Bufdi im Rollstuhl begegnet Senioren auf einer Ebene

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Christina Biroth (l.) sitzt selbst im Rollstuhl, engagiert sich aber im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes im Seniorenheim Nachrodter Hof. Hier spielt sie mit Bewohnerin Hannelore Heinze „Mensch ärgere dich nicht“.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Ich möchte behandelt werden, wie jeder andere auch“, sagt Christina Biroth. Für die 24-jährige Altenaerin, die seit einem Monat im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes im Seniorenheim Nachrodter Hof arbeitet, ist das keinesfalls selbstverständlich. Denn Christina Biroth ist selbst behindert.

Die 24-Jährige leidet seit ihrer Geburt an einer Spina bifida genannten Fehlbildung des Rückens, die zur Folge hatte, dass sie seit ihrem neunten Lebensjahr nicht mehr ungestützt gehen konnte und mittlerweile querschnittsgelähmt ist. Obwohl die junge Frau auf den Rollstuhl angewiesen ist, hat sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert und einer ganz normalen Arbeit nachgehen können. Vor zwei Jahren wurde die Altenaerin allerdings arbeitslos, alle Versuche, eine neue Stelle zu finden, schlugen seitdem fehl. „Viele haben Hemmungen wegen meiner Behinderung. Sie wissen oft gar nicht, welche Unterstützung man erhält, wenn man Menschen mit Behinderung einstellt“, hat Christina Biroth festgestellt.

Die energisch wirkende junge Frau hat den Kopf jedoch nicht in den Sand gesteckt. Auch nicht, als in diesem Sommer ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld auslief und sie völlig ohne eigenes Einkommen dastand. Zwar lebt sie noch bei ihren Eltern, die sie unterstützen, aber Christina Biroth will trotz ihres Handicaps möglichst selbstständig bleiben.

Als sie dann die Zeitungsanzeige des Nachrodter Hofs sah, der einen so genannten Bufdi suchte, sah die 24-Jährige eine Chance für sich, wieder einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. „Ich habe gerne mit Menschen zu tun“, begründet sie ihren Schritt, sich auch auf diese für sie berufsfremde Stelle zu bewerben – obwohl eine Bufdi-Stelle alles andere als gut bezahlt wird. Gerade einmal 400 Euro erhält Christina Biroth pro Monat, doch das ist für sie kein Problem: „400 Euro sind mehr als nichts“, sagt sie schulterzuckend.

Ihre Behinderung und die dadurch notwendigen geringfügigen Veränderungen waren für den Nachrodter Hof kein Hinderungsgrund, die 24-Jährige für ein Jahr einzustellen. So ist Christina Biroth nun täglich acht Stunden mit den Senioren und Pflegebedürftigen zusammen. Sie liest ihnen vor oder spielt mit ihnen Gesellschaftsspiele. Sie deckt sogar die Tische im Speiseraum und räumt sie nach dem Essen wieder ab – alles im Rollstuhl sitzend.

Elvira Stroh, stellvertretende Leiterin des Sozialdienstes, sieht in dem Handicap des Bufdis kein Problem. „Wir haben die Aufgaben an ihre Möglichkeiten angepasst“, sagt sie. Und auch bei den Bewohnern ist Christina Biroth längst akzeptiert, sie stellen nur noch selten Fragen zu ihrer Behinderung. „Sie begegnet ja auch vielen unserer Bewohner auf einer Ebene“, erklärt Elvira Stroh, dass ein Leben im Rollstuhl für viele pflegebedürftige Senioren auch längst Alltag ist. So ist Christina Biroth in diesem Umfeld auch kein Sonderfall mehr. Sie wird behandelt wie viele andere auch – so wie sie sich das auch selber wünscht.

Der Nachrodter Hof hat übrigens noch reichlich Platz für weitere Bufdis: im Sozialdienst wie Christina Biroth, aber auch in der Pflege und im technischen Bereich. Interessierte können sich unter Tel. 0 23 52/9 38 80 melden. ▪ Volker Griese

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