Peter Herbel aus Nachrodt

CDU-Urgestein wird 80 - und rechnet mit eigener Fraktion ab

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Peter Herbel: Ein Mann der klaren Worte wird heute 80.

Nachrodt-Wiblingwerde –CDU-Urgestein Peter Herbel wird 80 Jahre alt. Er blickt zurück, voraus - und übt deutliche Kritik an den eigenen Reihen.

„Ich wäre natürlich lieber 30. Aber ich hadere nicht mit dem Älterwerden“, sagt Peter Herbel und lacht. „Jammern nützt ja nichts.“ Heute wird er 80 Jahre alt – und ist an seinem Geburtstag mit seiner Frau auf Norderney. Mit seinen 80 Jahren hat Peter Herbel  kein Problem, wohl aber mit den aktuellen Begebenheiten in seiner Partei und im Rat. 

Sie sind mit der Gemeinde verwurzelt, mit der Kommunalpolitik gleichermaßen. 34 Jahre waren Sie Fraktionsvorsitzender der CDU. 2020 wollen Sie definitiv aufhören. Fühlen Sie sich jetzt zu alt, um weiter zu machen? 

Peter Herbel: Ich fühle mich nicht zu alt. Aber die Zeit hat sich geändert und auch die Menschen. Das sind nicht mehr die Leute, mit denen ich zusammen im Rat oder im Kreistag gesessen habe. Da wurde damals noch um den besseren Weg leidenschaftlich diskutiert. Ratsmitglieder wie Rainer Politowski, Rudi Draheim, Friedhelm Schröder oder Stefan Schnietz, aber auch Peter Joergens oder Johannes Illerhaus sind leider Geschichte.

Ich habe in den 48 Jahren, in denen ich ununterbrochen einem kommunalen Parlament angehört habe, hervorragende Frauen und Männer kennengelernt. Sie haben trotz unterschiedlicher Meinungen den gegenseitigen Respekt nie verloren. 

Diesen Respekt vermisse ich jetzt bei einigen, für die offensichtlich das Alter ein Makel und Respektlosigkeit zur Tugend geworden ist. Vor allem, wenn dies aus den eigenen Reihen kommt, ist das nur schwer zu ertragen. Und ich komme mir bei den Ratssitzungen vor, als ob ich mich auf einem Kaffeekränzchen befinden würde. Es werden nur noch Verwaltungsvorlagen abgesegnet.

Man hat ein wenig den Eindruck, dass Sie in vergangenen Monaten in der CDU etwas außen vor sind. Stimmt das? 

Herbel: Ja klar. Das stimmt. Man hat mich gänzlich isoliert. 

Aber das tut doch weh, oder?

Herbel: Ja, das tut dann weh, wenn man in die Fraktionssitzung kommt und den Eindruck hat, dass schon alles festgelegt ist. Wenn man Einwände hat, dann werden diese abgewimmelt, denn man hat sich ja schon vorher verständigt. 

Es klingt ein wenig nach Traurigkeit, aber auch nach einer Abrechnung.

Herbel: Eigentlich ist das nicht damit gemeint. Ich schildere nur meine subjektive Wahrnehmung – und das wird gestattet sein. Es sind auch nicht alle gemeint. 

Man hat als Außenstehender manchmal den Eindruck, dass Sie sich in Themen verbeißen. Ich nenne mal die Rastatt, die Brücke, den Friedhofsweg.

Herbel: Ich verbeiße mich nicht, aber wenn ich einmal etwas anfange, dann bringe ich es auch bis zum Schluss. Beim Friedhofsweg wäre es falsch gewesen, ihn auszukoffern und die Anlieger mit hohen Summen zu belasten. 

Mein Anliegen ist und war es immer, die Bürger zu schützen. Ich habe nie den Anspruch erhoben, über die alleinige kommunalpolitische Weisheit zu verfügen. Doch ich möchte am Ende meines politischen Weges nicht mit Beschlüssen in Verbindung gebracht werden, die sich negativ auswirken werden. Ich nenne mal die Rastatt oder den Brückenneubau an der von Straßen.NRW geplanten Stelle. 

Man wirft Ihnen manches Mal Altersstarrsinn vor. 

Herbel: Tatsächlich ist das ein Totschlagargument, das meistens von Leuten gebraucht wird, die schon mit 35 gegen den heißen Ofen gelaufen sind. 

Apropos Alter: Was ist mit jungen Leuten, mit Nachwuchs in der Partei? 

Herbel: Wenn man heute Leute sucht, die sich für die Kommunalpolitik engagieren sollen, dann braucht man Menschen, die sich emotional mit der Gemeinde verbunden fühlen. Aber meistens sind diese Leute dann in ihrem Beruf so eingespannt, dass sie keine Zeit mehr haben. Und das auch nicht wollen. 

Und diese Leute nehmen natürlich auch den Hick-Hack in der Politik wahr, auch im Kleinen. Das Desaster in der SPD beispielsweise. Ich habe sehr bedauert, dass man Frau Jakoby so herausgeschustert hat. Aber man kennt die Hintergründe nicht genau. 

Und bei der CDU? Wie sieht es für die nächste Kommunalwahl aus? 

Herbel: Mit schwant Unheil. Mit denen Leuten möchte ich nicht auf einer Liste kandidieren, auch wenn ich 30 wäre. 

Schauen wir einmal zurück. Es gibt eine lange Liste Ihres Engagements: Zehn Jahre ehrenamtlicher Richter am OVG Münster, 20 Jahre Schöffe am Landgericht Hagen, stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU, Ehrenbeamter des Märkischen Kreises. Doch gibt es Leute, die es Ihnen nie verziehen haben, dass Sie mal in der NPD waren. 

Herbel: Ein politischer Irrtum wird selten verziehen. 

Hat Sie das sehr belastet?

Herbel: Nein, ich brauche nicht über das erschrocken zu sein, was ich damals wie heute gesagt und getan habe. Ich habe mich immer an demokratische Spielregeln gehalten, sonst hätte mich die CDU-Kreistagsfraktion wohl kaum aufgenommen. 

Wenn Sie heute die AfD erleben, wie beurteilen Sie das Handeln? 

Herbel: Ich glaube, dass die AfD in der Migrationspolitik recht hat. Wenn sie weiter nach rechts rückt, dann halte ich das allerdings für gefährlich. 

Die großen Volksparteien haben aktuell sehr zu kämpfen. Ist ihre große Zeit vorbei? 

Herbel: Ich glaube, dass das Ende eingeläutet ist. Und zwar aus einem einfachen Grund: Die wirklichen Probleme werden einfach unter den Teppich gekehrt – die Politik ist zu weit weg von den Menschen. 

Aktuell in aller Munde ist der Klimaschutz. Wie wichtig ist der auch für Nachrodt-Wiblingwerde? 

Herbel: Unwichtig ist es auf keinen Fall. Nur im Moment gibt es eine Klima-Hysterie. Und die, die am lautesten schreien, sind die, die morgen mit einem Kreuzfahrtschiff in die Karibik fahren. Aber es gibt natürlich auch Idealisten.

Was schätzen Sie denn besonders an der Gemeinde? Was lieben Sie? 

Herbel: Die Landschaft gefällt mir sehr, und man kennt hier jeden. Das ist Heimat. Und Freundschaften? Ich halte viel von Freundschaften, in der Politik gibt es allerdings wenige. Wirkliche Freunde waren da für mich Friedhelm Schröder und Ursula Schroeder.

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