Chaos in der Bücherzelle

Kreuz und quer stapeln sich die Bücher in der Telefonzelle am Dorfplatz Wiblingwerde.
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Kreuz und quer stapeln sich die Bücher in der Telefonzelle am Dorfplatz Wiblingwerde.

Die Resonanz ist groß auf die Bücherzelle in Wiblingwerde. Aber so mancher Nutzer lädt dort einfach Bücher kreuz und quer ab. Es sieht wild aus in der Telefonzelle.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Einige Bücher soll man kosten, andere verschlingen, und einige wenige kauen und verdauen“, soll der englische Philosoph Francis Bacon einmal gesagt haben. Von hinwerfen und abladen war da keine Rede. Das passiert gerade in der Bücher-Telefonzelle in Wiblingwerde.

„Liebe Leute, so geht das nicht“, sagt Kirsten Steinecke, die sich um die rote Bücherzelle am Dorfplatz kümmert. Sie ist hin- und hergerissen. Grundsätzlich findet sie es großartig, wie gut die kleine Schmökerstube angenommen wird, aber gleichzeitig kommt sie mit dem Aufräumen nicht mehr hinterher. „Ich möchte nicht meckern“, zögert die Wiblingwerderin mit Kritik.

200 Bücher stapeln sich im Gästezimmer

Aber es gibt augenscheinlich einige Leute, die die Telefonzelle zum Abladeplatz ihrer Bücher umfunktionieren. „Ich habe jetzt 200 Bücher im Gästezimmer gestapelt, die da nicht mehr ‘reinpassen und wegschmeißen ist ja wirklich nicht im Sinne des Erfinders.“

Fakt ist: In der Bücherzelle sind im besten Fall die Schmöker nach Themen sortiert. Krimis werden immer wieder gern geholt, aber auch Romane und Kochbücher stehen hoch im Kurs der Leser. „Es sind keine Ladenhüter dabei, kein Schrott, sondern oft ganz moderne, gerade erschienene Bücher für alle Altersgruppen“, schwärmt Kirsten Steinecke. Und gerade die gute Sortierung kommt bei den Lesern richtig gut an.

Thriller, Koch- und Kinderbücher kreuz und quer

Wer Literatur sucht, wird schnell etwas Passendes nach seinem Geschmack finden. Es wird viel getauscht, viel nach Büchern gesucht. Doch dann und wann, mittlerweile ziemlich oft, läuft die Bücherzelle über – und so manches deshalb im engen Raum aus dem Ruder.

Von Sortierung kann dann keine Rede mehr sein. „Ich komme nicht mehr hinterher, versuche zweimal in der Woche hinzugehen und aufzuräumen. Im Sommer ist das kein Problem, weil man die Bücher auf der Bank nebenan stapeln und in Ruhe gucken kann, im Winter ist das nicht möglich.“

Appell per Zettel

Kirsten Steinecke hat es mit Appellen versucht, einen Aufruf auf einem Zettel gestartet, doch bitte ein paar Bücher gleichzeitig mit nach Hause zu nehmen, damit man wieder Land sehen kann.

„Nach einer Woche lag auch die ganze Erde voll Bücher, einfach hingepfeffert“, erzählt Kirsten Steinecke enttäuscht und findet es furchtbar schade, dass einige wenige Leute augenscheinlich nicht mitdenken.

„Aber es gibt auch andere, die stillschweigend helfen und für ein bisschen Ordnung sorgen.“ Die Telefonzelle als Bücher-Paradies wurde im Juni vergangenen Jahres aufgestellt. Die Idee hatte Kirsten Steinecke, um die Umsetzung kümmerte sich die Gemeindeverwaltung. Nach langem Suchen wurde eine Telefonzelle im Norden Deutschlands gefunden, die in der Autolackiererei Brüggemann aufgehübscht wurde.

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