Christen und Moslems verbindet eine Menge

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Der Theologie und Religionswissenschaftler Dr. Reinhard Kirste (l.) erläuterte im Fibs die Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam, zweier nur scheinbar gegensätzlicher Religionen. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Der Islam ist kein einheitlicher Block, sondern eine ganz vielfältige Religion – wie im übrigen das Christentum auch“, sagte Pfarrer i.R. Dr. Reinhard Kirste im internationalen Frauencafé im Evangelischen Familienzentrum (Fibs). Mit Teilnehmerinnen unterschiedlicher Herkunft und Religion suchte er nach Gemeinsamkeiten der beiden Weltreligionen.

Eine ganz wichtige Gemeinsamkeit entdeckten die Teilnehmerinnen gleich zu Beginn: Christen und Muslime glauben an denselben Gott. Was im ersten Moment unglaublich klingt, klärte Pfarrer Dr. Kirste schnell auf: „Auf Arabisch heißt Gott nichts anderes als Allah.“ Türkische Muslime hätten dieses Wort aus der arabischen Sprache auch deshalb übernommen, weil im Türkischen für andere Gottheiten ein anderes Wort gebe. Doch auch sonst gebe es zwischen Anhängern des Christentums und des Islam eine „große Ebene der Gemeinsamkeiten“, betonte der evangelische Theologe und Religionswissenschaftler. Dazu zähle beispielsweise die Fastenzeit, die beide Glaubensgemeinschaften – wie im übrigen alle Religionen – kennen. „Sowohl Christen als auch Moslems geht es beim Fasten darum, durch den Verzicht auf äußere Dinge die Konzentration auf das Wesentliche zu lenken und zu innerer Einkehr zu gelangen“, erklärte Dr. Kirste.

Sogar Jesus spielt in beiden Religionen eine bedeutende Rolle. „Er wird von den Muslimen als Prophet hoch verehrt“, wusste Dr. Kirste. Allerdings, schränkte er ein, glaubten Moslems nicht wie die Christen daran, dass er am Kreuz hingerichtet worden sei. „Muslime können einfach nicht verstehen, dass Gott so etwas zugelassen hätte“, erläuterte der Religionsexperte.

Reinhard Kirste erläuterte im Gespräch mit den Frauen auch bekannte und weniger bekannte religiöse und nichtreligiöse Symbole. So hatte er einen sunnitischen Gebetsstein mitgebracht, den Muslime im Iran und in der Ost-Türkei beim Gebet vor sich auf den Boden legen, um ihn dann mit ihrer Stirn zu berühren. Eine ganz weltliche Hilfe für Muslime, die im Nahen und Mittleren Osten in jedem Hotel zu finden sei, hatte er auch im Gepäck: ein Hinweisschild, dessen Pfeil die Gebetsrichtung nach Mekka anzeigt. Was denn eigentlich der Osterhase mit dem christlichen Osterfest zu tun habe, wollte einige muslimische Frauen im Gegenzug wissen, und sie erfuhren, dass das Langohr mit dem Christentum eigentlich gar nichts zu tun habe, sondern lediglich ein Symbol für das Leben sei.

Diese und andere Fragestellungen wurden und werden im internationalen Frauencafé erörtert, um gegenseitiges Verständnis für die jeweils andere Religion zu wecken. Das Gespräch mit Dr. Reinhard Kirste, der in seiner früheren Tätigkeit als Pfarrer sogar ein Krippenspiel mit evangelischen und muslimischen Kindern durchgeführt hat, wird deshalb am Montag, 7. März, (14 bis 16 Uhr) auch noch fortgesetzt. „Interessierte Frauen können dann auch eine Kinderbetreuung in Anspruch nehmen“, sagte Fibs-Erzieherin Silke Schulte. Dazu sei nur eine kurze telefonische Anmeldung im Fibs (Tel. 0 23 52/37 53) notwendig. ▪ vg

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