Carl Dresel rettet die Dresel-Glocke

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Interessante Einzelheiten zum 300-jährigen Geburtstag der kleinen Glocke im Wiblingwerder Kirchturm (AK berichtete) finden sich im Familienarchiv Dresel. Dort hat Carl Dresel (1891 - 1961) niedergeschrieben, welche Bewandtnis es mit der Entstehungsgeschichte und dem Schicksal der Glocke auf sich hat.

Dresel war als Kriminalkommissar in Görlitz tätig und gründete 1957 den noch heute bestehenden Familienverband Dresel. Er trug im Ruhestand etliche historische Fakten zusammen. So ist es Dank seiner Recherchen kein Geheimnis, was es mit der Bronzeglocke auf sich hat: Sie hat einem namentlich bekannten Stifter, nämlich Thomas von Dresel zum Grennigloh. Er war „Eltestenvorsteher“ (Ältestenvorsteher) der Kirchengemeinde.

Karl Burkhardt, 1929 Pastor in Wiblingwerde, hatte sich ebenfalls mit der Geschichte der Gemeinde befasst und in einem Bericht über den Dorfbrand von 1709 Einzelheiten festgehalten: Der Brand war so heftig, dass er Dorf und Pfarrhaus verwüstete, Turmhelm und Kirchendach vernichtete und die Glocken schmelzen ließ. Außerdem ging bei diesem Brand das Kirchenarchiv verloren.

Und es hätte nicht viel gefehlt, da wäre die Bronzeglocke aus dem Jahr 1710 auch verloren gewesen. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs würden überall im Land Kirchenglocken eingezogen und eingeschmolzen, weil die Bronze für die Rüstungsproduktion benötigt würde. Dieses Schicksal drohte auch der Dresel‘schen Glocke. Und es war ein Dresel, Carl Dresel nämlich, der sie davor bewahrte. Er erfuhr davon 1942 in Stettin und schrieb gleich an den zuständigen Konservator in Münster. Dresel bat ihn dringend, die Glocke vor dem Einschmelzen zu schützen „weil sie für Sippe Dresel einen historischen Wert darstellt.“ So gelang es schließlich, dass die Glocke von der Stufe B (kurz vor dem Einschmelzen) in die Stufe D neu eingeordnet wurde und eine „hohe Nummer“ erhielt. Carl Dresel erhielt die Antwort, dass der Krieg nun noch vier Jahre dauern müsse, bis die Glocke in den Schmelztiegel wandere. Der Krieg aber sollte 1945 zu Ende gehen.

Noch war die Glocke aber nicht in Sicherheit, denn nach dem Krieg erfuhr Carl Dresel, dass die englische Besatzungsmacht 800 Kirchenglocken beschlagnahmt hatte. Dresel wandte sich an den Kirchenvorstand, der seinerseits die nötigen Schritte unternahm. Die Glocke wurde freigegeben und konnte schließlich an ihren Platz im Turm zurückkehren. ▪ tk

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