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CDU-Generalsekretär mit „Ohr am Gleis“

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Von: Thomas Keim, Susanne Fischer-Bolz

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Paul Ziemiak war bei Bürgermeisterin Birgit Tupat zu Gast.
Paul Ziemiak war bei Bürgermeisterin Birgit Tupat zu Gast. © Fischer-Bolz, Susanne

Dass die Nachrodter Bürgermeisterin mit „Bürgermeister Besserwisser“ aus dem Kinderfilm so gar nichts gemeinsam hat, erklärte Paul Ziemiak seinem Sohn schon vor dem Treffen mit Birgit Tupat. Nach seinem „Antrittsbesuch“ weiß der CDU-Generalsekretär aber noch vieles mehr.

Altena/Nachrodt – Paul Ziemiak hörte von den Sorgen um das „liebe Geld“, das trotz Förderzusage nicht nach Nachrodt fließt, von dem geplanten Bau der neuen Lennebrücke und dem damit verbundenen Planfeststellungsverfahren und von der traurigen Aussicht auf eine Vollsperrung der B236, wenn für die Hangsicherung Teile des Felsens gesprengt werden müssen. „Wir wissen, dass wir nicht allein auf der Welt sind“, meinte Bürgermeisterin Birgit Tupat, erhofft sich aber natürlich Unterstützung vom Bundestagsabgeordneten.

Büros vernetzen

Der sagt: „Wir versprechen seit Jahrzehnten Bürokratieabbau. Das ist ein langer Weg. Aber ich würde gern mein Büro mit demjenigen vernetzen, der sich in Nachrodt um die Fördermittel kümmert. So können wir eng zusammenarbeiten“, versprach der CDU-Generalsekretär, der gerade eine spannende Zeit seiner Partei erlebt. Und mitgestaltet. Allerdings ist er keine Frau – was jetzt bei der Erneuerung seiner Partei von Vorteil wäre. Denn Teams sollen paritätisch besetzt sein. Und so antwortet Paul Ziemiak auf die Frage, ob er gern Generalsekretär bleiben würde, auch diplomatisch. „Mir hat es sehr viel Freude gemacht, auch wenn es eine sehr anstrengende Arbeit ist, aber wie es nun kommt, wird sich zeigen. Und der Satz ‘ich würde gerne weitermachen’ hört sich so an wie ‘bitte lasst mich weitermachen’“, sagt er lachend. So möchte er nicht ‘rüberkommen. Zu den Kandidaten für den CDU-Vorsitz sagt Paul Ziemiak: „Ich kenne alle, ich mag alle, alle haben ihr eigenes Profil.“

„Ich mache mir große Sorgen“

Thema in Nachrodt, Thema in Berlin, Thema allerorts: die dramatisch steigenden Inzidenzzahlen. „Ich mache mir große Sorgen“, sagt Paul Ziemiak zur vierten Welle. Er selbst war bei einer Karnevalssitzung. Mit 2G plus und Kontaktverfolgung. Vor Ort wurde getestet.

„Die Menschen sind froh, feiern zu können“, so Paul Ziemiak, der mit 2G plus das Risiko übersichtlich findet. Er glaubt nicht, dass es kein Konzept gibt, Veranstaltungen durchzuführen. „Unser Problem ist doch, dass wir bei 3G nicht ausreichend kontrolliert haben. Die Regeln, die man bisher hatte, seien nicht strikt eingehalten worden. Paul Ziemiak hat es selbst erlebt, als er mit Freunden zum Essen war. Zweites Problem: die Ungeimpften. „Es ist nicht nur eine Pandemie der Ungeimpften, aber sie sind Beschleuniger.“ Eine generelle Impfpflicht lehnt der CDU-Generalsekretär ab. Ob sie für einige Berufsgruppen kommt, „wird jetzt diskutiert.“ Aber was passiert dann?

Keine Impfpflicht

In Sachsen sei die Hälfte des Pflegepersonals nicht geimpft. Wenn sich davon dann die Hälfte einen anderen Job suche, würde die Situation kritisch. „Viele der Impfgegner werden sagen: Ich lasse mich nicht zwingen. Da kann kommen, was will“, meint auch Bürgermeisterin Birgit Tupat, dass eine Impfpflicht zu keinem Erfolg führen wird.

„Das richtige Mittel ist die flächendeckende Einführung von 2G plus im Bereich des nicht Lebensnotwendigen“, glaubt Paul Ziemiak. Es sei auch ein Unterschied, ob man vor Ort teste oder irgendeinen Wisch mitbringe. Dass der Nachrodt-Wiblingwerder Weihnachtsmarkt – seines Zeichens keine Großveranstaltung – abgesagt wurde, findet der CDU-Generalsekretär allerdings grundsätzlich gut. Und auch Birgit Tupat. „Das ist ein offenes Gelände, man kann von überall dort hineinkommen“, so die Bürgermeisterin. „Für so eine kleine Gruppe von Ehrenamtlern ist das nicht zu stemmen.“

„Ich möchte wissen, was vor Ort passiert“

Apropos stemmen: Die Begrüßungstour in seinem Wahlkreis ging für Paul Ziemiak nahtlos weiter. Er war ebenso in Altena als auch in Plettenberg und beim Landrat zu Gast. „Wichtig ist, dass man sich gegenseitig informiert und rückkoppelt. Ich muss und möchte wissen, was vor Ort passiert“, so der Bundestagsabgeordnete.

Per Du

In der Burgstadt war man mit „Uwe“ und „Paul“ beim freundschaftlichen Du. „Wir kennen uns schon lange“, stellte Ziemiak fest. In der Zeit nach der Flut sei man zweifellos näher zusammengerückt.

Dem pflichtete Uwe Kober bei: „Paul Ziemiak macht viel im Hintergrund“, würdigte er den Einsatz seines Parteifreundes, der zu einem Teil auch ganz bewusst außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung stattfinde. So zum Beispiel, als man nach der Flut eine ganze Wagenladung Bautrockner an der Feuerwache an der Bachstraße entgegengenommen habe.

Ansprechpartner in Berlin

Generell sei es gut, dass man „als kleine Kommune einen Ansprechpartner in Berlin“ habe. Da sei er sich sicher, in Paul Ziemiak einen verlässlichen Mann zu haben. Ziemiak sagte in der gleichen Zielrichtung, man könne in Berlin „keine gute Politik machen, ohne das Ohr am Gleis zu haben.“ Für Kober hatte der Bundespolitiker seinerseits Lob parat: Unabhängig davon, ob es um Entscheidungen des Landtages oder des Bundestages gehe: „Uwe Kober ist das Gesicht des Staates vor Ort“.“

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