Spezialisten auf vier Pfoten spüren verletztes Wild auf

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Christof Schäfer mit Zora, einem Bayerischen Gebirgsschweißhund. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Zora und Bruno bilden ein tierisches Sondereinsatzkommando und sind als reine Spezialisten gefragt. Gleichwohl haben sie aber immer noch Zeit genug, ihr Hundedasein zu genießen.

Das hat gleich zwei Gründe. Denn erstens handelt es sich bei ihrem Halter um den Forstbetriebsbeamten Christof Schäfer, der nicht nur etwas von Forsten, sondern auch von der Jagd versteht. Und zweitens halten sich ihre Einsätze durchaus in überschaubaren Grenzen. Denn bei den beiden Spezialisten handelt es sich um voll ausgebildete Schweißhunde, solche Hunde also, die zur so genannten Nachsuche eingesetzt werden. Dies kann dann der Fall sein, wenn Wild in einen Unfall verwickelt ist und nicht sofort verendet. Allerdings können auch Fehlschüsse von Jägern ein Grund sein, dass Zora und Bruno verletztes Wild aufspüren müssen.

62 Mal waren die Spürnasen im vergangenen Jahr im Einsatz. Zora, ein Bayerischer Gebirgsschweißhund, und der Terrier Bruno haben mehrere Prüfungen ablegen müssen, um eine solch schwierige Aufgabe zu bewältigen. „Die Ausbildung beginnt in der Regel im Alter von 16 bis 18 Monaten“, erklärt Christof Schäfer. Im Alter von zwei Jahren werden rund 1000 Meter lange Übungsstrecken ausgelegt, die die Tiere im Beisein des Hundeführers bewältigen müssen. Erst mit rund vier Jahren hat ein Tier Erfahrung genug, um für sich und den Hundeführer gefahrlos eine Spur aufzunehmen. In ganz Nordrhein-Westfalen existieren rund 25 Stationen, in denen Hunde gehalten werden, die die Nachsuche beherrschen.

Somit zählt Schäfer zu den wenigen Hundebesitzern, deren Tiere das Aufspüren verletzten Wildes beherrschen. Sie werden auf dessen Fährte angesetzt und sind dann in der Lage, diese Spur über hunderte von Metern zu verfolgen, ohne sich von anderen Geruchseindrücken ablenken zu lassen. Schäfer stellt vor Ort zunächst fest, welche Art und Schwere einer Verletzung das Wild davongetragen hat. Dazu dienen ihm vorgefundene Blutspuren, vorhandene Haarteile eventuelle Knochensplitter oder auch Eindrücke im Boden. Sobald der Hund das verletzte Wild aufspürt hat, „verbellt“ er es, zeigt dem Hundeführer damit an, wo genau sich das Tier befindet. Dieser ist dann in der Lage, den Fangschuss anzubringen um das verletzte Wild zu erlösen.

„Das ist definitiv Tierschutz“, erklärt Schäfer. Denn das verletzte Wild könne sich nicht selbst helfen und leide je nach Schwere der Verletzung unter erheblichen Schmerzen. Auch wenn der Jäger nicht für Abhilfe sorgen könne, sei der Fangschuss, so Schäfer weiter, die einzige Möglichkeit, das Tier von seinen Qualen zu erlösen.

Dass eine Jagd nicht unbedingt so ausgehen, wie sich das ein Waidmann vorstellt, habe ein ihm bekannter Heedfelder Jäger erlebt. Und wäre Schäfer nicht selbst dabei gewesen, hätte er es eher für Jägerlatein gehalten. Denn der Schütze war auf der Jagd nach Muffelwild. Er fand eine ganze Herde und visierte eines der Tiere an. Was er beim Blick durch das Zielfernrohr nicht sah, war ein kleiner, völlig unscheinbarer Weidenzweig. Die Kugel prallte genau mittig auf diesen kleinen Zweig und wurde hierdurch aus der Flugbahn geschleudert. Das Projektil wurde in einen auf dem Boden liegenden Baumstamm umgeleitet. Das anvisierte Muffelwild kam mit dem Schrecken davon, der Jäger nur mit Staunen. „Dass so etwas in der Praxis vorkommt, ist eigentlich reine Theorie“, schmunzelt Schäfer. Aber nun sei man eines besseren belehrt worden. Das Beispiel zeigt aber: Ein Projektil könne außerhalb des Laufes durch das Einwirken physikalischer Gesetze, aber auch durch Windaufkommen sehr geringfügig aus der Bahn geraten und damit gelegentlich auch Verletzungen beim Wild hervorrufen. Aber das sogar ein Weidenzweig einen Schuss umleiten können, habe er in seiner langjährigen Tätigkeit noch nie gehört, geschweige denn gesehen. Aber nicht nur das Muffelwild habe den Schuss schadlos überstanden. „Die Weiden auch“, schmunzelt Schäfer, „die blüht heute noch.“ ▪ Hartwig Bröer

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