Bundesverdienstkreuz für Lotte Glasow

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Landrat Thomas Gemke überreichte der Nachrodterin Lotte Glasow am Mittwochmorgen das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er lobte dabei ihre große Bereitschaft, sich für den Nächsten und die Gemeinschaft einzusetzen.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Lotte Glasow hat am Mittwoch aus der Hand von Landrat Thomas Gemke das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Die Bundesrepublik Deutschland würdigt damit das große soziale und politische Engagement der Nachrodterin.

Fast ein Jahr hatten ihre Parteifreunde von der SPD, die Lotte Glasow für die Ehrung vorgeschlagen hatten, die Angelegenheit geheim halten können. So war die 75-Jährige von der Einladung nicht nur völlig überrascht worden, sie hatte das Einladungsschreiben mit der Absenderanschrift des Märkischen Kreis auch zunächst völlig falsch interpretiert. „Als ich den Brief gesehen habe, habe ich zuerst gedacht, ich hätte wieder ein Knöllchen bekommen“, gab die Geehrte am Mittwoch zu.

Landrat Thomas Gemke hielt auch die Laudatio anlässlich der Ordensverleihung und zählte die vielen Wirkungskreise von Lotte Glasow auf: Für die Gemeinde wirkte die Sozialdemokratin ab 1985 zunächst als sachkundige Bürgerin im Sozialausschuss, ehe sie zwischen 1989 und 2004 sowie noch einmal von 2008 bis 2009 auch Mitglied des Rates war. Fünf Jahre lang sie sogar zweite stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde. Während ihrer kommunalpolitischen Arbeit engagierte sich Glasow vor allem für Jugendliche und Senioren.

Zu denen, die Lotte Glasow zur Auszeichnung gratulierten, gehörten auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag (r.) und der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Scheffler (l.).

Doch auch außerhalb der Politik engagierte und engagiert sich die Nachrodterin, zum Beispiel für Suchtkranke. Als vor rund 20 Jahren auf Gut Sassenscheid die Therapieeinrichtung einziehen sollte, sei es Lotte Glasow gelungen, in der Bevölkerung bestehende Bedenken auszuräumen, sagte Landrat Gemke. Bis heute fühle sie sich der Einrichtung verbunden. Darüber kümmere Glasow sich seit 20 Jahren um Flüchtlinge und Asylsuchende, helfe ihnen dabei, sich in Deutschland einzuleben. Ebenso lange engagiert sich die Nachrodterin in der Aktion „Helfen und helfen lassen“ und seit nunmehr 16 Jahren widmet sie einen Teil ihrer Freizeit für die Bewohner des Perthes-Hauses, indem sie unter anderem die Cafeteria betreibt. Mit weiteren Frauen der „Nachrodter Mahlzeit“ kocht sie seit elf Jahren einmal monatlich ein Drei-Gänge-Menü für rund 50 Personen, dessen Erlös dan in soziale Projekte fließt.

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Und auch auf kulturellem Gebiet ist Lotte Glasow aktiv: 2002 rief sie das SPD-Frauenkabarett ins Leben und 2010 war sie Mitgründerin des Vereins Kultur-Schock. „Neben alle dem wirkte sie von 1997 bis 2010 als ehrenamtliche Richterin am Verwaltungsgericht Arnsberg“, beendete Gemke seine Aufzählung von Glasows Ehrenämtern. Sie zeige, wie man die Welt auch im Kleinen verbessern könne, sagte der Landrat über Lotte Glasow. „Wir brauchen Menschen, denen das Schicksal ihrer Mitmenschen nicht gleichgültig ist und die sich für andere einsetzen“, erklärte er, dass das Wirken der Geehrten beispielgebend sein könne. Lotte Glasow verkörpere für viele Menschen den Inbegriff für Gemeinsinn und gelebtes soziales Engagement, so Gemke, der auch die Glückwünsche von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Regierungspräsident Dr. Gerhard Bollermann übermittelte.

Zu denen, die Lotte Glasow zu der hohen Auszeichnung persönlich gratulierten, gehörte Bürgermeisterin Birgit Tupat. Sie sei stolz, die Verdienstkreuzträgerin in der Gemeinde zu haben, versicherte sie und stellte die Gleichung auf: „Liebenswerte Menschen bauen eine lebenswerte Welt.“ Es sei imponierend, so Tupat, mit wie viel Fantasie Lotte Glasow, der Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit ein Herzensanliegen seien, immer wieder Hilfe für Bedürftige Menschen organisiere.

Lotte Glasow selbst suchte nach der Ehrung nach den passenden Dankesworten – und blickte auf ihre Arbeit zurück. „Am schwersten waren die Jahre mit den Bürgerkriegsflüchtlingen vom Balkan. Ich habe damals gedacht: Irgendjemand muss sich doch um diese Menschen kümmern“, erinnerte sie sich an die 1990er Jahre. Im eigenen Keller habe sie damals ein Warenlager eingerichtet, um die Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. Sie habe ihnen das Gefühl geben wollen, „dass jemand für sie da ist und dass sie jemandem etwas bedeuten“, beschrieb Lotte Glasow, was sie damals zu ihrer Hilfe motiviert habe.

Mit dem Gedanken, ihr segensreiches Wirken in der Gemeinde einzustellen, setzt sich die 75-Jährige übrigens noch nicht auseinander. „So lange meine Kraft noch da ist, mache ich weiter. Irgendwann muss ich doch gezwungenermaßen aufhören“, verschwendet sie keinen Gedanken an ein Leben ohne ehrenamtliches Engagement. ▪ Volker Griese

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