50 Jahre altes Prunkstück des Hofes strahlt wieder

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Mit seinem Fendt zu arbeiten, bereitet Christian Pühl besonders viel Freude. Sogar frostige Temperaturen und Schnee können ihn davon nicht abhalten. Foto: Machelett

Nachrodt-Wiblingwerde - Der grüne Fendt Farmer 2D, Baujahr 1964, mit einem Hubraum von 1990 Kubikzentimetern und 30 PS bei 2100 Umdrehungen ist der Traum von Christian Pühl. Wochenlang hat der 23-Jährige an dem alten Trecker geschraubt, lackiert und poliert. Nun strahlt er wie vor 50 Jahren, als er auf den Bauernhof der Familie in Haste kam. Ein echtes Prunkstück für die damalige Zeit.

„Oh, das war schon toll damals. Der Trecker hatte ein seitliches Mähwerk. Damit konnten wir plötzlich unsere Flächen viel schneller bewirtschaften“, erinnert sich Ilse Pühl. Die Seniorin kann sich noch gut an den 9. Januar 1964 erinnern, als 1964 der Traktor auf den Hof kam. Gekauft hatte ihn die Familie beim Landmaschinenhandel Wilke in Wiblingwerde. Seither ist das Fahrzeug im Einsatz. Wenn er auch zuletzt nicht mehr auf dem Feld unterwegs war, so leistete er doch treue Dienste auf dem Hof. Als die Familie 2005 die Kühe abschaffte und auf Pferdhaltung umstellte, wurde der Fendt noch zum Abziehen des Reitplatzes benutzt. Ansonsten stand er in der Scheune.

Die originalen Metallschilder wurden mit besonders viel Liebe gesäubert und nachgearbeitet. Nun erstrahlen sie in neuem Glanz. Foto: Machelett

„Ich wollte ihn schon immer einmal fertig machen. Aber neben meiner Ausbildung und der Arbeit fehlte mir die Zeit. Jetzt besuche ich die Techniker-Schule und habe wieder Ferien“, erzählt Christian Pühl. Das Projekt begann bereits in den Sommerferien. Zuerst wurden mühselig alle Metallteile abgeschraubt. „Ich hatte Glück, der Motor war auch nach 50 Jahren noch gut in Schuss. Der läuft und läuft – unglaublich“, sagt Pühl. Jedes einzelne Teil des Treckers wurde mit dem Sandstrahler bearbeitet. Eine Arbeit, die einige Tage in Anspruch nahm. Der Bastler nahm seine Arbeit sehr genau und entwickelte Ehrgeiz. Jedes einzelne Schild an dem Oldtimer wurde demontiert, nachgearbeitet und auf Hochglanz poliert. Der Trecker sollte ein echtes Schmuckstück werden. „Klar, dass ich beim Lackieren nur die echten Fendt-Farben – Grün, Rot und Grau – benutzt habe.“ Das Lackieren sei die größte Herausforderung gewesen. Vor allem die großen Teile, wie beispielsweise die Motorhaube, hätten Zeit gekostet. Immer wieder bildeten sich in den Rundungen Tränen, die abgeschliffen und überlackiert werden mussten. Doch nicht nur von außen bekam das Dieselross einen neuen Lack, sondern auch die Teile des Drei-Zylinder-Viertakt-Motors wurden mit Farbe überzogen. Für den Liebhaber Ehrensache. Schließlich geht es nicht bloß um den äußeren Schein.

Die alten Fahrzeugunterlagen belegen die Geschichte des Treckers. Das alte AL-Kennzeichen, das früher den Fendt zierte, möchte Christian Pühl nun wieder beantragen. Foto: Machelett

Natürlich habe es auch Momente gegeben, in denen er am liebsten alles hingeschmissen hätte. „Wirklich verzweifelt bin ich aber eigentlich nur beim Einbau eines neuen Warnblinklichtschalters“, erzählt Pühl. Früher gab es ein so genanntes Zwei-Kammer-System, in dem Brems- und Blinklicht ein und dieselbe Lampe waren. Daher sei der Schaltkreis etwas komplizierter. „Gemeinsam mit einem Freund habe ich alles Mögliche probiert. Aber es klappte einfach nicht. Am nächsten Tag kam mein Bruder und hat den Fehler gefunden – zum Glück.“

Nach mehr als einem halben Jahr Arbeit sah der Trecker aus wie neu. Doch die größte Herausforderung stand noch bevor – der TÜV. „Ich hatte schon Angst, dass irgendetwas nicht stimmt, dass die Bremsen vielleicht nicht gut genug sind“, erinnert sich Pühl. Doch alle Sorge war unbegründet. Der alte Trecker war in einem tadellosen Zustand. Keinerlei Mängel.

Nun freut sich der Haster darauf, sein Schmuckstück auszufahren. „Es macht einfach Spaß. Es gibt kein Dach und der Wind weht einem um die Ohren.“ Beispielsweise würde er gerne mit einem Kumpel, der ebenfalls einen alten Trecker restauriert hat, an verschiedenen Treckertreffen teilnehmen. Bestimmt wird das Schmuckstück bereits auf dem Weg dorthin einige Blicke auf sich ziehen. Zeit zum Gucken haben die Passanten. Schneller als 20 Stundenkilometer fährt der Oldtimer nämlich nicht – und selbst die sind nur unter optimalen Bedingungen möglich. -Lydia Machelett

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