"Qbus" und das Verweilen an der Lenne

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Christian Waleczek stellte den Kommunalpolitikern und einer großen Schar Besuchern seine Planungen für ein außergewöhnliches Gastronomie-Konzept vor.

Nachrodt-Wiblingwerde - Es könnte dem neuen Café in Letmathe den Rang ablaufen. Es könnte der Gastro-Paukenschlag für den Märkischen Kreis werden. "Qbus" heißt der Oberbegriff für ein Gastronomiekonzept am Standort Rastatt. Und natürlich alles mit Blick auf die Lenne.

Demokratie lebt auch vom Widerspruch. Genau dieser macht Diskussionen erst lebendig – wie Peter Herbel in der Sitzung des Rates bewies. Der Christdemokrat trat als „einsamer Wolf“ gegen eine große Mehrheit an. Thema: Neubeginn am Rastatt-Standort. Zuvor hatte Christian Waleczek den Kommunalpolitikern und einer großen Schar Besuchern seine Planungen für ein außergewöhnliches Gastronomie-Konzept vorgestellt.

 „Qbus“ heißt das Zauberwort, der Ort zum Verweilen, der sich aus verschiedenen Einheiten zusammensetzt: Lounge und Café, Gaststätte und Dachterrasse. Es geht um Seecontainer, die eine flexible Raumgestaltung ermöglichen. „Mir ist ein nachhaltiges Konzept wichtig. Wir verwenden viele Bauteile, die schon im Einsatz waren, und bauen daraus Räume“, so Christian Waleczek. Die Trennwände können versetzt, verändert werden, Räume können so je nach Bedarf vergrößert oder verkleinert werden. Die erste Einheit besteht aus einem Gastronomie-Container, einem Bereich, in dem gekocht wird. Darüber: eine Dachterrasse. Es gibt eine Lounge und ein Café mit dem Namen „zeitvergEssen“ – „Entschleunigung, die Ruhe genießen mit dem Ambiente der Lenne“, so Christian Waleczek. Ein Café wäre erreichbar über eine Außentreppe. Die Lounge ist „klein, aber fein“ mit Sesseln und Sitzkissen und einem Kamin.“ 

Ein Highlight im Konzept: die Dachterrasse

Die Idee von Christian Waleczek ist, für Jung und Alt gleichermaßen einen Treffpunkt zu schaffen: „Der eine möchte gern im Café sitzen und den Ausblick genießen, der andere möchte in der Gaststätte Bundesliga gucken.“ Zudem gibt es die Idee, Vorlesungen, Weinverköstigungen und Afterwork-Angebote mit Livemusik zu veranstalten. Der Gaststätte hat Christian Waleczek den Namen „Pausenraum“ gegeben – für bis zu 40 Personen. Ein Highlight im Konzept: die Dachterrasse. Und für Rollstuhlfahrer ist ein Lift angedacht. Impressionen von ausgebauten Containern und ein kleines Modell machten es möglich, dass sich die Mitglieder des Rates als auch die vielen Besucher ein konkretes Bild machen konnten. 

So könnt es innen aussehen.

Nach dem Applaus gab es den Seitenhieb: „Jetzt ist man auf die Idee gekommen, einen Imbiss de luxe zu installieren“, meinte Peter Herbel (CDU), der zuvor den Werdegang der Rastatt zusammenfasste. „Diese Art der Bauten konnte man nach der Wende auf jedem Rastplatz an der Autobahn im Osten besichtigen. Ich glaube nicht, dass es eine Maßnahme ist, die bei den Bürgern ankommt“, meinte Peter Herbel und beantragte, eine Bürgerversammlung einzuberufen. Dies wurde später mit großer Mehrheit des Rates abgelehnt – zumindest für den aktuellen Zeitpunkt. Es gab lediglich drei Stimmen dafür und eine Enthaltung. 

Es war Martin Schmitz, der im Ehrenamt das neue Projekt mitbetreut, der nicht nur eine Lanze für „Qbus“ brach, sondern auch seine Zuhörer begeistern konnte. Schmitz erläuterte die sogenannten Milieu-Studien. Was sind das für Menschen in Nachrodt-Wiblingwerde? „Es ist immer einfacher, einen Bedarf zu befriedigen, als einen Bedarf zu wecken“, so Martin Schmitz. Dieses Konzept treffe genau den Punkt – „denn es ist nicht ein Konzept, sondern es sind vier. Und hier hat man den Vorteil, dass man nicht etwas für die Ewigkeit baut, sondern ein sehr geringes Risiko eingeht. Es gibt viele Dinge, die dafür sprechen, und keinen Grund, der dagegen spricht.“ Es sei nicht ein Konzept aus den 90er Jahren, sondern das Gegenteil. Nachrodt-Wiblingwerde bekomme einen Imageschub. „Endlich kann die Gemeinde zeigen, was sie drauf hat, wenn wir es schaffen, das Café, das gerade in Letmathe eröffnet hat, zu übertrumpfen. Wir werden es schaffen, mit diesem Konzept ein Ausrufezeichen nicht nur im Märkischen Kreis, sondern in Südwestfalen zu setzen.“

Peter Herbel forderte eine Bürgerversammlung.

 Auch der „Arbeitskreis Rastatt“ glaubt an den Erfolg. „Wir sind alle sehr angetan und wünschen uns, dass es in diese Richtung geht. Nicht nur für die Älteren, sondern auch für die Jüngeren“, so Sonja Hammerschmidt (UWG). Auch Sebastian Brinker (CDU) ist der festen Überzeugung, dass „wir damit ein breites Klientel ansprechen. Ein Magnet, der über die Region hinaus wirken kann.“ Christian Pohlmann (SPD) ist besonders beeindruckt von der Flexibilität des Konzepts und Jens-Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU, sieht endlich Chancen für eine neue Gastronomie in Nachrodt. „Wenn es ein Votum dafür gibt, können wir auf Investoren zugehen“, erklärte Kämmerin Gabriele Balzukat. Matthias Lohmann würde den neuen Weg gern anders verkaufen: „Es ist eine Anlehnung an den Bauhausstil mit einem wirtschaftlichen Konzept. Das mit den Containern hat den Anschein, als sei es billig.“ Und er brachte es auf den Punkt: „Wir müssen uns davon verabschieden, dass es ein Ersatz für die Rastatt ist. Es ist ein völlig neues Konzept, für das man den alten Standort nutzt.“ Der Rat beschloss mit einer Gegenstimme, dass die Verwaltung beauftragt wird, die Planungen für das Konzept von Christian Waleczek weiter auszuarbeiten.

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