finanzielle Hilfen: „An reine Gruppenhäuser denkt niemand“

Kredite seien keine Lösung. Denn die Familie wisse nicht, wie diese irgendwann einmal zurückgezahlt werden könnten. Die Betreiberfamilie fühlt sich von der Politik vergessen. „Hotels und Gaststätten haben alle auf dem Schirm. Auch die Jugendherbergen haben eine vergleichsweise starke Lobby. Aber an reine Gruppenhäuser denkt überhaupt niemand – und unser Geschäftsmodell wird noch lange auf Eis liegen“, ärgert sich Bürzel.

Harald Bürzel, Betreiber des Ferienheims auf dem Ahorn in Wiblingwerde

Unter der Woche ist das Haus in der Regel mit Schülern voll. Viele Schulen – insbesondere aus dem Ruhrgebiet – nutzen das Angebot seit Jahren. „Es rufen auch immer wieder Lehrer an und fragen, ob wir einschätzen können, wann es weitergeht, sie würden gerne kommen. Aber woher sollen wir das wissen?“, fragt Harald Bürzel.

Eigentlich startet jetzt Hochsaison

Am Wochenende lebt das Haus von Familienfreizeiten, Gemeindereisen oder Vater-Kind-Wochenenden. „Das liegt alles auf ungewisse Zeit auf Eis. Die Veranstalter trauen sich nicht, das kann ich auch verstehen und die, die sich trauen, kriegen ihre Angebote nicht voll, weil die Unsicherheit bei den Kunden groß ist“, erklärt der Bürzel. „Wir haben bis in den Herbst noch die Buchungen vom letzten Jahr drin. Wir wären wirklich voll. Wenn es nur erlaubt wäre, zu reisen.“

Dass es ein gutes Hygienekonzept gibt, bewies das Haus im Sommer. Damals durften Bezugsgruppen bis 20 Personen reisen. „Die Räume sind groß genug. Die Gruppen hatten eigene Flure und Bereiche. Das war überhaupt kein Problem.“

Derzeit plane er nur noch von Woche zu Woche, sagt Harald Bürzel. Die Motivation zu erhalten, falle zwar schwer. Dennoch: Aufgeben will am Ahorn niemand, denn die Hoffnung, dass es irgendwann weiter geht, die bleibt. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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